Welcher Tatort-Typ seid Ihr?

Event-Gucker, Heimatfreund oder Traditionalist - welcher Tatort-Typ seid Ihr?

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Event-Gucker, Heimatfreund oder Traditionalist - welcher Tatort-Typ seid Ihr?
01.05.2013 · von

DEN typischen Tatort-Fan gibt es nicht, die Reihe vereint Zuschauer aus allen Ecken der Gesellschaft vor dem Fernseher. Wir nehmen sechs verschiedene Spezies unter die Lupe - selbstverständlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit und bitteren Ernst. Wir haben uns jedenfalls sofort wiedererkannt. Welcher Typ seid Ihr?

Der Event-Gucker

Erst, wenn ein anstehender Tatort mehrere Tage lang das bestimmende Thema in den Medien ist und haufenweise überragende Empfehlungen eingeheimst hat, schaltet der Event-Gucker ein. Sein Tatort-Universum besteht also im Wesentlichen aus Thiel, Boerne und Til Schweiger. Die Doppelfolge mit Maria Furtwängler als Charlotte Lindholm hat er indes nur teilweise gesehen – für den zweiten Teil war die Aufmerksamkeitsspanne dann doch zu gering. Natürlich ist der Event-Gucker aber ganz vorne dabei, wenn es darum geht, die Kommissare am Montagmorgen in der Büro-Diskussion entweder völlig zu zerreißen oder über den grünen Klee zu loben. Ein Mittelmaß kennt der Event-Gucker naturgemäß nicht.

Wie er guckt: Entweder er veranstaltet selbst eine Tatort-Party oder er geht in die angesagteste Tatort-Kneipe der Stadt zum Public Viewing.

Der Heimatfreund

Eigentlich ist der Heimatfreund kein Tatort-Fan, aber er lebt zufällig in einer Stadt, wo es auch ein Tatort-Team gibt. Also schaut er nur die Einsätze seines Lokal-Kommissars und schlägt bei jedem offenkundigen Fehler die Hände über dem Kopf zusammen: "Diese Straße führt in eine völlig andere Richtung!" oder "Also, das war jetzt aber komplett falsch!" sagt er in 90 Minuten mindestens 30 mal. Trotzdem hegt er eine innige Liebe zu "seinem" Ermittler, egal wie grottenschlecht dessen Filme auch sein mögen.

Wie er guckt: Ob zuhause oder in der Kneipe ist egal. Hauptsache, es gibt jemanden in der Nähe, dem man die geballte Ortskenntnis verbal beweisen kann.

Der Traditionalist

Schon im Elternhaus gab es sonntags abends keine Alternative zum Tatort, und das zieht der Traditionalist bis ins Erwachsenenleben hinein eiskalt durch. Ein schöner Sommerabend? Die x-te Wiederholung eines kreuzlangweiligen Odenthal-Tatortes? Egal, es wird auf jeden Fall um 20:15 Uhr der Fernseher eingeschaltet. Neumodische Erscheinungen wie Tatort-Twittern oder moderne Ermittler sind dem Traditionalisten aber immer ein Dorn im Auge. Logisches Denken bei der Tätersuche hingegen ist nicht sein Ding: Der Verdächtige, der um 20:30 Uhr schon im Verhör-Raum sitzt, ist für ihn immer der naheliegendere Täter als die überraschend prominent besetzte Nebenrolle, die auf den ersten Blick harmlos scheint…

Wie er guckt: Zuhause. Vorher wird gegessen, und pünktlich zum Vorspann wird ein kaltes Bier aufgemacht. Und wehe, jemand wagt es zu stören!

Die jungen Eltern

Nach einem anstrengenden Wochenende mit Kindergeburtstagen, vollen Windeln und Baby-Geschrei haben die jungen Eltern den Nachwuchs endlich ins Bett bekommen, um in Ruhe den Tatort zu schauen – der einzig erholsame Moment des Wochenendes und eine verklärende Erinnerung an die Uni-Zeit. Mit leichter Verspätung fallen beide gegen 20:25 Uhr auf die Couch. Doch die fehlenden zehn Minuten des Anfangs machen es dem müden Hirn unmöglich, noch in die Handlung hereinzufinden. Egal, spätestens um neun Uhr sind beide ohnehin tief und fest eingeschlafen und werden erst gegen zehn von einem hysterischen C-Politiker bei Günther Jauch wieder wachgeschrien. Das hat aber den Vorteil, dass sie jeden Tatort "eigentlich ganz gut" finden.

Wie sie gucken: Zuhause, zwischen Spielzeug und Kinderbüchern auf dem Sof…chrrr…

Der Hipster

Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war der Tatort für den Hipster der Inbegriff bürgerlicher Spießigkeit. Doch seit es Tatort-Twittern und Social TV gibt, ist er ganz vorne mit dabei. Kein Kommissar und kein Drehbuch, dass er nicht mit ironischen Kommentaren überziehen würde, die jedoch außer ihm kaum jemand lustig findet ("Das war mal eine realistische Szene. Nicht."). Besonders abgesehen hat es der Fan von Gerätschaften mit angebissenem Obst auf im Tatort verwendete Informationstechnologie ("Daten-CDs? Das ist ja sowas von Web 1.0!").

Wie er guckt: In der mit hippen Flohmarkt-Möbeln eingerichteten WG-Küche, ausgerüstet mit iPad und iPhone. Später dann auch gerne in der minimalistischen Designer-Wohnung, sobald das Praktikum in der PR-Agentur zu einer Festanstellung geworden ist.

Der Freiberufler

Der Freiberufler ist eigentlich Traditionalist oder aber Hipster, seine biologische Uhr schlägt sonntags um 20:15 Uhr schon von alleine Alarm. Doch für ihn ist immer Werktag, und es gibt immer irgendeine Deadline, die bedrohlich näher kommt. Also ist der Freiberufler zur Tatort-Zeit am Schreibtisch gefesselt und kann bestenfalls eifersüchtig die Tatort-Tweets in seiner Timeline verfolgen. Doch sobald die letzte Mail verschickt und die Präsentation – von ihm stets "Präse" genannt – fertig ist, wird der Tatort in der ARD-Mediathek nachgeholt. Dann gibt es auch geistreiche Antworten auf all die Twitter-Nachrichten in seiner Timeline. Komisch nur, dass niemand antwortet – Mittwochs morgens um zehn Uhr.

Wie er guckt: Auf dem Laptop oder dem iPad natürlich. Das braucht er aber nicht einmal heimlich tun, der Freiberufler ist schließlich sein eigener Chef. Nur wirkliche Tatort-Stimmung will nicht so richtig aufkommen.

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