Tatort mit Cliffhanger: Pro und Contra

Batic (Miroslav Nemec) ist sauer auf Leitmayr (Udo Wachtveitl) - unter den Tatort-Fans entbrannte unterdessen eine Diskussion um den Cliffhanger.

© BR/Denise Vernillo

Batic (Miroslav Nemec) ist sauer auf Leitmayr (Udo Wachtveitl) - unter den Tatort-Fans entbrannte unterdessen eine Diskussion um den Cliffhanger.
06.05.2014 · von

Das Wichtigste zuerst: Wer den München-Tatort "Am Ende des Flurs" noch nicht gesehen hat und ihn in der ARD-Mediathek noch anschauen möchte, sollte jetzt aufhören zu lesen: SPOILERALARM!

Wer am Sonntag hingegen Tatort geschaut hat, weiß bereits, worum es geht. Am Ende liegt Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) mit einem Messer im Rücken in seiner eigenen Blutlache, und Ivo Batic (Miroslav Nemec) bleibt nur noch zu hauchen "Franz, du schaffst das!". Abspann. Ein astreiner Cliffhanger, wie er in Serien ständig zu sehen ist.

Doch beim Tatort ist so ein Ende (fast) ein Novum. Egal, was der Kommissarin oder dem Kommissar zustieß, am Ende durfte sie oder er bislang immer noch dick bandagiert optimistisch dreinschauend auf einem Krankenbett liegen. Ob hingegen der Leitmayr Franz überlebt, blieb dieses Mal offen. Prompt wurden ARD und Bayerischer Rundfunk mit Anfragen bombardiert, ob Wachtveitl aussteigen wolle und was denn mit der Rolle geschehe. Angefacht wurde diese Angst der Tatort-Fans durch Interview-Aussagen Wachtveitls im Vorfeld von "Am Ende des Flurs", er habe ein Wunsch-Szenario für seinen Tatort-Exitus im Kopf, gepaart mit der fast schon üblichen Kritik an der Qualität der Reihe. 

 

Eilig versicherte der Bayerische Rundfunk, Leitmayr werde überleben, und verwies auf den bereits abgedrehten neuen Fall aus München. Mehr noch, es werde keine Narbe zu sehen sein. Vermutlich wird die Verletzung nicht einmal erwähnt. Da stellt sich die Frage: Warum einen solch dramatischen Cliffhanger produzieren, wenn er nicht aufgegriffen und fortgeführt wird? "Die Tatorte werden mit so großen zeitlichen Abständen gezeigt, dass es als Spannungsbogen nicht funktionieren würde", heißt es dazu vom BR.

Pro: Mehr Serien-Elemente tun dem Tatort gut!

Aber warum? Es gab beispielsweise aus Hannover schon zwei direkt aufeinanderfolgende Tatorte, zuletzt kamen bzw. kommen aus Bremen und Köln mehrere Fälle mit nur wenigen Wochen Abstand. Mit einem klugen Cliffhanger schafft man es, behutsam Serien-Elemente in den Tatort einzuführen und somit hoffentlich jüngere Zuschauer für die Reihe zu begeistern. Denn auch bei immer neuen Rekord-Quoten ist das Tatort-Publikum hoffnungslos überaltert, nur ein Bruchteil der Zuschauer ist unter 50 Jahre alt. Der Tatort ist zwar eines der erfolgreichsten TV-Produkte Deutschlands, doch auch dann darf man sich erfolgreiche Erzählstrategien von anderen abgucken und die Reihe weiterentwickeln.

Contra: Das passt nicht zum Tatort als Reihe!

Der Tatort ist jedoch, so mag man als Gegenargument anführen, eine Reihe und keine Serie. Der Schwerpunkt liegt auf der Krimihandlung, die in der Regel binnen 90 Minuten abgeschlossen wird, übergreifende Elemente finden sich bislang höchstens in Nebenhandlungen wie dem Privatleben der Ermittler. Selbst wenn der Fall nicht eindeutig geklärt wird, kommt der Spannungsbogen immer zu einem Abschluss. Außerdem soll jeder Tatort - ob nun für unregelmäßige Zuschauer oder im Hinblick auf die unzähligen Wiederholungen - auch für sich verständlich sein.

Was sagt Ihr zum Cliffhanger im München-Tatort? Oben rechts könnt Ihr abstimmen!

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