Tschiller-Doppelfolge: Action statt Beamten-Krimi

Das Duell Tschiller (Til Schweiger) gegen Astan (Erdal Yildiz) ist auch im Tatort "Fegefeuer" nicht beendet.

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Das Duell Tschiller (Til Schweiger) gegen Astan (Erdal Yildiz) ist auch im Tatort "Fegefeuer" nicht beendet.

Nach dem Tod seiner Ex-Frau begibt sich Tschiller auf einen Rache-Feldzug. Einziges Ziel: Firat Astan zur Strecke bringen.

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Nach dem Tod seiner Ex-Frau begibt sich Tschiller auf einen  Rache-Feldzug. Einziges Ziel: Firat Astan zur Strecke bringen.

Innensenator Revenbrook (Arnd Klawitter) und Chef Petretti (Tim Wilde) versuchen, Tschiller unter Kontrolle zu bringen.

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Innensenator Revenbrook (Arnd Klawitter) und Chef Petretti (Tim Wilde) versuchen, Tschiller unter Kontrolle zu bringen.

Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ist hin- und hergerissen zwischen Dienstvorschriften und der Loyalität zu seinem Partner.

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Yalcin Gümer (Fahri Yardim) ist hin- und hergerissen zwischen Dienstvorschriften und der Loyalität zu seinem Partner.

Was hat Tschillers Ex-Partner Brenner (Mark Waschke) mit der Sache zu tun?

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Was hat Tschillers Ex-Partner Brenner (Mark Waschke) mit der Sache zu tun?

Klar, das Tschiller die ganz großen Geschütze auffährt.

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Klar, das Tschiller die ganz großen Geschütze auffährt.
04.01.2016 · von

Es war vorauszusehen: Die Hüter des konservativen Tatort-Grals wettern gegen die Til Schweiger-Doppelfolge "Der große Schmerz" und "Fegefeuer" und versichern, auf gar keinen Fall niemals einzuschalten. Am Ende kommen dann aber doch wieder 8,24 und 7,69 Millionen Zuschauer zusammen - deutlich weniger als bei den ersten Fällen, aber immer noch mehr als genug für zwei Tagessiege.

War der erste Teil "Der große Schmerz" noch einigermaßen nachvollziehbar und spannend, so sind bei "Fegefeuer" leider ein paar Kapriolen zu viel eingebaut worden. Gerade nach dem großartigen Auftakt mit der Geiselnahme im Tagesschau-Studio (die angeblich ursprünglich ohne Vorspann direkt im Anschluss an die echten Nachrichten gezeigt werden sollte) waren die restlichen 90 Minuten dann doch etwas zäh. Schweiger alias Tschiller (oder andersrum?) fuhr gemeinsam mit Erzfeind Firat Astan (Erdal Yildiz) kreuz und quer durch Hamburg und dröselte bei Soja-Latte von der Tankstelle die zahlreichen Verstrickungen auf. Tschetschenische Islamisten, russischer Geheimdienst, koksende Senatoren, Kurden-Mafia - und LKA-Mann Tschiller aus dem hessischen Heuchelheim mittendrin.

Action statt Beamten-Krimi

All das wurde angereichert mit viel kaputtem Blech und Pyrotechnik. Das muss man nicht mögen, aber immerhin besser als endlose (und vor allem billige) Verhörszenen in dunklen Büroräumen. Der tendenziell eher greisen Tatort-Stammseherschaft darf ruhig einmal etwas Neues, Dynamisches zugemutet werden. Verjüngung, neue Impulse, einen neuen Stil, der weggeht vom deutschen Beamten-Krimi - all das hat Til Schweiger in den Tatort gebracht. Man muss weder ihn noch seine Filme mögen, es wird bekanntlich auch niemand gezwungen, bei Nick Tschiller einzuschalten.

Doch - wir schreiben das nicht zum ersten Mal - die Reihe lebt von ständiger Veränderung, Erneuerung und viel Zeitgeist. Auch Schimanski schlug einst eine Welle der Empörung entgegen. Den erfolgreichsten deutschen Filmemacher der letzten Jahre inklusive namhaftem Regisseur und profiliertem Drehbuch-Autor für den Tatort zu gewinnen, kann nicht ganz schlecht sein. Es muss nicht jede Woche Schweiger-Action sein, es muss auch nicht jede Woche eine hochintelligenter Meta-Tatort mit Ulrich Tukur laufen - aber ein wenig Abwechslung zu den biederen Alt-Ermittlern ist bitter nötig.

Mindestens drei weitere Schweiger-Tatorte

Klar, mit jedem Interview und nicht zuletzt der Verpflichtung von Schlager-Prinzessin Helene Fischer dreht Til Schweiger so ziemlich an jedem zu findenden PR-Rad. Aber kann man es ihm verdenken? Auch Jan Josef Liefers und Axel Prahl werden im Vorfeld jedes Münster-Tatortes durch die Talk-Shows und Klatsch-Spalten geschleift.

Aber die lautstarken Schweiger-Gegner können erstmal beruhigt sein: Frühestens 2017 läuft der nächste Tschiller-Fall im Fernsehen, dann soll der Kino-Film gesendet werden, der die Astan-Geschichte zum Ende bringt. Jüngst sichkerste durch, dass Schweiger für mindestens drei weitere Tatorte unterschrieben hat. Vielleicht sehen dann ja auch die Nörgler ein, dass es Schlimmeres gibt als 90 Minuten Tschiller im Jahr.

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