Tatort Luzern: Es wird langsam

Der Tatort Luzern ist bislang das Sorgenkind der Reihe. Doch mit "Verfolgt" kommt Licht ans Ende des Tunnels.

© SRF/Daniel Winkler

Der Tatort Luzern ist bislang das Sorgenkind der Reihe. Doch mit "Verfolgt" kommt Licht ans Ende des Tunnels.

Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Meyer) rätseln über den Mord an einer jungen Frau.

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Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Meyer) rätseln über den Mord an einer jungen Frau.

Unter Verdacht gerät zunächst der Ehemann der Toten, der ein Geheimnis zu bewahren scheint.

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Unter Verdacht gerät zunächst der Ehemann der Toten, der ein Geheimnis zu bewahren scheint.

Doch auch ihr Liebhaber ist verdächtig. Der stellt sich bei der Polizei und behauptet, selbst in Lebensgefahr zu sein.

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Doch auch ihr Liebhaber ist verdächtig. Der stellt sich bei der Polizei und behauptet, selbst in Lebensgefahr zu sein.

Flückiger und Ritschard stecken auf einmal mittendrin im Sumpf von Steuerhinterziehung und gestohlenen Bankdaten.

© SRF/Daniel Winkler

Flückiger und Ritschard stecken auf einmal mittendrin im Sumpf von Steuerhinterziehung und gestohlenen Bankdaten.

Bankdirektor Sonderer und sein schmieriger Adlatus Reichlin versuchen, den Skandal mit allen Mitteln zu verhindern.

© SRF/Daniel Winkler

Bankdirektor Sonderer und sein schmieriger Adlatus Reichlin versuchen, den Skandal mit allen Mitteln zu verhindern.

Das tut auch Regierungsrat Mattmann, der um das Renomee der Luzerner Bankenwelt fürchtet.

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Das tut auch Regierungsrat Mattmann, der um das Renomee der Luzerner Bankenwelt fürchtet.

Doch Reto Flückiger lässt sich nicht einschüchtern. Trotz Warnung konfrontiert er den Bankchef...

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Doch Reto Flückiger lässt sich nicht einschüchtern. Trotz Warnung konfrontiert er den Bankchef...
08.09.2014 · von

Wenn ein Tatort aus Luzern ansteht und die Aufgabe verteilt wird, wer die Kritik dazu schreibt, wird es regelmäßig still in der Redaktionskonferenz. Auf einmal erinnert sich jeder daran, dass er noch ganz schnell diesen unaufschiebbaren Zahnarzt-Termin hat oder die Steuererklärung schon längst überfällig ist. Die Schweizer Tatorte sind beliebt wie Steineklopfen. Doch ganz langsam wendet sich das Blatt. Der Tatort "Verfolgt" war der beste, den es bislang aus der Alpenrepublik zu sehen gab.

Edward Snowden auf der Flucht

"Hören Sie doch auf mit diesem Wikiliki-Scheiß!" Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) ist sichtlich überfordert von dem, was Whistleblower und Möchtegern-Weltenretter Thomas Behrens (Alexander Beyer) ihm da offenbart. Steuer-CDs, Offshore-Konten, die großen bösen Banken, die am Ende doch mächtiger sind als alle Luzerner Polizisten zusammen und mit ihren Machenschaften immer davonkommen. Resignation macht sich breit, dazu lässt sich Flückiger auch noch von der Paranoia und dem wachsenden Verfolgungswahn des mutmaßlichen Täters anstecken. Und dann gibt es da ja auch noch einen Mordfall aufzuklären, bei dem es gefühlt mehr Verdächtige als Schweizer Nummernkonten gibt.

Die Story stimmt. Hatten es die Schweizer Ermittler zuletzt mit Karnevalsvereinen, christlichen Fanatikern und Wahrsagern zu tun, hatte diese Geschichte einen durchaus realen Hintergrund. Nicht mehr ganz brandaktuell, aber durch die vielen Fälle gestohlener Kontodaten aus Schweizer Banken und deren Verkauf an deutsche Steuerbehörden war jedem Zuschauer bewusst, dass hier ein Thema aus der echten Welt abgearbeitet wird. Unterstützt wurde der Film von Regisseur Tobias Ineichen (Drehbuch: Martin Maurer, Kamera: Michael Saxer) durch düstere Elektrobeats, die das beklemmende Verfolgungsgefühl noch verstärkten. Zufall, dass sehr ähnliche Musik auch beim aktuellen TV-Spot der Commerzbank zum Einsatz kommt? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Dialoge wie bei Derrick

Aber nach wie vor ist der Tatort Luzern noch nicht da, wo er sein könnte. Im Vergleich zu seinen Pendants aus München oder Köln fehlt noch das gewisse Etwas, um ihn wirklich als guten Erzählfilm bezeichnen zu können. Die schablonenhaften, hölzernen Dialoge nerven. Sätze wie "War er anders als sonst?", "Wo könnte Ihr Mann jetzt sein?", "Wo waren Sie heute Morgen zwischen sieben und neun?" sind Derrick-Niveau. Zudem bleiben die beiden Hauptdarsteller Stefan Gubser und Delia Meyer (alias Liz Ritschard) noch immer unter ihren Möglichkeiten. Sie wirken blass, steif und überfordert. Etwas mehr Lockerheit und vielleicht die eine oder andere private Nebengeschichte würden ihren Charakteren gut tun. Die Nebenrollen sind in Luzern häufig stark überzeichnet, allen voran Regierungsrat Mattmann, der lieber eine Polizeiermittlung platzen lässt als es sich mit der örtlichen Highsociety zu verscherzen.

Und dann ist da noch diese miese Synchronisation. Wäre es da nicht besser, den Schweizer Tatort im Originalton zu zeigen? Eine nicht repräsentative Blitzumfrage unter unseren Tatort-Blog Lesern ergab, dass die Folgen weiterhin synchronisiert werden sollten. Der originale Dialekt würde allerspätestens die Bevölkerung nördlich des Weißwurst-Äquators heillos überfordern. Aber bitte, liebes Schweizer Produktionsteam, das muss besser werden.

Quote mies, aber nachvollziehbar

 

Tatorte aus Luzern haben es schwer. Allein die Ankündigung des Handlungsortes reicht für viele Zuschauer aus, sich nach einem Alternativprogramm für den Sonntagabend umzuschauen. Bislang leider zu recht, doch die Episoden werden besser. Für den Tatort „Verfolgt“ hat das aber nichts mehr genützt: nur 6,27 Millionen Zuschauer schalteten am Sonntagabend ein und bescherten dem Tatort damit einen Marktanteil von gerade einmal 18,6 %. Das ist die schlechteste Quote unter den bisherigen sieben Luzern-Tatorten und unter allen Tatorten die schlechteste Quote seit Dezember 2011. Um fair zu bleiben muss natürlich erwähnt werden, dass parallel das EM-Qualifikationsspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Schottland auf RTL lief. Deutschland ist eben nicht nur Tatort-Nation, sondern auch Fußball-Nation.

Die besten Tweets zum Tatort "Verfolgt"

Bei Twitter war entsprechend relativ wenig los. Ganz ausgefuchste erkannten den Trend zum Third-Screen und twitterten gleichzeitig zu #Tatort und #GERSCO:

Hauptaufreger war auch bei Twitter die unterirdische Synchronisation.

Ein echtes Highlight war das futuristische Anwesen des Verfolgungsopfers Thomas Behrens und seiner Familie. Vor allem die nicht vorhandene Treppe hat es allen angetan.

Das Fazit der Twitter-Gemeinde fiel höchst unterschiedlich aus.

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