Tatort "Château Mort": Zum Auftakt feurig, im Abgang schal

Am Ufer des Bodensees wird eine Leiche gefunden. In seinem Rucksack hat der Tote eine teure Flasche Wein.

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Am Ufer des Bodensees wird eine Leiche gefunden. In seinem Rucksack hat der Tote eine teure Flasche Wein.

Um die Echtheit der Rarität zu prüfen konsultiert Klara Blum (Eva Mattes) den Weinexperten Heinz Lichius, der...

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Um die Echtheit der Rarität zu prüfen konsultiert Klara Blum (Eva Mattes) den Weinexperten Heinz Lichius, der...

...für das Schweizer Auktionshaus von Susann Tobler (Sibylle Canonica) Gutachten erstellt. Eben diese Gutachten...

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...für das Schweizer Auktionshaus von Susann Tobler (Sibylle Canonica) Gutachten erstellt. Eben diese Gutachten...

...hält Matteo Lüthi (Roland Koch) für gefälscht und leitet eine Untersuchung ein.

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...hält Matteo Lüthi (Roland Koch) für gefälscht und leitet eine Untersuchung ein.

Das schmeckt nicht jedem, vor allem legt sich Lüthi mit seinem Staatsanwalt (Laszlo I. Kish) an.

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Das schmeckt nicht jedem, vor allem legt sich Lüthi mit seinem Staatsanwalt (Laszlo I. Kish) an.

Während Klara Blum und Matteo Lüthi sich eine zweite Meinung zum Wein einholen...

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Während Klara Blum und Matteo Lüthi sich eine zweite Meinung zum Wein einholen...

...ermittelt Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) weiter im Mordfall Rico Schmitz.

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...ermittelt Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) weiter im Mordfall Rico Schmitz.

Was weiß dessen Mutter Ute (Jenny Schily) über die Tatnacht und woher Rico den teuren Wein hatte?

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Was weiß dessen Mutter Ute (Jenny Schily) über die Tatnacht und woher Rico den teuren Wein hatte?

Ute ist als Haushälterin bei Clemens Koch (Uwe Bohm) angestellt, der auch gleichzeitig Rico gelegentlich aushalf.

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Ute ist als Haushälterin bei Clemens Koch (Uwe Bohm) angestellt, der auch gleichzeitig Rico gelegentlich aushalf.

Klara Blum und Matteo Lüthi kommen sich beim Wein näher.

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Klara Blum und Matteo Lüthi kommen sich beim Wein näher.

Ob sich da zwischen den beiden doch noch eine Beziehung entwickelt?

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Ob sich da zwischen den beiden doch noch eine Beziehung entwickelt?
05.02.2015 · von

Der Tote, den die Konstanzer Kripo am Ufer des Bodensees findet, ist arbeitslos und lebt in einem Wohnwagen. Trotzdem finden die Ermittler in seinem Rucksack eine äußerst wertvolle Flasche Wein. Wie passt das zusammen? Hauptkommissarin Klara Blum und ihr Kollege Kai Perlmann begeben sich auf eine Reise in die Welt der feinen Genüsse und in der Zeit zurück bis zur Badischen Revolution im Jahre 1848. Önologen und Historiker werden jauchzen.

Worum geht’s?

Rico Schmitz, der Tote vom Ufer des Bodensees, hatte eine teure Flasche Wein im Rucksack, offenbar ein Juwel aus längst vergangenen Tagen. In seinem Wohnwagen finden die Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) Hinweise darauf, dass sich das Opfer intensiv für die Zeit des "Vormärz" und der Badischen Revolution interessierte. Hat er etwa die seit mehr als 160 Jahren verschollenen Weinflaschen gefunden, die die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff anlässlich ihrer Hochzeit orderte?

Aufschluss könnte Wein-Experte Hans Lichius (Felix von Manteuffel) geben, ein anerkannter Experte für alte Weine. Gegen genau diesen Experten ermittelt auf der anderen Seite des Sees Matteo Lüthi von der Schweizer Kantonspolizei. Er hat den Verdacht, dass Lichius gefälschte Weine auf Auktionen verkauft – mit Hilfe der Auktionatorin Susann Tobler. Wie passen Wein und Mord zusammen?

Ein zwielichtiges Bild gibt auch Clemens Koch (Uwe Bohm) ab. Der Wäschereibesitzer ließ das Mordopfer Rico in seinem Wohnwagen leben und lieh ihm einen Kleintransporter seiner Firma. Doch warum versucht er dann eines Nachts, in Ricos Behausung einzubrechen?

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Da die Schweiz nahe liegt, beschäftigt sich der Tatort "Château Mort" mit dem Thema Steuerflucht, doch das Hauptthema ist der Betrug mit gefälschten Gutachten. Große gesellschaftliche Verwerfungen werden da nicht aufgedeckt. Also ein Spaß-Tatort? Nun ja, wir reden hier vom Bodensee-Tatort. Lustig wird es erst, wenn sich die Darsteller der Reihe nach ihre Lebensmiseren mit gutem badischen Wein schöntrinken.

Für alle Nicht-Weinexperten und Nicht-Geschichtsfans kann indes ein wenig Vorbereitung nicht schaden, um den Ereignissen unfallfrei folgen zu können: Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (den Namen muss sich an dieser Stelle niemand merken, er wird im Laufe der Handlung noch gefühlte 200 mal erwähnt) lebte zur Zeit der Badischen Revolution auf Schloss Meersburg am Bodensee. Diese Epoche wird auch als "Vormärz" bezeichnet, da ihre Entwicklungen in der deutschen Revolution vom März 1848 mündeten (Deutsche Nationalversammlung, Frankfurter Paulskirche, Sie wissen schon...). Den Namen Friedrich Hecker sollte man auch schon einmal gehört haben, der war damals einer der Anführer und der populärste Redner unter den Revolutionären.

Und allen Wein-Laien sei vorab mitgegeben, dass das öfter erwähnt "Château Petrus" einen der besten und teuersten Bordeaux-Weine der Welt hervorbringt. Den 1961er-Jahrgang bekommt man im Ritz Carlton Moskau für schlappe 60.000 Euro die Flasche - da sind dann aber immerhin 1,5 Liter drin. Beruhigend an diesem Tatort ist jedoch die Tatsache, dass Klara Blum in einer Weinprobe "den vom Discounter" dann am Ende doch am leckersten findet.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Bestimmt nicht jedes Detail ist glaubwürdig. Und auch die historischen Begegnungen und Gegebenheiten sind wohl eher locker zusammengewürfelt als faktengenau recherchiert. Doch im Großen und Ganzes kann man sich schon vorstellen, dass unter Konstanzer Tiefgaragen noch so einige Schätze aus längst vergangenen Tagen liegen...

Bester Auftritt

Weinexperte Hans Lichius wird vom hervorragenden Felix von Manteuffel dargestellt. Man nimmt ihm sofort ab, dass er der absolute Profi ist und mit seinen Gutachten nicht jedem - pardon - reinen Wein einschenkt. Toll ist auch Sibylle Canonica in der Rolle der Auktionatorin Susann Tobler, die sich vom anfänglichen Unschuldslamm in ein fies berechnendes Ekel wandeln kann.

Was muss man sich merken?

Klara Blum fand ihren Schweizer Kollegen Matteo Lüthi ja schon immer scharf, traute sich aber nie, ihm ernste Avancen entgegenzubringen. Nun hat sie Geburtstag, die Weinflaschen kreisen, Lüthi ist in der Nähe - doch halt, wir wollen nicht zu viel verraten...

Zudem bekommen wir es in dieser Episode mit dem wohl ältesten Mordfall der Tatort-Geschichte zu tun. Ansonsten muss man sich nicht viel merken. Der Bodensee-Tatort ist eh bald selbst: Geschichte.

Soll man gucken?

Um in der Welt des Weins zu bleiben: Dieser Tatort ist zum Auftakt feurig, bekommt jedoch schnell eine korkige Note. Im Abgang bleibt dann jener schale Geschmack zurück, der sich sooft beim Genuß eines Konstanzer Tatorts einstellt. Nichtsdestotrotz ist dies eine der besseren Episoden mit Klara Blum und Kai Perlmann. Die Hauptdarsteller können nach wie vor ihrer Lethargie nicht entkommen, doch die Story ist gut. Wie bereits erwähnt verschwindet der Bodensee 2016 von der Tatort-Landkarte - hoffen wir, dass der in Ansätzen aufkeimende Schwung auch auf die letzten drei Folgen überschwappt, die die Konstanzer Ermittler noch zu bewältigen haben.

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