"Als Tatort-Fan hätte ich mir die erste Folge genauso gewünscht"

Nick Tschiller (Til Schweiger) ist von seinem ersten Fall arg mitgenommen.

Nick Tschiller (Til Schweiger) ist von seinem ersten Fall arg mitgenommen. © NDR/Marion von der Mehden

28.02.2013 · von Tobias Frauen

Die Macher des neuen Hamburger Tatortes mit Til Schweiger verraten, was die Zuschauer bei "Willkommen in Hamburg" erwartet und wie sie den Hype um den neuen Kommissar erleben.

Dass „Willkommen in Hamburg“ kein normaler Tatort ist, erkennt man schon an den üppigen Materialien, mit denen der NDR die Pressevertreter im Vorfeld versorgt. Neben Bildern und Trailern gibt es auch eine Pressemappe mit ausführlichen Interviews zum Tatort mit Til Schweiger. Regisseur, Autor, Redakteur und natürlich auch der Star selber versichern darin, zwar einen neuen Tatort-Typ machen zu wollen, aber dennoch die Stamm-Zuschauer nicht zu verschrecken. Ob das gelingt?

„Die Vorverurteilungen waren erschreckend“

Drehbuchautor Christoph Darnstädt hatte die reizvolle Aufgabe, Charaktere und Aufbau des neuen Tatortes aus Hamburg von Grund auf gestalten zu können. „Man darf den nicht unerheblichen Teil der Zuschauer, die zum klassischen Tatort am Sonntag einschalten, nicht etwa mit einem langen Einstieg über Nick Tschiller und seine Beziehungen verprellen“, schildert Darnstädt seinen Ansatz. „Man muss diese Ebenen, auch gerade in der Auftaktfolge, eher in die Handlung verweben.“ Von klassischen Ermittler-Profilen hat das Team bei der Entwicklung schnell Abstand genommen. Nick Tschiller sei niemand, der „im Mantel an die Tür klopft und fragt ‚Wo waren Sie gestern Abend zwischen 21 und 22 Uhr‘“.

Dass es im Vorfeld ein immenses Medien-Echo rund um den Schweiger-Tatort gab, habe die Arbeit stellenweise erschwert. „Das Maß an Vorverurteilungen und Beißreflexen, die auf Til Schweiger und das Projekt niedergeprasselt sind, finde ich erschreckend“, sagt Autor Darnstädt. „Der Reiz der Serie ist ja, dass sie in ihren Erzählstilen so verschieden ist. Und unsere Auslegung eines Krimis mit viel Action, Spaß und dem Verzicht auf eine klassische Ermittlungsarbeit wird bestimmt sein Publikum finden.“

„Die ersten Minuten sollten gleich knallen“

Christian Alvart, Regisseur von „Willkommen in Hamburg“, kennt sich in der Tatort-Welt bestens aus. Mehrere Folgen aus Kiel gehen auf sein Konto, doch der Schweiger-Tatort soll in vielerlei Hinsicht das übliche Tatort-Konstrukt durchbrechen und neu definieren. „Die Reihe ist auf ihrer Metaebene so stark geprägt von ihren Normen, dass die Grenzüberschreitungen auch stets im Verhältnis dazu stehen“, so Alvart. „Der normale Zuschauer kennt die Regeln und kann sich doch gleichzeitig mit den Regelbrüchen arrangieren.“

Der neue Tatort aus Hamburg soll einen neuen Typ definieren – mit Action, Spannung und Humor. Dazu passt auch, dass die meisten Leichen zu Beginn vom Ermittler-Team selber produziert werden.  Der Regisseur ist aber dennoch überzeugt, dass „Willkommen in Hamburg“ gut ankommt: „Als Tatort-Zuschauer – ich guck ihn ja jeden Sonntag –hätte ich mir diese erste Folge genauso gewünscht, wie wir sie jetzt am Ende fertig gestellt haben.“

„Wir wollten einen etwas anderen Tatort“

NDR-Fernsehspielchef Christian Granderath betont ebenfalls, dass sich die Tatorte mit Nick Tschiller und seinem Team von anderen Einsatzorten  unterscheiden sollen. „Das Ganze sollte ‚larger than life‘ erzählt werden“, schildert Granderath. „Mainstream-Entertainment im besten Sinne, quasi ein ‚Popcorn-Tatort‘, wenn man so will.“

Für den Tatort als Reihe erhoffen sich die Macher durch die neue Ausrichtung und vor allem Til Schweiger als Zugpferd einen frischen Wind. „Wir wollen ein junges Publikum mit dem Ersten in stärkere Verbindung bringen“, spielt Redakteur Granderath auf das latente Alters-Problem des Tatort an (rund zwei Drittel der Zuschauer sind über 50). Auch Til Schweiger hofft, dass er und sein Team die Marke Tatort bereichern können: „Alle Beteiligten, Sender, Redaktion, Produktion und Regie wollten dasselbe: Einen etwas anderen Tatort machen. Alle hatten Lust drauf, das bitte ich zu bedenken, bevor ich wieder alles abkriege.“

„Willkommen in Hamburg“ läuft am 10. März um 20:15 Uhr in der ARD.

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