Viel hilft nicht immer viel: Konstanz-Tatort "Letzte Tage" im Kreuzverhör

Ein Toter auf der Bodensee-Fähre! Nicht nur Klara Blum und Kai Perlmann interssieren sich dafür, sondern auch der Schweizer Kollege Lüthi.

© SWR/Stephanie Schweigert

Ein Toter auf der Bodensee-Fähre! Nicht nur Klara Blum und Kai Perlmann interssieren sich dafür, sondern auch der Schweizer Kollege Lüthi.

In seinem Auto wurde Jochen Heigle mit einer Spritze getötet - oder war es Selbstmord?

© SWR/Stephanie Schweigert

In seinem Auto wurde Jochen Heigle mit einer Spritze getötet - oder war es Selbstmord?

Um einen Alleingang des Schweizer Ermittlers zu verhindern, greift Klara Blum zu ungewöhnlichen Mitteln.

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Um einen Alleingang des Schweizer Ermittlers zu verhindern, greift Klara Blum zu ungewöhnlichen Mitteln.

Der Tote hatte Leukämie im Endstadium...

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Der Tote hatte Leukämie im Endstadium...

Bei einer Selbsthilfe-Gruppe stößt Perlmann auf die schöne Mia (Natalia Rudziewicz).

© SWR/Stephanie Schweigert

Bei einer Selbsthilfe-Gruppe stößt Perlmann auf die schöne Mia (Natalia Rudziewicz).

Der Vorsitzende Rattke (Oliver Wnuk) versucht, einen Plasma-Spender für seinen todkranken Sohn zu finden.

© SWR/Stephanie Schweigert

Der Vorsitzende Rattke (Oliver Wnuk) versucht, einen Plasma-Spender für seinen todkranken Sohn zu finden.

Blum und Lüthi nehmen indes ein Schweizer Pharma-Unternehmen unter die Lupe.

© SWR/Stephanie Schweigert

Blum und Lüthi nehmen indes ein Schweizer Pharma-Unternehmen unter die Lupe.

Haben die Hersteller eines Krebs-Medikamentes etwas zu verheimlichen?

© SWR/Stephanie Schweigert

Haben die Hersteller eines Krebs-Medikamentes etwas zu verheimlichen?

Kai Perlmann und Mia kommen sich näher, doch...

© SWR/Stephanie Schweigert

Kai Perlmann und Mia kommen sich näher, doch...

...Mia hat etwas zu verheimlichen.

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...Mia hat etwas zu verheimlichen.

Am Ende steht eine weitere unglückliche Liebschaft auf Perlmanns Konto.

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Am Ende steht eine weitere unglückliche Liebschaft auf Perlmanns Konto.
20.06.2013 · von

Worum geht’s?

Die gute Nachricht zuerst: Im Gegensatz zu den sonst sehr trägen Tatorten vom Bodensee bemüht man sich bei "Letzte Tage" darum, die Handlung etwas straffer zu gestalten. Die schlechte Nachricht: Das Mittel der Wahl ist eine äußerst unübersichtliche Anzahl von Themen, Aspekten und Handlungssträngen. So darf sich Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) zum gefühlt 36. Mal unglücklich verlieben, Klara Blum (Eva Mattes) indes fesselt sich an den Schweizer Kollegen und muss deswegen beim Einsteigen in dessen alten Land Rover ungewohnt viel Körpereinsatz zeigen. Darüber hinaus gibt es skrupellose Pharma-Geschäftsleute, eine aufopferungsvolle Selbsthilfegruppe für Leukämie-Kranke, einen undurchschaubaren Arzt sowie trauernde Angehörige und geheime Medikamente-Studien. Alles klar soweit?

Ausgangspunkt ist der Fund eines Toten auf einer Bodensee-Fähre. Jochen Heigle (Ralf Beckord) starb nach einer Spritze innerhalb weniger Sekunden – da er schwerkrank war, deuten die Anzeichen zunächst auf Selbstmord hin. Doch Klara Blum und der scheinbar zufällig anwesende Schweizer Beamte Matteo Lüthi (Roland Koch) streiten sich darum, wer weiter ermitteln darf. Perlmann nimmt unterdessen die Krebshilfe Bodensee unter die Lupe, bei der sich der Tote engagierte, und stößt dort auf die betörende Mia (Natalia Rudziewicz), die ihm jedoch viele Dinge verheimlicht.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Auch wenn mit Leukämie und dem Geschäft mit der Verzweiflung Betroffener ein ernstes Thema angepackt wird, spielt der Tatort nicht den Moralapostel. Eigentlich insofern erstaunlich, als dass gerade Klara Blum sonst ja gerne mit dem Zeigefinger wedelt. Perlmann lässt sich währenddessen als potentieller Plasma-Spender typisieren, doch einen wirklichen Appell gibt es auch hier nicht. Als eine Art Rahmenhandlung darf sich der ewige Assistent zudem mit einer Sinn- und Lebenskrise herumschlagen, die aber ebenfalls kaum zu Ende erzählt wird.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Der Konstanz-Tatort "Letzte Tage" hat zu viele Figuren, zu viele Aspekte und zu viele Handlungsstränge, die ins Leere führen, um wirklich gut zu sein. Darunter leidet auch die Logik, viele der zahlreichen Merkwürdigkeiten bleiben einfach ohne Erklärung. Und mit der Spannung ist das auch so eine Sache: Als geübter Tatort-Gucker weiß man spätestens nach einer halben Stunde, wer Dreck am Stecken hat. Nur Klara Blum und Kai Perlmann tappen noch immer im Dunkeln.

Bester Auftritt

Ganz klar: Natalia Rudziewicz als Medizin-Studentin Mia, die Perlmann den Kopf verdreht! Sie spielt wirklich mitreißend, während viele andere eher gelangweilt ihre Texte zum Besten geben. Eva Mattes alias Klara Blum trägt ihren jahrelang etablierten, leicht süffisanten Gesichtsausdruck spazieren, während Perlmann-Darsteller Sebastian Bezzel 90 Minuten lang so dreinschaut wie Manuel Neuer nach dem vierten Gegentor. Offen bleibt auch die Frage, was um alles in der Welt die Kostüm-Abteilung dazu geritten hat, den armen Oliver Wnuk ("Stromberg") in derart merkwürdige Klamotten zu stecken. Immerhin bringt der gebürtige Konstanzer ein bisschen Lokal-Kolorit mit und spricht tapfer im örtlichen Dialekt.

Was muss man sich merken?

Dass Klara Blums Assistent Kai Perlmann kein Glück bei Frauen hat, ist nichts Neues. Und seine Sinnkrise dürfte vermutlich beim nächsten Einsatz vergessen sein. Immerhin bleibt die Erkenntnis, dass in Konstanz selbst SEK-Zugriffe so beschaulich sind, dass man dabei über sein Leben nachdenken und philosophieren kann.

Was hat TatortWatch zu bemängeln?

Die Kompetenz-Rangeleien zwischen deutscher und Schweizer Polizei im Tatort Konstanz hängen vermutlich selbst den Juristen schon zum Hals raus. Ansonsten werden in beeindruckender Frequenz Arztgeheimnisse, mögliche Befangenheiten oder die Notwendigkeit von Durchsuchungsbefehlen und Ähnlichem ignoriert. Darüber, liebe Watcher, dürft Ihr Euch gerne aufregen. Aber bitte bedenkt: Ohne diese Unsauberkeiten wäre dieser Tatort noch viel unübersichtlicher und zäher!

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