Luzern-Tatort im Kreuzverhör: Und ewig nervt die Synchronisation...

Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) haben es im neuen Luzern-Tatort "Zwischen zwei Welten" nicht leicht.

© ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Liz Ritschard (Delia Mayer) und Reto Flückiger (Stefan Gubser) haben es im neuen Luzern-Tatort "Zwischen zwei Welten" nicht leicht.

Die dreifache Mutter Donna Müller stürzte in den Tod. War es einer der drei Väter ihrer Kinder?

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Die dreifache Mutter Donna Müller stürzte in den Tod. War es einer der drei Väter ihrer Kinder?

Ins Visier der Ermittler gerät schnell Daniele Rossi (Hans Caspa Gattiker): Er lieferte sich einen erbitterten Kampf mit der Toten.

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Ins Visier der Ermittler gerät schnell Daniele Rossi (Hans Caspa Gattiker): Er lieferte sich einen erbitterten Kampf mit der Toten.

Rossi ist in einem Verein für Männerrechte organisiert - hat er etwas mit dem Tod von Donna Müller zu tun?

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Rossi ist in einem Verein für Männerrechte organisiert - hat er etwas mit dem Tod von Donna Müller zu tun?

Donna Müller hatte einen Hang zur Esoterik und ließ sich bei "Medium" Pablo Guggisberg (Grégoire Gros) zur Heilerin ausbilden.

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Donna Müller hatte einen Hang zur Esoterik und ließ sich bei "Medium" Pablo Guggisberg (Grégoire Gros) zur Heilerin ausbilden.

Kann Guggisberg den Kommissaren mit seinen Kräften helfen?

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Kann Guggisberg den Kommissaren mit seinen Kräften helfen?

Die drei Kinder stehen weiterhin im Mittelpunkt streitender Eltern...

© ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Die drei Kinder stehen weiterhin im Mittelpunkt streitender Eltern...

...und müssen den Tod ihrer Mutter verarbeiten.

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...und müssen den Tod ihrer Mutter verarbeiten.
17.04.2014 · von

Eifersucht? Habgier? Affekt? Solche banalen Morde gibt es in Luzern nicht! Das Sorgenkind unter den Tatorten ist sich in "Zwischen zwei Welten" nicht zu blöde, die Kommissare per spirituellem Medium mit Toten reden zu lassen. Parallel bemüht man sich, den Kommissaren ein bisschen mehr Profil zu geben.

Worum geht’s?

Am Bahndamm liegt eine tote Frau, offenbar wurde sie von einer Mauer gestoßen und brach sich das Genick. Donna Müller (Elena Berlasconi) hinterlässt drei Kinder – und viel verbrannte Erde. Alle drei Kinder stammen von verschiedenen Vätern: Der eine ist Guru in Indien, der andere ein verheirateter Manager, der Dritte wiederum, Daniele Rossi (Hans-Caspar Gattiker) lieferte sich mit der Toten einen erbitterten Kampf um Tochter Emma (Annina Walt). Gemeinsam mit anderen Scheidungs-Vätern macht Rossi im Verein "Väter-Rechte" Stimmung gegen die alleinerziehenden Mütter.

Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) rennen von Vater zu Vater, von Zeuge zu Zeuge und klauben Beweise zusammen. Dass Donna Müller Anhängerin dubioser Esoterik-Praktiken war, macht die Sache nicht einfacher. Beim "spirituellen Heiler" Pablo Guggisberg (Grégoire Gros) kommunizierte sie mit Toten und ließ sich selber zum "Medium" ausbilden. Es kommt heraus, dass Donna samt den Kindern nach Indien gehen wollte, um dort in einem Esoterik-Camp zu leben. Hatte womöglich einer der Väter etwas dagegen?

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Dieser Tatort möchte wohl schwere Kost sein, ist aber nur eins: Sehr, sehr zäh! Mal trockene Polizei-Arbeit mit Zeugen und Beweis-Sammlungen, mal Rührstück um die entwurzelten Kinder, mal Soziogramm der einsamen Väter – hier gibt es eindeutig zu viele Elemente, in keinem vermag dabei aber Spannung aufkommen. Die meisten sind noch nicht einmal stringent erzählt. Die privaten Problemchen von Flückiger und Ritschard machen es nicht besser, sie wirken vielmehr wie der verzweifelte Versuch, den Figuren ein bisschen Kontur zu geben.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Nun ja. Der Streit zwischen getrennten Eltern ums Sorgerecht ist leider viel zu alltäglich. Dass es hier gleich drei Väter sind, kann man noch als künstlerische Freiheit durchgehen lassen. Der "spirituelle Heiler" und seine Toten-Gespräche aber sind ebenso überflüssig wie übersinnlich. Wie man derlei Themen in einem Tatort unterbringt, haben Batic und Leitmayr 2008 in München mit "Gesang der toten Dinge" gezeigt. In diesem Luzern-Tatort ist das einfach nur ein weiterer Aspekt, der zu viel ist.

Bester Auftritt

 

Leider überschattet die grottenschlechte Synchronisation wieder mal jegliche möglicherweise vorhandene Schauspiel-Kunst. In der Presse-Version schien es so, dass es zu Beginn noch einigermaßen passt, doch je länger der Tatort dauert, desto weiter sind Ton und Bild voneinander entfernt. Ein Lichtblick im Schweizer Tatort sind die bei uns weitgehend unbekannten und frischen Gesichter in den Nebenrollen. Da zahlt es sich aus, dass einheimische Darsteller verpflichtet werden, statt der üblichen Verdächtigen, die gefühlt dreimal im Jahr in verschiedenen Rollen zu sehen sind.

Was muss man sich merken?

Den Luzerner Tatort-Kommissaren wird ein bisschen Privat-Leben zugestanden. Beide werden durch die drei Kinder an eigene Traumata in der Vergangenheit erinnert. Dass Reto Flückiger plötzlich auf einem Segelboot haust und Liz Ritschard weiterhin in einer lesbischen Beziehung ist, ist offenbar den Bemühungen geschuldet, den Figuren einen Hintergrund zu geben.

Was geht bei Twitter?

In der Schweiz beginnt der Tatort zehn Minuten früher, so dass die Twitterei noch asynchroner ist als die Dialoge. Wir wagen mal die Prognose, dass die Synchronisation dann auch Hauptthema bei Twitter sein wird. Mit "MyFinder" gibt es auch wieder einen Google-Klon. Der Verein für vom Feminismus bedrohte Väter wird sicherlich ebenso den einen oder anderen Kommentar abbekommen wie die klaffenden Logik-Lücken und die Esoterik-Freaks. Und überhaupt: Warum gehen die Kommissare nicht einfach zum Medium und lassen sich vom Opfer aus erster Hand den Mörder nennen?

Soll man gucken?

Als gestählter Tatort-Fan ist Einschalten natürlich Pflicht. Wer aber nach dem langen Oster-Wochenende bei (hoffentlich) schönem Wetter nicht vor der Glotze sitzen will, hat nicht viel verpasst. Der österlich bedingte Sendeplatz am Montag hat aber auch Vorteile: Am Sonntag zeigt die ARD mit "Hochzeitsnacht" einen äußerst sehenswerten Tatort aus Bremen. Der ist auch als Wiederholung wesentlich empfehlenswerter als der neueste Fall aus Luzern. Nach den komplett hanebüchenen Karnevals- und Sekten-Fällen, die es zuletzt aus der Schweiz gab, kommt "Zwischen zwei Welten" trotz spirituellem Hauch beinahe normal daher – ist aber immer noch weit vom sonstigen Tatort-Standard entfernt.

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