"Vielleicht" im Kreuzverhör: Der traurige Nachlassverwalter

Abschied: "Vielleicht" ist der letzte Fall für Boris Aljinovic als Tatort-Kommissar Felix Stark.

© rbb/Frédéric Batier

Abschied: "Vielleicht" ist der letzte Fall für Boris Aljinovic als Tatort-Kommissar Felix Stark.

Im Mittelpunkt steht Lise Risum Olsen als norwegische Studentin Trude. Sie träumt...

© rbb/Frédéric Batier

Im Mittelpunkt steht Lise Risum Olsen als norwegische Studentin Trude. Sie träumt...

...häufig von Dingen, die später dann eintreffen.

© rbb/Frédéric Batier

...häufig von Dingen, die später dann eintreffen.

So auch der Mord an Studentin Lisa (Tinka Fürst).

© rbb/Frédéric Batier

So auch der Mord an Studentin Lisa (Tinka Fürst).

Felix Stark glaubt Trude zunächst nicht und macht sich später Vorwürfe.

© rbb/Frédéric Batier

Felix Stark glaubt Trude zunächst nicht und macht sich später Vorwürfe.

Doch Trude sieht noch mehr Verbrechen voraus: In einem Restaurant...

© rbb/Frédéric Batier

Doch Trude sieht noch mehr Verbrechen voraus: In einem Restaurant...

...soll ein Doppelmord passieren. Kann Stark ihr glauben?

© rbb/Frédéric Batier

...soll ein Doppelmord passieren. Kann Stark ihr glauben?

Stark zeichnet aus Trudes Schilderungen das Restaurant nach und...

© rbb/Frédéric Batier

Stark zeichnet aus Trudes Schilderungen das Restaurant nach und...

...begibt sich in ganz Berlin auf die Suche.

© rbb/Frédéric Batier

...begibt sich in ganz Berlin auf die Suche.

Doch dann hat Trude einen weiteren Traum, in dem Felix Stark zu Schaden kommt.

© rbb/Frédéric Batier

Doch dann hat Trude einen weiteren Traum, in dem Felix Stark zu Schaden kommt.

Kann Stark in seinem letzten Fall weitere Verbrechen verhindern?

© rbb/Frédéric Batier

Kann Stark in seinem letzten Fall weitere Verbrechen verhindern?
13.11.2014 · von

Letzter Fall für Felix Stark: In "Vielleicht" wird der Berliner Tatort-Kommissar mit einem scheinbar übernatürlichen Phänomen konfrontiert. Das ist eine nette Idee, die vor allem von der grandiosen Hauptdarstellerin Lise Risom Olsen lebt. Der Rest ist jedoch weitgehend die übliche Berliner Tristesse, bei der die Vorfreude auf neue Kommissare in der Hauptstadt minütlich wächst.

Worum geht’s?

Die norwegische Studentin Trude (Lise Risum Olsen) taucht bei Kommissar Stark (Boris Aljinovic) auf und erzählt, dass sie von einem Mord geträumt hat. Wenige Wochen später wird Stark in die Wohnung der Studentin Lisa (Tinka Fürst) gerufen – die genauso umgebracht wurde, wie Trude es vorhergesagt hatte. Ist es wirklich wahr, dass die Norwegerin in die Zukunft blicken kann?

Gemeinsam mit einem Heer von Assistenten (u.a. Laura Tonke, Fabian Busch, Birge Schade) versucht Stark den Mord an Lisa aufzuklären. Doch Trude hat schon wieder einen Traum gehabt: In einem Restaurant sollen zwei Menschen erschossen werden. Parallel suchen die Ermittler fieberhaft nach dem Mörder und durchkämmen die Stadt nach dem Lokal, in dem der Mord geschehen soll. Und immer nagt der Zweifel: Kann man Trudes Visionen trauen? Sind solche Vorhersehungen überhaupt möglich?

Vor allem Felix Stark geht der Fall an die Nieren. Er macht sich Vorwürfe, Trude zu Beginn nicht ernst genug genommen zu haben. Langsam baut er Vertrauen zu der scheuen Norwegerin auf, die unter ihren Träumen sehr leidet. Doch als sie in ihren Träumen sieht, wie Stark in einer Blutlache liegt, macht sich Panik breit…

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Der Tatort "Vielleicht" läuft im Rahmen der ARD-Themenwoche Toleranz – dass es da kein seichtes Vor-sich-hin-ermitteln gibt, ist klar. Können wir Dinge glauben, die wir nicht logisch erklären können? Wie gehen wir mit paranormalen Phänomenen um, die sich an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Spukerei bewegen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt, und jede Figur beantwortet sie auf ihre eigene Weise. Die rationale Aufklärung des Verbrechens steht dabei im Hintergrund – diese Verschiebung macht "Vielleicht" trotz der teilweise eklatanten Schwächen zu einem zumindest interessanten Experiment.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Überraschenderweise ja – nur ob man wirklich an die Visionen glaubt, das bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen. Der Reflex, für alles eine rationale Erklärung zu finden, ist allgegenwärtig und macht "Vielleicht" gerade darum realistisch. Stark ist auch, dass man am Ende den Mut hat, vieles offen zu lassen – anstatt wie so häufig in den letzten fünf Minuten ein hanebüchenes Ende zurechtzuschustern.

Bester Auftritt

In seinem letzten Tatort als Felix Stark tut Boris Aljinovic leider nicht viel mehr als in den Fällen zuvor: Er schaut betroffen und entsetzt drein. Zerfurcht und rastlos sieht er aus, so als werde noch versucht, der Figur ein wenig mehr Tiefe zu geben. Doch viel zu oft sitzt Stark einfach nur an seinem riesigen, nahezu leeren Schreibtisch und wirkt ohne Till Ritter (Dominic Raacke) wie ein Nachlassverwalter.

 

Im Mittelpunkt steht in diesem Tatort jemand anderes: Die Norwegerin Lise Risom Olsen als Trude. Gerade erst selbst nach Berlin gekommen, spielt Olsen die von Träumen geplagte Studentin beeindruckend intensiv und zerbrechlich. Von ihr werden wir hoffentlich noch viel sehen!

Nicht unterschlagen können wir leider die Schar der Ermittler, die offenbar als permanente Stichwortgeber angelegt wurden. Fabian Busch als Polizeipsychologe mit Schnellsprech-Problem ist noch am ehesten zu ertragen. Der Rest beschränkt sich leider darauf, auswendig gelernte Sätze unnatürlich herunterzurasseln. Den schlimmsten Satz aber darf eine Studentin an der WG-Tür aufsagen: "Ach, Sie kommen des Mordes wegen?" Grammatikalisch perfekt, nur leider völlig lebensfremd. Bastian Sick jubelt, alle anderen schlagen die Hände über dem Kopf zusammen.

Was muss man sich merken?

Nichts. "Vielleicht" ist der letzte Tatort der Ära Ritter & Stark, die seit 2001 in Berlin ermittelten. Nach dem kommentarlosen Ausstieg von Dominic Raacke bringen die Macher aber immerhin die Figur Felix Stark zu einem schlüssigen Ende. Im Frühjahr 2015 übernehmen dann Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) – und bringen hoffentlich neuen Schwung in den zuletzt ziemlich müden Hauptstadt-Krimi.

Soll man gucken?

Wenn man einen Krimi zum miträtseln erwartet, sollte man die Finger von "Vielleicht" lassen. Wer aber offen ist für ungewohnte Schwerpunkte und ein wenig übersinnliche Themen, dem könnte dieser Tatort aus Berlin gefallen. Die Mischung zwischen alltäglicher Ermittlungsarbeit und dem Versuch, das Unmögliche zu verstehen, ist ganz gut gelungen. Leider ziehen die teilweise unterirdisch gespielten Nebenfiguren den Film deutlich tiefer herunter, als er es verdient hätte. Und der ewig leidend dreinschauende Boris Aljinovic darf zum Abschied sein Zeichen-Talent vorführen. Das ist nett anzusehen – doch es überwiegt die Freude auf den Neustart mit frischen Ermittlern!

Kommentare

 > 
Tatort-Blog.de