"Weihnachtsgeld": Event-Tatort aus Saarbrücken im Kreuzverhör

Taschendiebe auf dem Weihnachtsmarkt: Jens Stellbrink (Devid Striesow) werden Handy und Papiere geklaut.

© SR/Manuela Meyer

Taschendiebe auf dem Weihnachtsmarkt: Jens Stellbrink (Devid Striesow) werden Handy und Papiere geklaut.

Zuhälter "King George" (Gregor Bloéb) hat eine Frau angefahren und flüchtet. Doch es gibt einen Zeugen...

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Zuhälter "King George" (Gregor Bloéb) hat eine Frau angefahren und flüchtet. Doch es gibt einen Zeugen...

...der aber kurz darauf tot unterm Weihnachtsbaum liegt.

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...der aber kurz darauf tot unterm Weihnachtsbaum liegt.

Verdächtig ist vor allem Jupp (Florian Bartholomäi), doch der will mit dem Weihnachtsgeld seiner Kollegen abhauen.

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Verdächtig ist vor allem Jupp (Florian Bartholomäi), doch der will mit dem Weihnachtsgeld seiner Kollegen abhauen.

Auf der Flucht trifft er die schwangere Maria (Fanny Krausz), doch bald setzen bei ihr die Wehen ein.

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Auf der Flucht trifft er die schwangere Maria (Fanny Krausz), doch bald setzen bei ihr die Wehen ein.

Stellbrink nimmt unterdessen Georges Bordell und ganz besonders Elfie (Svenja Görger) unter die Lupe.

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Stellbrink nimmt unterdessen Georges Bordell und ganz besonders Elfie (Svenja Görger) unter die Lupe.

Lisa Marx (Elisabeth Brück) und Staatsanwältin Dubois (Sandra Steinbach) suchen im Weihnachts-Chaos nach Hinweisen.

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Lisa Marx (Elisabeth Brück) und Staatsanwältin Dubois (Sandra Steinbach) suchen im Weihnachts-Chaos nach Hinweisen.

Hebamme Hanna (Muriel Baumeister) bringt unterdessen das Kind von Maria zur Welt - in einem Stall...

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Hebamme Hanna (Muriel Baumeister) bringt unterdessen das Kind von Maria zur Welt - in einem Stall...

Ob alle Fälle rechtzeitig vor Heiligabend gelöst werden?

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Ob alle Fälle rechtzeitig vor Heiligabend gelöst werden?
23.12.2014 · von

Der Baum verliert die Nadeln, das Festtags-Essen hat sich schon auf die Hüften gelegt - da kommt der Saarländische Rundfunk mit einem Weihnachts-Tatort (26. Dezember 2014, 20:15 Uhr, ARD) um die Ecke. Ist "Weihnachtsgeld" besser als die letzten Reinfälle aus Saarbrücken oder wäre der Sendeplatz mit der 136. Wiederholung von "Sissi" besser genutzt? Wir klären es im Kreuzverhör!

Worum geht’s?

Auf einer abgelegenen Straße wird eine junge Frau angefahren und fällt ins Koma. Unfallfahrer ist "King George" (Gregor Bloéb) , bekannt als der brutalste Zuhälter Saarbrückens. Er flüchtet und versucht, den Unfall zu vertuschen. Doch Taxifahrer Teddy hat den Unfall beobachtet und will George nun erpressen. Kurz darauf ist Teddy tot – erdrosselt mit einer Lichterkette.

Vor allem Teddys Mitbewohner und Kollege Jupp (Tatort-Stammgast Florian Bartholomäi) ist für Kommissar Stellbrink (Devid Striesow) verdächtig. Doch der hat ganz andere Pläne: Mit dem Weihnachtsgeld des Taxi-Unternehmens will er ein neues Leben anfangen. Auf der Flucht begegnet ihm die hochschwangere Witwe Maria (Fanny Krausz), die vor ihren klammernden Schwiegereltern flüchtet. Schon kurz hinter Saarbrücken setzen die Wehen ein und Jupp bringt Maria in einen verlassenen Stall…

Stellbrink, Lisa Marx (Elisabeth Brück) und Kriminaltechniker Horst Jordan (Hartmut Volle) versuchen den Mord aufzuklären und Jupp zu finden. Während Stellbrink undercover in Georges Bordell recherchiert und von Elfie (Svenja Görger) um den Finger gewickelt wird, suchen Lisa und Horst im Weihnachts-Trubel nach Spuren. Jeder der Kommissare ermittelt ein bisschen auf eigene Faust, denn Stellbrink wurden Handy und Papiere gestohlen – natürlich mitten auf dem Weihnachtsmarkt.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Maria, Jupp und ein Baby, das im Stall zur Welt kommt? An Weihnachten? Kennen wir doch irgendwoher, die Geschichte. Nette Idee, aber so platt inszeniert, wie man es aus Saarbrücken leider schon gewohnt ist. Probleme gibt es schon mal gar nicht, zu Weihnachten soll es besinnlich sein. Deswegen werden auch permanent Weihnachtslieder gehört, gesungen, gesummt.  Ob man das am 26. Dezember noch hören mag?

Ist die Handlung glaubwürdig?

Kaum zu glauben, aber wahr: Hier gibt es einen fetten Pluspunkt für diesen Saarbrücken-Tatort! Ein Mord aus Rache, ein bisschen Familiendrama, ein bisschen Eifersucht – endlich mal wird eine kleine, aber feine Geschichte erzählt, in der nicht das Elend der Welt angeprangert und abgeschafft werden soll. Simpler Krimi-Stoff, von dem sich viele Tatort-Autoren leider weit entfernt haben. Leider dauert es, bis man die einzelnen Handlungsstränge Form annehmen, und die Logik war beim Dreh wohl schon im Weihnachts-Urlaub.

Bester Auftritt

Auch wenn die Hauptdarsteller mittlerweile weniger verkrampft spielen, erreichen Striesow und Co. noch längst nicht ihre Normalform, dazu sind die Dialoge einfach zu hölzern (und die Figur Stellbrink zu eindimensional angelegt). Die nervige Staatsanwältin taucht nur noch selten auf, und Kriminaltechniker Horst (Hartmut Volle) darf mehr als nur Stichworte geben.

 

Die Nebenrollen in "Weihnachtsgeld" sind gut besetzt, Gregor Bloeb als Zuhälter erinnert nicht nur ein wenig an Party-Tier Michael Ammer, und Muriel Baumeister ist auch in einer kleinen Rolle toll! Florian Bartolomäi, der König der Tatort-Nebenrolle, ist ebenfalls wieder dabei – zum dritten Mal in diesem Jahr.

Was muss man sich merken?

Nichts. Größere Handlungsstränge werden nicht weitererzählt. Allerdings ist dieser Tatort eine gute Werbung für den Saarbrücker Weihnachtsmarkt, denn die Schlitten-Gondel mit saarländisch babbelndem Weihnachtsmann dürfte ziemlich einmalig sein. Könnte man sich für 2015 merken – solange die Taschendiebe dann nicht wieder auftauchen.

Soll man gucken?

Naja. Ein netter Krimi-Abend am Ende der Feiertage, das klingt verlockend. Dass es in diesem Tatort allerdings von Weihnachtsmännern und Weihnachtsliedern nur so wimmelt, wäre vor den Feiertagen eine nette Unterhaltung, am 26. Dezember hat bei den meisten Zuschauern vermutlich schon eine gewisse Sättigung eingesetzt. Im letzten Jahr lief an dieser Stelle der Weihnachts-freie und begeisternde Weimar-Tatort - ein schweres Erbe also.

Man muss dem Saarland-Tatort allerdings zugutehalten, dass er nach den grottenschlechten ersten drei Fällen deutlich besser geworden ist. Die Kriminalgeschichte an sich ist eigentlich ganz gut, geht nur leider in all den Festtags-Spielereien unter. Beim nächsten Mal, wenn keine Weihnachts-, Oster- oder sonstige Motive bedient werden müssen, könnte es dann sogar ganz annehmbar werden.

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