Tatort süß-sauer: "Die chinesische Prinzessin" holt klasse Quote

Während Thiel (Axel Prahl) und Nadeshda (Friederike Kempter) noch entsetzt auf die Leiche starren, ist Boerne (Jan Josef Liefers) schon mit einem Beim im Knast.

© WDR/Thomas Kost

Während Thiel (Axel Prahl) und Nadeshda (Friederike Kempter) noch entsetzt auf die Leiche starren, ist Boerne (Jan Josef Liefers) schon mit einem Beim im Knast.

Nadeshda Krusenstern in Schwierigkeiten? Nicht das einzige Problem für Thiel und Boerne in "Die chinesische Prinzessin".

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Nadeshda Krusenstern in Schwierigkeiten? Nicht das einzige Problem für Thiel und Boerne in "Die chinesische Prinzessin".

Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) müssen im Tatort "Die chinesische Prinzessin" den Mord an Songma (Chiu Huichi, m.) aufklären.

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Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers) müssen im Tatort "Die chinesische Prinzessin" den Mord an Songma (Chiu Huichi, m.) aufklären.

Die chinesische Künstlerin Songma weilt in Münster...

© WDR/Thomas Kost

Die chinesische Künstlerin Songma weilt in Münster...

...und wird wegen ihrer Kunst und wegen ihres Standes als Prinzessin von Professor Boerne verehrt.

© WDR/Thomas Kost

...und wird wegen ihrer Kunst und wegen ihres Standes als Prinzessin von Professor Boerne verehrt.

Karl-Friedrich Boerne kann sein Glück kaum glauben, als sich die zwei näherkommen.

© WDR/Thomas Kost

Karl-Friedrich Boerne kann sein Glück kaum glauben, als sich die zwei näherkommen.

Hauptverdächtiger ist Boerne - Thiel, Nadeshda Krusenstern und Silke "Alberich" Haller können es nicht glauben.

© WDR/Thomas Kost

Hauptverdächtiger ist Boerne - Thiel, Nadeshda Krusenstern und Silke "Alberich" Haller können es nicht glauben.

Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) fordert schnelle Ergebnisse, schließlich...

© WDR/Thomas Kost

Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) fordert schnelle Ergebnisse, schließlich...

...war die Tote eine Berühmtheit aus dem Ausland.

© WDR/Thomas Kost

...war die Tote eine Berühmtheit aus dem Ausland.

Hat etwa der chinesische Geheimdienst etwas mit dem Tod der verfolgten Dissidentin zu tun?

© WDR/Thomas Kost

Hat etwa der chinesische Geheimdienst etwas mit dem Tod der verfolgten Dissidentin zu tun?

Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) und Thiel befragen Songmas Assistentin, deren Verlobter nach dem Mord verschwunden ist.

© WDR/Thomas Kost

Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) und Thiel befragen Songmas Assistentin, deren Verlobter nach dem Mord verschwunden ist.

Nicht alle Chinesen geben bereitwillig Auskunft.

© WDR/Thomas Kost

Nicht alle Chinesen geben bereitwillig Auskunft.

Während Boerne ausser Gefecht gesetzt ist, übernimmt Silke "Alberich" Haller (ChrisTine Urspruch) in der Rechtsmedizin den Chefposten.

© WDR/Thomas Kost

Während Boerne ausser Gefecht gesetzt ist, übernimmt Silke "Alberich" Haller (ChrisTine Urspruch) in der Rechtsmedizin den Chefposten.

Auch Museums-Kurator MArtin (Tonio Arango) scheint mehr zu wissen, als er zugibt.

© WDR/Thomas Kost

Auch Museums-Kurator MArtin (Tonio Arango) scheint mehr zu wissen, als er zugibt.

Trotz aller Streitereien leght sich Thiel ins Zeug, um Boernes Unschuld zu beweisen.

© WDR/Thomas Kost

Trotz aller Streitereien leght sich Thiel ins Zeug, um Boernes Unschuld zu beweisen.

Regisseur Lars Jessen hat zuvor auch den Kieler Tatort "Borowski und die einsamen Herzen" gedreht.

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Regisseur Lars Jessen hat zuvor auch den Kieler Tatort "Borowski und die einsamen Herzen" gedreht.
21.10.2013 · von

Es klingt ein bisschen wie aus einem schlüpfrigen Ratgeber: In langjährigen Ehen muss man manchmal die Rollen tauschen, um neuen Schwung in die Sache zu bringen. Thiel und Boerne werden wohl nicht bei der Eheberatung gewesen sein, haben aber trotzdem in "Die chinesische Prinzessin" ihre angestammten Rollenprofile (vorübergehend?) verlassen.

Weil Professor Boerne (Jan Josef Liefers) erstaunlich tiefschürfend und emotional damit zu kämpfen hat, dass er unter Mordverdacht steht und seine flüchtige Liebschaft erstochen zwischen den Präparaten in der Rechtsmedizin liegt, ist er ungewohnt ruhig und zurückhaltend. Kommissar Thiel (Axel Prahl) ist unterdessen nicht nur verkatert, sondern auch noch ehrlich erschüttert über Boernes Knast-Aufenthalt, den er mit aller Kraft beenden will. Dass er gleichzeitig seiner Assistentin Nadeshda Krustenstern (Friederike Kempter) vielleicht irgendwie aus Versehen nähergekommen ist, ist in diesem Münster-Tatort das komische Element, vielleicht um den zufälligen Zuschauer nicht mit allzu ernsten Mienen zu vergraulen.

Diese Abkehr vom vorherigen "immer lustiger"-Wahn, der zuletzt in fäkal-lastigem Klamauk und schunkelnden Schlager-Fuzzis gipfelte, tut den Münsteranern gut. Nicht nur, dass so den starken Nebenfiguren wie Nadeshda mehr Raum zur Entfaltung gegeben wird, sondern auch eine Weiterentwicklung des Erfolgs-Formats ist hoffentlich ein Vorbild für andere Teams. Die Quote spricht für sich: Mit 12,44 Millionen Zuschauern und sage und schreibe 33,5 % Marktanteil (14-49: 3,95 Mio; 26,1%) ließ der Tatort auch den Hollywood-Blockbuster "Fluch der Karibik" weit hinter sich. Damit knackte "Die chinesische Prinzessin" zwar nicht den Rekord des letzten Münster-Tatortes ("Summ, summ, summ", 12,99 Mio.), bewies jedoch abermals, dass Thiel und Boerne für die ARD Gold wert sind.

Die eigentliche Krimi-Handlung ist ja in Münster traditionell eher Nebensache. Doch auch hier macht der WDR alles richtig. Chinesische Künstler, die als Dissidenten verfolgt werden und die Machenschaften von Regierung und Geheimdiensten finden so zur besten Sendezeit und mit dem bestmöglichen Zugpferd den Weg in deutsche Wohnzimmer.

Dass Songma und ihre Entourage für Ai Weiwei und andere Künstler stehen, dürfte jedem sofort klar sein. Doch im Gegensatz zu einigen anderen Tatort-Teams, die mit vor Entsetzen geweiteten Augen und wild fuchtelndem Zeigefinger durch die Handlung gestolpert wären, begegnen Thiel und Boerne dem Thema mit einer Art stoischem Humor. Dass das Privatleben so sehr im Mittelpunkt stehen darf, ist sicher ein Alleinstellungsmerkmal und Privileg des Münster-Tatortes. Doch das ungleiche Paar zeigt, dass man sich auch bei ernsten Hintergründen noch eine unterhaltsame Story leisten kann.

Die überragende Quote ist sicherlich den vielen Münster-Fans geschuldet, aber auch eingefleischte Tatort-Gucker waren gut auf "Die chinesische Prinzessin" zu sprechen. Bei Twitter und in einigen Kritiken gab es dennoch Misstöne: Die teilweise arg platten Klischees rund um das Thema "China" waren nicht jedermanns Sache. Aber ganz ehrlich: Wer erwartet beim Münster-Tatort schon politische Korrektheit?

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