"Roomservice" im Kreuzverhör: Workaholic vs. Working Mum

Hat Politiker Joseph Sattler (Peter Sattmann) Zimmermädchen Jasmin ermodert? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) beißt sich an dem Macho fest.

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Hat Politiker Joseph Sattler (Peter Sattmann) Zimmermädchen Jasmin ermodert? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) beißt sich an dem Macho fest.

Kurz zuvor war Sattler mit der jungen Frau im Bett - nun liegt sie tot im Treppenhaus.

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Kurz zuvor war Sattler mit der jungen Frau im Bett - nun liegt sie tot im Treppenhaus.

Die Affären ihres Mannes sind keine Überraschung für Sattlers Frau (Suzanne von Borsody) - sie vertritt ihn vielmehr als Anwältin.

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Die Affären ihres Mannes sind keine Überraschung für Sattlers Frau (Suzanne von Borsody) - sie vertritt ihn vielmehr als Anwältin.

Der lüsterne Landesvater kennt wenig Hemmungen, das muss auch Johanna Stern (Lisa Bitter) feststellen.

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Der lüsterne Landesvater kennt wenig Hemmungen, das muss auch Johanna Stern (Lisa Bitter) feststellen.

Odenthal versucht Vivien Sattler zu knacken, die sich mit ihrem Mann für eine Frauenquote in Vorständen stark macht.

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Odenthal versucht Vivien Sattler zu knacken, die sich mit ihrem Mann für eine Frauenquote in Vorständen stark macht.

Will Sattlers Widersacher Haussmann (Peter Kremer) ihn stoppen, weil er um seinen lukrativen Posten fürchtet?

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Will Sattlers Widersacher Haussmann (Peter Kremer) ihn stoppen, weil er um seinen lukrativen Posten fürchtet?

Oder weiß Rana (Nilam Farooq), die Schwester der Toten, warum Jasmin sterben musste?

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Oder weiß Rana (Nilam Farooq), die Schwester der Toten, warum Jasmin sterben musste?

Hoteldirektor Dreusen (David C. Bunners) hat eine sehr spezielle Art, mit seinen Zimmermädchen umzugehen.

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Hoteldirektor Dreusen (David C. Bunners) hat eine sehr spezielle Art, mit seinen Zimmermädchen umzugehen.

Johanna Stern stellt währenddessen mit pathologischer Akribie den Todes-Sturz nach...

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Johanna Stern stellt währenddessen mit pathologischer Akribie den Todes-Sturz nach...

...sehr zum Umbehagen von Lena Odenthal, die sich mit der LKA-Kollegin lauthals zofft.

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...sehr zum Umbehagen von Lena Odenthal, die sich mit der LKA-Kollegin lauthals zofft.
21.05.2015 · von

Oha. Lena Odenthal kümmert sich in "Roomservice" um einen Fall, der stark an Dominique Strauss-Kahn erinnert. Wir wissen: Wenn es in Ludwigshafen realistisch sein soll, geht das meistens in die Hose. Doch ganz so schlimm ist es dieses Mal nicht, dank zweier hochkarätiger Schauspieler.

Worum geht’s?

Dominique Strauss-Kahn lebt in Rheinland-Pfalz. Jedenfalls ist der ehemalige Ministerpräsident und jetzige EU-Kommissar Joseph Sattler (Peter Sattmann) ein Abziehbild des lüsternen Franzosen. Sattler setzt sich für eine Frauenquote ein, doch abseits der Rednerpulte und TV-Kameras sind Frauen für ihn vor allem Lustobjekte. Kurz nachdem er sich das Zimmermädchen Jasmin (Naima Fehrenbacher) im Luxushotel gefügig gemacht hat, stirbt die junge Frau beim Sturz im Treppenhaus.

Dass er Sex mit Jasmin hatte, gibt Sattler schnell zu. Auch Valerie Sattler, Ehefrau und Anwältin in Personalunion, ist keinesfalls überrascht. Doch den Mord streitet der Politiker ab. Stattdessen vermutet er, dass er wenige Tage vor einer wegweisenden Entscheidung in Brüssel Opfer einer Intrige geworden ist. Hat sein Widersacher Haussmann (Peter Kremer) Sattlers Vorliebe für junge Frauen ausgenutzt, um eine Frauenquote zu verhindern und seinen Posten zu sichern?

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) schießt sich schnell auf Macho Sattler ein, Kopper (Andreas Hoppe) kann sie kaum bremsen. Hoteldirektor Dreusen (David C. Bunners) führt ein hartes Regiment, seine eingeschüchterten Angestellten trauen sich kaum, mit den Kommissaren zu sprechen. Zu Lenas großem Ärger springt auch Johanna Stern (Lisa Bitter) am Tatort herum, im Auftrag des LKA.

Worum geht es wirklich?

Um Frauen, Männer und wer welche Rolle einnimmt. Der großspurige "Landesvater" ist eigentlich nur eine Marionette seiner machtgeilen Ehefrau, der Vorstandsboss zittert davor, dass eine Frau seinen Posten übernehmen könnte. Parallel dazu treffen zwei Lebensentwürfe aufeinander: Hier die Workaholicerin ohne Privatleben (Odenthal, noch immer mitten in der Burnout-Depressions-Lebenskrise), dort die Working Mum (Johanna Stern, noch immer nervig-streberhaft). Figuren aus dem Konflikt-Baukasten für Drehbuchautoren.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Vermutlich ist dieser Tatort realistischer als wir es uns vorstellen können und wollen. Auch Dominique Strauss-Kahn galt lange Zeit als ehrbarer Politiker und aussichtsreicher Präsidentschafts-Kandidat, bevor seine Sex-Fehltritte öffentlich wurden. Den Fall DSK in einem Tatort aufzugreifen ist zwar nicht unbedingt einfallsreich, aber ein dankbarer Krimi-Stoff. Wenn es um die Details geht, hat der Ludwigshafen-Tatort ja gerne einen Hang zum unfreiwillig Absurden, aber immerhin stimmt dieses Mal die Basis.

 

Bester Auftritt

Suzanne von Borsody und Peter Sattmann sind als Ehepaar Sattler fast erschreckend gut, lassen ihre Figuren auf der Schwelle zwischen DSK-Karikatur und spießigem Provinz-Politiker schweben. Relativ schnell wird deutlich, dass sie wesentlich kälter und skrupelloser ist als er – und leider wird auch klar, dass sämtliche Ermittler ihnen nicht das Wasser reichen können und gnadenlos untergehen. Von Borsody und Sattmann heben "Roomservice" über die meisten anderen Odenthal-Tatorte hinaus, weil sie ihren Figuren mehr Tiefe zu geben verstehen, als man es aus Ludwigshafen gewohnt ist.

Was muss man sich merken?

Gäääähhhhn! Wie lange müssen wir die große Lena-Krise eigentlich noch ertragen? Ego-Trips, Auszug bei Kopper, ständige Streitereien mit Johanna Stern – die eigentlich dringend notwendige Neuausrichtung der Figur Lena Odenthal zieht sich wie Kaugummi und geht inzwischen gehörig auf die Nerven. Ulrike Folkerts kann doch mehr als sich künstlich aufregen und vorwurfsvoll gucken, doch die Hoffnung, dass sie das irgendwann mal wieder im Tatort zeigen darf, schwindet von Fall zu Fall. Schade!

Soll man gucken?

Besser als die letzten Odenthal-Tatorte zu sein ist zwar nicht schwer, aber dank Suzanne von Borsody und Peter Sattmann ist "Roomservice" immerhin mal wieder ein kleiner Lichtblick. Und doch wirkt auch dieser Fall mal wieder reichlich gestrig und hölzern im Vergleich zu den wirklich guten Teams. Inszenierung, Dialoge, Aufmachung – alles scheint aus einer Zeit zu stammen, als noch wöchentlich "Derrick" in den bundesdeutschen Wohnzimmern flimmerte. Ein Tatort für das eher gesetzte und altmodische Publikum – die jüngeren Fans und auch die Twitter-Gemeinde werden wohl kaum ein gutes Haar an "Roomservice" lassen.

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