Anti-AfD-Tatort: Schmerzhaft realistisch

Tatort Norddeutschland: Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) nehmen es mit dem rechten Mob auf.

© NDR/Christine Schroeder

Tatort Norddeutschland: Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) nehmen es mit dem rechten Mob auf.

Falke soll der rechtspopulistischen Politikerin Nina Schramm (Anja Kling) Personenschutz geben.

© NDR/Christine Schroeder

Falke soll der rechtspopulistischen Politikerin Nina Schramm (Anja Kling) Personenschutz geben.

Punk Falke und die aalglatte Redenschwingerin geraten natürlich heftig aneinander.

© NDR/Christine Schroeder

Punk Falke und die aalglatte Redenschwingerin geraten natürlich heftig aneinander.

Kurz darauf wird ein Anschlag verübt, Schramms Mann (Udo Schenk, l.) stirbt.

© NDR/Christine Schroeder

Kurz darauf wird ein Anschlag verübt, Schramms Mann (Udo  Schenk, l.) stirbt.

Falke sieht sich mitten in einer rücksichtslosen Medienkampagne der Rechten.

© NDR/Christine Schroeder

Falke sieht sich mitten in einer rücksichtslosen Medienkampagne der Rechten.

Die versuchen, den Anschlag den Linksextremisten anzuhängen.

© NDR/Christine Schroeder

Die versuchen, den Anschlag den Linksextremisten anzuhängen.
18.12.2017 · von Tobias Frauen

So sieht es aus, wenn Norddeutsche herzlich werden: "Ich bin Julia. Aber ich würde mich wohler fühlen, wenn wir beim Sie bleiben." Fortan herrscht also im Tatort Norddeutschland das "hanseatische Du", Siezen mit Vorname - es sei denn, Falke brüllt einfach "Grosz!".

Aber diese kleine Szene zeigt, dass der BKA-Ermittler Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und seine neue Partnerin Julia Grosz (Franziska Weisz) langsam warm werden. Nach dem sehr schweigsamen Zusammenarbeit im letzten Fall schweißt "Dunkle Zeit" das Team etwas weiter zusammen. Ex-Punk Falke mit der fassungslosen Wut auf rassistische Hetzer und deren Anhänger, Grosz als kühle Diplomatin, aber dennoch mit Haltung.

"Dunkle Zeit" ist , auch wenn es am rechten Rand niemand wahrhaben will, schmerzhaft realistisch und erfüllt damit eine der Grundideen des Tatort, aktuelle gesellschaftliche Spannungsfelder aufzugreifen. Die "neue Rechte" aus aalglatten Ehrgeizlingen, vermeintlich Abgehängten und völkisch Verklärten stößt auf die Demokraten, Denkenden und auch auf linksextreme Autonome. Dass diesen Rechten, ob man sie nun Rechtspopulisten, Patrioten oder einfach Nazis nennen will, nicht mit rationalen Argumenten und normalem Diskurs beizukommen ist, muss nicht nur Falke im Tatort schmerzlich erfahren.

Denn in der Realität wie im Tatort werden sie eskortiert von einer Heerschar an Möchtegern-Journalisten, die Wahrheiten verdrehen und eigennützige Fake-News produzieren. Im Tatort wird Compact-Macher Jürgen Elsässer wunderbar von Wilfried Hochholdinger parodiert. Die Anhänger fühlen sich bestätigt, alle anderen können leider nur kopfschüttelnd zuschauen. Ob diese Leute wirklich glauben, was sie da schreiben? Und auch die Auflösung würde im echten Leben wohl niemanden überraschen und hat belegbare Vorbilder.

Dass vor allem bei Twitter die rechte Ecke überschäumt, war zu erwarten. Doch auch unterhalb der politischen Thematik ist "Dunkle Zeit" ein gelungener, gut strukturierter Krimi mit überzeugenden Kommissaren. Nicht nur der wichtigste, sondern auch einer der besten Tatorte des Jahres.

Die besten Twitter-Kommentare zum Falke-Tatort

Tatort-Twitterer kennen das: Sobald der Hauch eines politischen Themas zu spüren ist, kommen sie aus den braunen Sumpf herausgekrochen, die "Staatsfunk"-Schreihälse, GEZ-Pöbler und Verschwörungs-Fans.

Nette Neben-Unterhaltung: Personenraten.

Bei allen Nicht-AfD-Wählern kam der Tatort sehr gut an...

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