9,5 Millionen sehen misslungenen Saar-Tatort

"Adams Alptraum" entwickelt sich trotz solider Quote zum Desaster für den SR: Die Kritiken könnten nicht negativer sein.

"Adams Alptraum" entwickelt sich trotz solider Quote zum Desaster für den SR: Die Kritiken könnten nicht negativer sein. © SR/Manuela Meyer

27.01.2014 · von Tobias Frauen

Tatort ist, wenn man trotzdem einschaltet: Der Saarbrücken-Tatort "Adams Alptraum" holte gestern 9,5 Millionen Zuschauer und einen Anteil von 25,1 % (14-49: 3,01 Mio.; 20,2 %). Damit wird mal wieder deutlich, dass es gerade für viele ältere Zuschauer am Sonntagabend keine Alternative zum Tatort gibt, egal wer ermittelt und egal wie die Vorab-Kritiken sind. Um viertel nach acht lag der Tatort damit an der Spitze, auf den ganzen Tag gesehen war jedoch wieder das RTL-Dschungelcamp ganz vorne.

Hoffentlich haben auch die Verantwortlichen beim MDR gestern Tatort geschaut: Der Saarländische Rundfunk zeigt nämlich seit knapp einem Jahr eindrucksvoll, was man bei einem neuen Team alles falsch machen kann. Bei der Suche nach einem Nachfolger für das ebenfalls qualitativ beschränkte und mäßig beliebte Duo Saalfeld/Keppler will man in Sachsen einen Neustart wagen, ebenso wie 2012 im Saarland.

Doch auch nach dem dritten Fall sind Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück) noch nicht im Tatort-Land angekommen. Die SR-Tatorte wirken über große Strecken wie das Erstlingswerk eines Hobby-Filmers. Nicht nur die hölzernen Dialoge und das angestrengte Spiel der Figuren sind befremdlich, auch die filmischen Mittel sind bestenfalls drittklassig: Ein Polizeipräsidium, dass auch beim flüchtigen Hinsehen nach genau der alten Fabrikhalle aussieht, die es im echten Leben ist. Immerhin wird die nicht immer nachvollziehbare Logik durch die Figuren in kleinen Häppchen für den Zuschauer noch einmal nachgekaut.

Mindestens zwei Stellbrink-Tatorte folgen noch

Nach "Melinda" und "Eine Handvoll Paradies" machte der dritte Versuch des Saarbrücken-Tatortes aber den unverzeihlichen Fehler, ein ernstes Thema aufzugreifen. Es ist unverständlich, wie man den kindischen Kaspar-Kommissar auf einen vermeintlichen Pädophilen loslassen kann. Vor allem, weil es dramaturgisch nicht einmal notwendig war. Will der SR seinem misslungenen Experiment dadurch einen seriösen Anstrich geben?

Immerhin hat man den Part der Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach) deutlich heruntergefahren - das zeigt, dass auch die Verantwortlichen auf die Kritik reagiert haben. Doch das ist nur Kosmetik, denn die Tatort-Gemeinde trauert noch immer den unschön geschassten Vorgängern Kappl und Deininger nach. Mindestens zwei Saarbrücken-Tatorte stehen noch an: Die bereits abgedrehte Weihnachts-Folge für 2014 und ein weiterer Film, bei dem dann Desiree Nosbusch mit dabei ist.

Waren die Kommentare bei Facebook noch moderat und stellenweise durchaus positiv, erntete "Adams Alptraum" bei Twitter beissende, aber sehr unterhaltsame Kritik:

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