Tatort "Jagdzeit" im Kreuzverhör: Sozialkitsch der besseren Sorte

Die 13-jährige Nessi (Laura Baade) ist die zentrale Figur im München-Tatort "Jagdzeit".

©BR/Stephen Power

Die 13-jährige Nessi (Laura Baade) ist die zentrale Figur im München-Tatort "Jagdzeit".

Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) hoffen, von Nessi wichtige Hinweise zu bekommen.

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Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) hoffen, von Nessi wichtige Hinweise zu bekommen.

Manager Gerd Zach wurde ermordet, und zwar mitten in einem Problem-Viertel.

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Manager Gerd Zach wurde ermordet, und zwar mitten in einem Problem-Viertel.

Was hatte das gut situierte Opfer in dieser tristen Gegend zu suchen?

©BR/Stephen Power

Was hatte das gut situierte Opfer in dieser tristen Gegend zu suchen?

Nessi ist die einzige Zeugin des Mordes, bleibt jedoch verschlossen.

©BR/Stephen Power

Nessi ist die einzige Zeugin des Mordes, bleibt jedoch verschlossen.

Das Mädchen lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter unter schwierigsten Bedingungen.

©BR/Stephen Power

Das Mädchen lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter unter schwierigsten Bedingungen.

Vor allem Hausmeister Rudi Kandler (August Schmölzer) macht sich verdächtig...

©BR/Stephen Power

Vor allem Hausmeister Rudi Kandler (August Schmölzer) macht sich verdächtig...

...und gerät ins Visier der Münchener Kommissare.

©BR/Stephen Power

...und gerät ins Visier der Münchener Kommissare.

Die junge Witwe des Opfers (Angela Ascher) ahnte nicht, was ihr Mann ihr verheimlicht.

©BR/Stephen Power

Die junge Witwe des Opfers (Angela Ascher) ahnte nicht, was ihr Mann ihr verheimlicht.
05.07.2013 · von

Worum geht's?

Der Münchener Tatort "Jagdzeit" von 2011 will vor allem die Kluft zwischen Arm und Reich darstellen und anprangern. Dafür hat man sich eine zwar solide, aber doch recht simpel gestrickte Story zurechtgelegt. Dass der Tatort dabei nicht zur platten Farce wird, liegt an guten Darstellern – und zwei bestens aufgelegten Kommissaren!

Das obligatorische Mordopfer ist in "Jagdzeit" der Manager Gerd Zach, der auf dem Weg zur Jagd stilgerecht mit dem eigenen Gewehr erlegt wird. Der Tatort liegt mitten in einem Problemviertel mit hoher Armuts- und Arbeitslosenquote. Was hatte das gut situierte Opfer hier zu suchen? Einzige Zeugin des Mordes ist die 13-jährige Nessie (Laura Baade), die jedoch unter Schock steht. Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) versucht, das Vertrauen des Mädchens zu gewinnen und erhält so erschütternde Einblicke in den Alltag von Nessie und ihrer alkoholkranken, arbeitslosen Mutter Tini Bürger (Katja Bürkle). Ivo Batic (Miroslav Nemec) nimmt unterdessen das Leben des Opfers unter die Lupe und merkt schnell, dass Zach seinem Umfeld viel vorgespielt hat.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Erstaunlicherweise beides! Wo andere Ermittler vom Schlage einer Lena Odenthal mit Betroffenheitsblick durch die Sozialwohnungen tapsen und alles ganz arg schlimm finden würden, bleiben Batic und Leitmayr locker und frotzeln fröhlich miteinander herum. Kleines Highlight: Ivo gibt im Auto unter dem Motto "Jugo forscht" seine Talente in bayrischer Mundart zum Besten. Das alles ist aber nicht etwa respektlos, sondern nur eine professionelle Distanz. Den Zuschauer freut es!

Ist die Handlung glaubwürdig?

Vermutlich mussten die Autoren und Produzenten nicht lange suchen, um auf die realen Vorbilder ihrer Figuren im Tatort "Jagdzeit" zu stoßen. Und dass in Zeiten von Hartz IV auch die vermeintlich soliden Verhältnisse in den besseren Vierteln teilweise nur Fassade sind, dürfte auch nicht allzu überraschend sein. Die vor diesem Hintergrund erzählte Mordgeschichte ist dabei einigermaßen glaubwürdig, wenn auch nicht ganz frei von der einen oder anderen Schwachstelle.

Bester Auftritt

Laura Baade spielt das Mädchen aus ärmsten Verhältnissen sehr mitreißend, doch die heimlichen Stars dieses Tatortes aus München sind Katja Bürkle als Hartz IV-Mutter und Angela Ascher als Witwe. Auf den ersten Blick unterschiedlich, entpuppen sich die Leben der beiden Frauen als erstaunlich ähnlich: Beide trinken, kriegen ihren Alltag nicht auf die Reihe und vegetieren auf dem Sofa vor sich hin. Die eine jedoch im heruntergekommenen Plattenbau, die andere im schicken Reihenhaus.

Was muss man sich merken?

"Jagdzeit" ist ein Tatort der Post-Carlo Ära ohne wirkliche inhaltliche Anknüpfungspunkte zu anderen Krimis aus München. Bemerkenswert ist jedoch, dass dies der letzte Tatort ist, an dem die langjährige BR-Spielfilm-Redakteurin Silvia Koller mitgewirkt hat. Die geistige Mutter von Batic und Leitmayr ist in einem Gastauftritt als Firmenchefin zu sehen, kurz vor der Erstausstrahlung verstarb Silvia Koller.

Worum geht es anschließend bei Günther Jauch?

Nachdem der Talker der Nation in den letzten Wochen eine Steilvorlage nach der anderen ungenutzt ließ und statt über den US-Abhörskandal zu reden lieber Verkehrsminister Ramsauer – Spitzname "Schlagloch-Pete" – eine Wahlkampf-Bühne bot, könnte man jetzt mal wieder über Hartz IV, Mindestlohn und ähnliche Themen sprechen. Tut man aber nicht, denn Günther Jauch hat sich ebenso in die Sommerpause verabschiedet wie TatortWatch. Schade?

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