Tatort-Saisonrückblick: Die Tops und Flops 2016/2017

Münster-Rekord, Impro-Desaster und Tatort Nummer 1000: Das war die Tatort-Saison 2016/2017!

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Münster-Rekord, Impro-Desaster und Tatort Nummer 1000: Das war die Tatort-Saison 2016/2017!
21.06.2017 · von

36 Tatorte liefen seit der letzten Sommerpause und haben für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt. Wir blicken zurück auf unsere Highlights und Tiefpunkte des Jahres!

Top: Quoten-Rekord

Wenig überraschend fahren mal wieder Hauptkommissar Frank Thiel und Professor Boerne aus dem Tatort Münster die Rekord-Quote des Jahres ein. "Fangschuss" sehen am 2. April 14,56 Millionen Zuschauer, so viele wie seit 25 Jahren nicht mehr. Auch Platz zwei geht nach Münster: 13,31 Millionen für "Feierstunde". Dann kommt lange nichts.

Flop: Quoten-Durchschnitt

Naja, bei einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von rund 8,8 Millionen von Flop zu sprechen, klingt schon anmaßend. Fakt ist aber, dass die Quoten im Vergleich zu den vergangenen Jahren spürbar gesunken sind. Ein Ende des Hypes?

Flop: Die Programmplanung

Viermal Köln, viermal München – aber kein einziges Mal Hamburg. Selten war eine Tatort-Saison so unausgewogen wie in diesem Jahr. Anfang 2017 gleich mehrere Fälle mit Max Ballauf und Freddy Schenk, im Frühjahr dann eine München-Offensive. Die war umso unglücklicher, weil "Der Tod ist unser ganzes Leben" mit offenem Ende die Frage nach der Zukunft des Teams unbeantwortet lässt, nur um Ivo Batic und Franz Leitmayr kurz darauf in einem ganz anderen Fall ermitteln zu lassen, als sei nichts gewesen. Die Programmplanung kann man deshalb mit Fug und Recht als lieblos bezeichnen.

Top: Mut zu Experimenten

Aus Wiesbaden kommt schon immer ein "etwas anderer" Tatort, in diesem Jahr durfte auch bei anderen Teams experimentiert werden. In Ludwigshafen, seit Jahren eines der schnarchigsten und verstaubtesten Teams, wurde mit Laienschauspielern improvisiert. Auch wenn "Babbeldasch" als  schlechtester Tatort des Jahres niedergeschrieben wurde, ist der Ansatz lobenswert. Ein weiterer Impro-Tatort folgt!

Flop: Der Jubiläums-Tatort

Der 1000. Tatort im November ist ja schon eine große Sache gewesen. Dass dafür kein 08/15-Tatort genommen wird ist ja durchaus begrüßenswert, doch "Taxi nach Leipzig" konnte dem Hype ums Jubiläum nicht ganz gerecht werden. Ermittler-Crossover, Hommage an Tatort Nummer 1 und einige Altmeister als Gaststars waren zu viel für 90 Minuten. Unterm Strich war die Taxi-Irrfahrt von Charlotte Lindholm und Borowski dann doch etwas öde.

Top: Frischer Wind

Das Tatort-Team aus Konstanz hatte seinen letzten Auftritt, und Kopper aus Ludwigshafen hat seinen Ausstieg verkündet. Überzeugend waren sie alle schon lange nicht mehr, deswegen sind die Wechsel wichtig, um den Tatort zukunftsfähig zu machen. Schade ist es jedoch um die Bremer Ermittler Lürsen und Stedefreund – doch die hören immerhin erst 2019 auf.

Flop: Themen-Einerlei

Während in der ersten Hälfte dieser Tatort-Saison das Thema "Künstliche Intelligenz" gehäuft vorkam, war es im zweiten Teil die Flüchtlings-Problematik beziehungsweise Islamismus. Das rief leider scharenweise dumpfe Kommentare aus dem rechten Sumpf auf den Plan. Jegliche Auseinandersetzung mit dem Internet und modernen Technologien jedoch zieht Spott und Hohn auf sich – in der Regel völlig zu Recht. Und die Themen-Ballung macht es nicht besser.

Flop: Hickhack um Schwarzwald-Tatort

Noch vor dem ersten Fall hinterlässt der neue Schwarzwald-Tatort keinen guten Eindruck. Erst wurde mit großem Brimborium TV-Legende Harald Schmidt als Nebendarsteller verkündet, kurz vor Drehstart warf der Ex-Talker dann das Handtuch. Was auch immer im Hintergrund ablief, war des Tatortes nicht würdig.

Top: Altstars trumpfen auf

Wirklich überzeugend waren Ballauf und Schenk in den letzten Jahren selten, viel zu häufig arbeiteten sie ihre Fälle eher lustlos herunter. Mit "Nachbarn" gelang den Kölnern in diesem Jahr jedoch ein sehr überzeugender Auftritt der alten Schule, der auch in Sachen Quote einschlug. Vier Häuser samt Bewohnern, die alle irgendwie in den Fall verstrickt sind. Ein klassischer Whodunnit mit kurzen Wegen. Auch Batic und Leitmayr in München hatten mit "Die Wahrheit" und "Der Tod ist unser ganzes Leben" starke Auftritte.

Flop: Neue Teams kommen nicht in Schwung

Ein Debüt gab es in dieser Staffel nicht. Die erst kürzlich installierten neuen Teams in Berlin, Dresden und Franken taten sich aber etwas schwer. Während die Berliner zu lange an der Aufarbeitung der wirren Vorgeschichte zu knacken hatten, scheiterten Henni Sieland und Karin Gorniak in Dresden jüngst an einem unterirdischen Drehbuch. In Franken und Frankfurt will man augenscheinlich immer etwas ganz Besonderes zeigen, was auch nicht immer gelang.

Flop: Chaos um Terror-Tatort aus Dortmund

Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember entschied sich die ARD, den Tatort "Sturm" aus Dortmund wegen zu großer Parallelen zu verschieben. Alleine darüber lässt sich schon trefflich streiten. Die Suche nach einem neuen Termin aber wurde zur Farce: Erst sollte der Fall Ende Januar laufen, dann doch nicht. Nach wochenlanger Hängepartie wurde es schließlich ein Sonntag im April, ungeachtet eines weiteren Anschlages – ausgerechnet in Dortmund. Das verstehe, wer will.

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