Luzern-Tatort "Schutzlos": Gestatten, Kommissar Zufall

Tatort "Schutzlos": Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) werden vom motivationslosen Drogenfahnder Hofstetter (Andreas Krämer) unterstützt.

© ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Tatort "Schutzlos": Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) werden vom motivationslosen Drogenfahnder Hofstetter (Andreas Krämer) unterstützt.

Flückiger am Boden: Spontane Migräne-Attacken machen dem Luzerner Kommissar zu schaffen.

© ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Flückiger am Boden: Spontane Migräne-Attacken machen dem Luzerner Kommissar zu schaffen.

Deswegen muss Liz Ritschard einspringen, um den Mord am jungen Nigerianer Ebi (Charles Mnene) zu klären.

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Deswegen muss Liz Ritschard einspringen, um den Mord am jungen Nigerianer Ebi (Charles Mnene) zu klären.

Doch kaum jemand hat Interesse daran, den Mörder des Flüchtlings zu finden. Hauptsache, der Fall ist schnell beendet.

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Doch kaum jemand hat Interesse daran, den Mörder des Flüchtlings zu finden. Hauptsache, der Fall ist schnell beendet.

Im Flüchtlingsheim treffen die Kommissare auf Navid (Rauand Taleb) und Jola (Marie-Helene Boyd), die Ebi offenbar kannten.

© ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Im Flüchtlingsheim treffen die Kommissare auf Navid (Rauand Taleb) und Jola (Marie-Helene Boyd), die Ebi offenbar kannten.

Nachdem er aus dem Heim verschwunden ist, wohnte Ebi bei der drogensüchtigen Sascha (Mona Petri).

© ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Nachdem er aus dem Heim verschwunden ist, wohnte Ebi bei der drogensüchtigen Sascha (Mona Petri).

Die Luzerner Polizei nimmt eine Drogenbande hoch, für die Ebi gearbeitet hat - aber ist auch sein Mörder unter ihnen?

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Die Luzerner Polizei nimmt eine Drogenbande hoch, für die Ebi gearbeitet hat - aber ist auch sein Mörder unter ihnen?
06.07.2015 · von

Aha: Der Schweizer Tatort möchte kritisieren, dass Asylsuchende kriminalisiert werden. Und was zeigt er? Kriminelle Asylsuchende. Schon das Grundkonstrukt von "Schutzlos" ist also dermaßen wacklig, dass die Geschichte um den toten Ebi (Charles Mnene) und seine Schwester Jola (Marie-Helene Boyd) nicht überzeugen kann, geschweige denn so etwas wie Spannung aufkommt. Einen guten Ruf hat der Luzern-Tatort ohnehin nicht, zusammen mit dem Wetter fuhr er dieses Mal dann mit 6,12 Millionen und einem Anteil von 21,1% die schlechteste Quote der Saison ein (14-49: 1,69 Mio.;16%).

Doch dem Luzern-Tatort muss zugutegehalten werden, dass er vieles besser macht, als man es bislang aus der Schweiz gewohnt war. Das scharfe Schweizer Asylrecht bietet jede Menge Fläche, auf der gute Geschichten erzählt werden können, außerdem haben die Kommissare Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) einen Hauch mehr Profil bekommen.

Doch die gute Vorlage wird in "Schutzlos" leider nur teilweise verwandelt. Die Beamten der Asylbehörde, Drogenfahnder Hoffstetter (Andreas Krämer) und Polizeichef Mattmann (Jean-Pierre Cornu) sagen zwar unglaubliche Dinge, doch sie bilden damit nicht mehr als eine sehr plakative Vertreter der "offiziellen" Linie. Die aufgestachelte Liz Ritschard hingegen ist das krasse Gegenteil - vor lauter Gerechtigkeitssinn leidet ihre Objektivität.

Zufälle und Halluzinationen müssen den Fall lösen

Vieles war nicht Tatort-würdig: Die endlosen Zufälle - permanent laufen die Verdächtigen den Kommissaren vor der Nase herum, eine Kamera filmt einen Deal im Detail - zeugen von wenig Einfallsreichtum bei den Autoren. Dass zu guter Letzt eine Halluzination Flückigers zur Aufklärung führt, ist dann nur noch lachhaft. Da ist selbst Harry Potter logischer erzählt.

 

"Schutzlos" war der letzte Tatort vor der Sommerpause, nun folgen zwei Monate mit Wiederholungen. Am 6. September geht es dann weiter, wieder mit einem Fall aus Luzern. Doch bei "Sniper" klingt die Story gar nicht mal so schlecht - vielleicht führen die Schweizer den hauchfeinen guten Ansatz ja mal weiter und liefern einen brauchbaren Tatort ab.

Die besten Tweets zum Luzern-Tatort "Schutzlos"

Die Leiche eines farbigen Mannes wird gefunden, Polizistin kombiniert messerscharf: "Ein toter Afrikaner."

Glücklich waren diejenigen, die immerhin diese Zeile verstehen konnten. Denn der Ton des Schweizer Tatort war mal wieder arg abenteuerlich und wechselte zwischen flüsterleisen Dialogen und krachend lauter Musik.

Dank Migräne durfte Flückiger einen Tag Pause machen und in der Koje seines Bootes schaukelnd ausruhen, zum Schluss lieferten im seine Visionen sogar noch den entscheidenden Hinweis. Eine durchdachte Story geht anders.

Und damit verabschieden wir uns in die Sommerpause!

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