Rückblick auf die Tatort-Saison 2012/2013

Eine ereignisreiche Tatort-Saison ist am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen. Wir blicken zurück auf Highlights und Tiefpunkte!

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Eine ereignisreiche Tatort-Saison ist am vergangenen Sonntag zu Ende gegangen. Wir blicken zurück auf Highlights und Tiefpunkte!

Der Aufreger des Jahres: Til Schweiger. Tatort-Puristen liefen Sturm, doch sein Debüt als Nick Tschiller war weitgehend klasse.

© NDR/Marion von der Mehden

Der Aufreger des Jahres: Til Schweiger. Tatort-Puristen liefen Sturm, doch sein Debüt als Nick Tschiller war weitgehend klasse.

Der Rekord des Jahres: Die Münsteraner holten mit "Summ, summ, summ" die besten Quoten seit 20 Jahren, auch Dank einer Facebook-Aktion.

© WDR/Martin Menke

Der Rekord des Jahres: Die Münsteraner holten mit "Summ, summ, summ" die besten Quoten seit 20 Jahren, auch Dank einer Facebook-Aktion.

Das Experiment des Jahres: Erstmals gab es eine Tatort-Doppelfolge. Nicht nur Quoten-mäßig, sondern auch inhaltlich saustark!

© NDR/Gordon Muehle

Das Experiment des Jahres: Erstmals gab es eine Tatort-Doppelfolge. Nicht nur Quoten-mäßig, sondern auch inhaltlich saustark!

Der Reinfall des Jahres: Das neue Team aus Saarbrücken und "Eine Handvoll Paradies". Wer's gesehen hat weiß, wovon wir sprechen...

© SR/Manuela Meyer

Der Reinfall des Jahres: Das neue Team aus Saarbrücken und "Eine Handvoll Paradies". Wer's gesehen hat weiß, wovon wir sprechen...

Der Choleriker des Jahres: Kommissar Peter Faber aus Dortmund hat sich nicht immer im Griff. Verstörend, aber unterhaltsam!

© WDR/Willi Weber

Der Choleriker des Jahres: Kommissar Peter Faber aus Dortmund hat sich nicht immer im Griff. Verstörend, aber unterhaltsam!

Der Newcomer des Jahres: Thorsten Falke - Der vielleicht beste Tatort-Kommissar zur Zeit? © NDR/Christine Schröder

Der Newcomer des Jahres: Thorsten Falke - Der vielleicht beste Tatort-Kommissar zur Zeit? © NDR/Christine Schröder

Das Spiel des Jahres: Beim Stuttgart-Tatort "Spiel auf Zeit" konnten Fans online mitermitteln. Ein Riesen-Erfolg!

© SWR/Stephanie Schweigert

Das Spiel des Jahres: Beim Stuttgart-Tatort "Spiel auf Zeit" konnten Fans online mitermitteln. Ein Riesen-Erfolg!

Der Schuss des Jahres: Wien-Ermittler Moritz Eisner sucht in Kärnten nach seinem verlorenen Gedächtnis

© rbb/ORF/Toni Muhr

Der Schuss des Jahres: Wien-Ermittler Moritz Eisner sucht in Kärnten nach seinem verlorenen Gedächtnis

Der Auftritt des Jahres: Lars Eidinger als verstörend-charmanter Psychopath in "Borowski und der stille Gast". Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

© NDR/Marion von der Mehden

Der Auftritt des Jahres: Lars Eidinger als verstörend-charmanter Psychopath in "Borowski und der stille Gast". Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Das Klischee des Jahres: Im Wien-Tatort "Zwischen den Fronten" ist Terrorist die Steigerungsform von Moslem. Am Ende war es dann doch jemand anders.

©rbb/ORF/Petro Domenigg

Das Klischee des Jahres: Im Wien-Tatort "Zwischen den Fronten" ist Terrorist die Steigerungsform von Moslem. Am Ende war es dann doch jemand anders.

Das Phänomen des Jahres: Beim sonntäglichen Tatort-Twittern zeigen JuristInnen die fachlichen Fehler der Kommissare auf.

Screenshot Twitter

Das Phänomen des Jahres: Beim sonntäglichen Tatort-Twittern zeigen JuristInnen die fachlichen Fehler der Kommissare auf.

Die Zukunft: In diesem Jahr debütieren neben dem neuen Team aus Erfurt auch Christian Ulmen und Nora Tschirner im Weihnachts-Tatort aus Weimar.

© MDR/Andreas Wünschirs

Die Zukunft: In diesem Jahr debütieren neben dem neuen Team aus Erfurt auch Christian Ulmen und Nora Tschirner im Weihnachts-Tatort aus Weimar.
25.06.2013 · von

Für Zahlenfreunde

Seit August 2012 liefen 38 Tatorte als Neu-Ausstrahlungen, insgesamt kamen 18 Teams zum Einsatz. Die Kollegen aus München, Köln, Kiel, Bremen, Leipzig und Konstanz durften im vergangenen Jahr dreimal ran, die meisten anderen hatten nur zwei Fälle zu lösen. Die beiden neuen Hamburger Kommissare waren die einzigen, die nur in einem Tatort zu sehen waren.

Highlights

Quotenmäßig ganz klar die beiden Münster-Tatorte und das Debüt von Til Schweiger -  allesamt mit satt über zwölf Millionen Zuschauern. Damit purzelten reihenweise Rekorde aus den Neunzigern. Der Überflieger "Summ, summ, summ" aus Münster profitierte dabei auch von einer Aktion, die den kurz vorher aufgestellten Rekord des Schweiger-Film direkt wieder brechen wollte. Mission geglückt! Quoten aus der Prä-Privatsender-Zeit mit Marktanteilen von 50 % und mehr sind heute ohnehin undenkbar, aber selbst der schlechteste Tatort ("Im Namen des Vaters", Frankfurt) holte noch über sieben Millionen Zuschauer. Davon können die meisten anderen Sendungen nur träumen.

Inhaltlich gehörte der München-Tatort "Macht und Ohnmacht" sicherlich zu den stärksten der Saison, gemeinsam mit der Lindholm-Doppelfolge "Wegwerfmädchen" und "Das goldene Band". Auch gut: "Dinge, die noch zu tun sind" (passend zur ARD-Themenwoche zum Thema Tod) und der Frankfurter Tatort "Wer das Schweigen bricht". Etwas leichtere Kost, aber inhaltlich spitze war auch der Hamburg-Tatort "Feuerteufel".

Tiefpunkte

Vollkommen neben der Spur war vor allem das neue Team aus Saarbrücken. Offenbar sollen Jens Stellbrink und Lisa Marx skurril sein, doch viele Zuschauer finden sie nur peinlich. Vor allem der zweite Fall "Eine Handvoll Paradies" wurde mehrfach als einer der schlechtesten Tatorte aller Zeiten bezeichnet. Auch aus Luzern kamen zwei sehr schwache Beiträge, die neben kruden Geschichten vor allem mit der schlechten Synchronisation abschreckten.

Wie schlugen sich die Neuen?

Das Thema Saarbrücken wurde weiter oben schon erwähnt, darüber decken wir gnädig den Mantel des Schweigens. Beim prinzipiell sehr guten Dortmunder Team waren zartbesaitete Zuschauer ein wenig vom psychopathischen Kommissar Peter Faber abgeschreckt, da darf man gespannt sein, wie er sich noch entwickelt. Til Schweiger alias Nick Tschiller polarisierte wie erwartet, doch abgesehen von ein wenig zu viel Schusswaffen-Gebrauch und unglücklichen Äußerungen im Vorfeld war auch sein Debüt "Willkommen in Hamburg" objektiv betrachtet ein sehr starker Tatort. Bester Neuling aber war Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke, ebenfalls in Hamburg aktiv. Mit einer Mischung aus Schimanski, "Bang Boom Bang" und Detlev-Buck-Film bot er eine sehr, sehr gelungene Mischung aus gutem Krimi und lockerer Unterhaltung.

Wie waren die alten Hasen?

Die Kommissare aus Köln, Berlin, Bremen, Kiel und Stuttgart lieferten solide Arbeit ab, bei der aber wirkliche Highlights fehlten. Batic und Leitmayr in München durften im starken Oster-Tatort "Macht und Ohnmacht" glänzen und hatten mit ihrem Assistenten Gisbert die wahrscheinlich beliebteste Figur des Jahres vorzuweisen. Charlotte Lindholm hatte mit der ersten Tatort-Doppelfolge und viel medialer Begleitung eine sichere Bank, während die Münsteraner Tatort-Superstars Thiel und Boerne spüren mussten, dass zuviel Klamauk auch nach hinten losgehen kann.

Ein wenig angestaubt wirkten bei all dem Hype die Kommissare aus Leipzig, Konstanz und Ludwigshafen. Zudem waren Lena Odenthal, Eva Saalfeld und Co. oftmals in überambitionierten, aber abstrusen Drehbüchern gefangen. Haben wir jemanden vergessen? Ach ja, die Kollegen aus Österreich. Moritz Eisner und Bibi Fellner sind ja naturgemäß immer ein bisschen speziell, haben aber gelernt, daraus eine Tugend zu machen. Weiter so!

Der beste Auftritt der Saison?

Die Liste der Kandidaten wäre lang: Gisbert aus München, der erstaunlich selbstironische Schlager-Fuzzi Roland Kaiser beim Münster-Tatort, Antoine Monot Jr. als Zottel-Kommissar Leo Uljanoff in Bremen, die bezaubernde Lisa Werlinder als dänische Gast-Ermittlerin in Kiel – doch unsere rein subjektive Wahl fällt auf Lars Eidinger. Im Kiel-Tatort "Borowski und der stille Gast" stand er als verklemmter Paketbote Kai Korthals schon früh als Täter fest, doch die Spannung blieb beklemmend hoch. Der psychopathische Stalker, der sich in Wohnungen und Leben seiner weiblichen Opfer schlich und diese an den Rand der Verzweiflung brachte, durfte am Ende entkommen. Eine Fortsetzung ist also nicht ausgeschlossen.

Größter Fremdschäm-Moment der Saison?

Die Befragung der Mutter eines vermeintlichen Selbstmord-Attentäters im Wien-Tatort "Zwischen den Fronten". Als Moritz Eisner den Verdacht äußert, es könnte ein religiöses Motiv geben, stößt die Mutter unter Tränen hervor: "Mein Sohn ist kein Terrorist. Er ist ja nicht mal Moslem." Österreichische Drehbuch-Autoren haben offenbar ein sehr simples Weltbild.

Phänomen der Saison

Bei Twitter kommentieren Grünen-Politiker und Juristen unter dem Namen "TatortWatch", was die Tatort-Kommissare so alles falsch machen. Auch auf wiederholte und energische Hinweise von allen Seiten, dass der Tatort immer noch fiktional sei und somit auch mal eine Dienstvorschrift außer Acht lassen könne, folgt keine Einsicht. Würden alle Regelungen und Vorschriften eingehalten, würden wir den Kommissaren hauptsächlich bei Rechtsbelehrungen, Berichte schreiben und Erlaubnisse einholen zugucken. Da ist selbst ein Bodensee-Tatort spannender.

Und wie geht’s weiter?

Bis zum 18. August dauert die Sommerpause. Als erste Neuausstrahlung gibt es dann den Luzern-Tatort "Geburtstagskind" – auch nicht gerade erste Liga. Doch im Laufe des Jahres warten einige Perlen: Ein Öko-Tatort mit Frank Schätzing aus Kiel, ein neuer Münster-Tatort sowie weitere Fälle vom Dortmunder Team und der zweite Einsatz des Hamburg-Kommissars Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke, der ihn nach Langeoog führt. Außerdem gibt es noch 2013 zwei Debüts. Das junge Team aus Erfurt wird am 17. November erstmals ermitteln, und am zweiten Weihnachtstag gibt es dann den "Event-Tatort" aus Weimar mit Christian Ulmen und Nora Tschirner! Nach dem Ausstieg von Nina Kunzendorf ermittelt Joachim Krol noch einmal alleine in Frankfurt, dann gibt es auch dort ein neues Team. Alle geplanten Episoden zeigen wir hier!

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