Tatort-Studie: Er will rätseln, sie will reden

Er will seine Ruhe, sie will diskutieren: So sieht eine Studie die typischen Tatort-Gucker.

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Er will seine Ruhe, sie will diskutieren: So sieht eine Studie die typischen Tatort-Gucker.
06.05.2013 · von

Für eine Studie wurden Männer und Frauen beim Tatort-Schauen beobachtet. Während die Herren schweigend mit den Kommissaren rätseln, sind die Frauen eher gesprächig.

Die Medien-Forscherin Arne Freya Zillich von der Uni Jena beschäftigt sich in ihrer Studie "Fernsehen als Event" mit dem Phänomen des TV-Guckens in der Gruppe. Am Beispiel eines Tatortes aus Münster hat sie dabei beobachtet, wie unterschiedlich sich Männer und Frauen verhalten. Während mehrere kleine Gruppen Kommissar Thiel und Professor Boerne beim Ermitteln zusehen, hat die Wissenschaftlerin die Zuschauer beobachtet und so Erkenntnisse über verschiedene Typen von Tatort-Fans gewonnen.

Männer schweigsam, Frauen ironisch-distanziert

Laut "Mainpost" lassen sich die Zuschauer in drei Gruppen einteilen. Die erste Gruppe besteht hauptsächlich aus Männern und schaut gebannt auf den Bildschirm. Sie folgen der Handlung intensiv und tauschen sich kaum mit den Umsitzenden aus. Im Gegensatz dazu reden Zuschauertypen der zweiten Gruppe sehr ausführlich über das, was sie im Tatort sehen. "So wird die sprachliche Interaktion dieser Gruppe verhältnismäßig stark durch tratschende Äußerungen bestimmt", zitiert die "Mainpost" Zillichs Studie. Soll heißen: Diese Zuschauer quatschen intensiv und ausdauernd über Aussehen und Privatleben der Figuren, die Handlung selber tritt weitgehend in den Hintergrund. Zu dieser Gruppe gehören hauptsächlich Frauen, Medienforscherin Zillich nennt ihre Haltung "ironisch-distanziert".

Der dritte Typ Zuschauer wiederum stellt eine Verbindung zwischen dem Tatort und dem eigenen Leben her. Auch diese Haltung ist hauptsächlich bei Frauen zu beobachten. Sie diskutieren, wie sie in einer gerade dargestellten Situation handeln würden und integrieren die Tatort-Handlung quasi in ihre eigene Lebenswelt. Auch Männer stellen sich diese Fragen bisweilen, würden sie aber in der Regel nicht mit anderen teilen, so die Studie weiter. 

Die komplette Studie "Fernsehen als Event - Unterhaltungserleben als Fernsehrezeption in der Gruppe" erscheint demnächst im Halem-Verlag.

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