Lindholm-Tatort im Kreuzverhör: Schabernack im Schweinegürtel

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ist nach zwei Jahren Pause zurück: Im Tatort "Der sanfte Tod" trifft sie auf Fleischbaron Jan-Peter Landmann (Heino Ferch).

© NDR/Christine Schroeder

Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ist nach zwei Jahren Pause zurück: Im Tatort "Der sanfte Tod" trifft sie auf Fleischbaron Jan-Peter Landmann (Heino Ferch).

Landmanns Chauffeur wurde erschossen - galt der Anschlag eigentlich dem Groß-Fabrikanten?

© NDR/Christine Schroeder

Landmanns Chauffeur wurde erschossen - galt der Anschlag eigentlich dem Groß-Fabrikanten?

Frau Bär (Bibiana Beglau) ist neu bei der Kripo und soll Charlotte Lindholm helfen.

© NDR/Christine Schroeder

Frau Bär (Bibiana Beglau) ist neu bei der Kripo und soll Charlotte Lindholm helfen.

Landmann hatte viele Feinde, unter anderem den ruinierten Bio-Bauern Janzen (Oliver Stokowski)...

© NDR/Christine Schroeder

Landmann hatte viele Feinde, unter anderem den ruinierten Bio-Bauern Janzen (Oliver Stokowski)...

...der Lindholm seinen Zuchteber auf den Hals hetzt.

© NDR/Christine Schroeder

...der Lindholm seinen Zuchteber auf den Hals hetzt.

Auch die osteuropäischen Arbeiter, die in Landmanns Fabriken schuften, sind nicht gut auf ihn zu sprechen.

© NDR/Christine Schroeder

Auch die osteuropäischen Arbeiter, die in Landmanns Fabriken schuften, sind nicht gut auf ihn zu sprechen.

Bei einem weiteren Anschlag auf Landmann gerät auch Charlotte Lindholm in Gefahr.

© NDR/Christine Schroeder

Bei einem weiteren Anschlag auf Landmann gerät auch Charlotte Lindholm in Gefahr.

Landmann hofiert Charlotte und lädt sie gemeinsam mit Kriminaldirektor von Kessel (Robert Dölle) auf sein Anwesen ein...

© NDR/Christine Schroeder

Landmann hofiert Charlotte und lädt sie gemeinsam mit Kriminaldirektor von Kessel (Robert Dölle) auf sein Anwesen ein...

...und überschüttet Charlottes Sohn David zu seinem Geburtstag ungefragt mit Geschenken.

© NDR/Christine Schroeder

...und überschüttet Charlottes Sohn David zu seinem Geburtstag ungefragt mit Geschenken.

Lindholm ist hin- und hergerissen zwischen Landmanns Avancen und ihrem Zweifel an seiner Integrität.

© NDR/Christine Schroeder

Lindholm ist hin- und hergerissen zwischen Landmanns Avancen und ihrem Zweifel an seiner Integrität.

Denn der Mega-Metzger hat offenbar etwas zu verbergen - das bekommt auch sein Neffe Martin (Sebastian Weber) zu spüren.

© NDR/Christine Schroeder

Denn der Mega-Metzger hat offenbar etwas zu verbergen - das bekommt auch sein Neffe Martin (Sebastian Weber) zu spüren.

Auch Charlotte Lindholm gerät in Gefahr...

© NDR/Christine Schroeder

Auch Charlotte Lindholm gerät in Gefahr...

...können die Kollegen vor Ort rechtzeitig eingreifen?

© NDR/Christine Schroeder

...können die Kollegen vor Ort rechtzeitig eingreifen?
04.12.2014 · von

Ganze zwei Jahre nachdem Charlotte Lindholm in einer Tatort-Doppelfolge eine skrupellose Herrenrunde hochgenommen hat, löst sie nun mit "Der sanfte Tod" ihren nächsten Fall. Warum es so lange gedauert hat? Hauptdarstellerin Maria Furtwängler wollte einen "humorvollen Stoff" für ihre Figur, doch die eingereichten Drehbücher ließen qualitativ zu wünschen übrig. Ob "Der sanfte Tod" ein würdiges Comeback ist, verraten wir im Kreuzverhör!

Worum geht’s?

Swing-Nummern schmetternd lässt sich Fleisch-Magnat Jan-Peter Landmann (Heino Ferch) von seinem Chauffeur "Carlito" (Steven Merting) spät abends nach Hause fahren. Kurz vor dem Ziel tauschen sie die Plätze. Plötzlich durchschlägt eine Kugel die Heckscheibe und tötet den Chauffeur – galt der Anschlag eigentlich dem steinreichen Landmann? Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) soll den Fall in der tiefsten niedersächsischen  Provinz, dem "Schweinegürtel", aufklären.

Landmann und seine Großmetzgerei beherrschen die Gegend, doch allzu beliebt ist der alleinerziehende Vater nicht. Er bekommt stapelweise Morddrohungen, die Bauern in der Umgebung leiden unter seinem Preisdiktat und Tierschützer protestieren gegen seine Haltungs- und Produktionsmethoden. Dennoch schafft es Landmann, fast alle um seinen Finger zu wickeln – die Politik und Charlotte Lindholm eingeschlossen.

Als es einen weiteren Anschlag gibt, bei dem auch Lindholm in Gefahr gerät, nimmt die LKA-Ermittlerin Landmanns Umfeld unter die Lupe. Neben der resoluten Mutter (Tatja Seibt) und einem frustrierten Neffen (Sebastian Weber) macht sich vor allem der zwielichtige Sicherheits-Chef Clemens Müller (Marko Dyrlich) verdächtig. Was will Landmann vertuschen? Und wer steckt hinter den Anschlägen?

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Tierhaltung und Fleischproduktion – dieser Tatort trägt seine Agenda unübersehbar vor sich her. Der egomanische Fleischbaron, der gescheiterte Bio-Bauer, der neugierige Journalist, zwielichtige Security-Männer mit Mafia-Namen – an Klischees wird nicht gespart. Hätte Jauch keine Pause, er würde mit größter Sensationslust anschließend die realen Vorbilder zum Talk bitten. Teilweise rutschen die Stereotypen in "Der sanfte Tod" gar in die Karikatur ab – das ist manchmal ganz unterhaltsam, meistens aber hart an der Grenze zum Klamauk. "Das Wunder von Wolbeck" lässt grüßen.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Was sich so in der Discounter-Fleischtheke tummelt, kann einem schnell den Appetit verderben – keine Frage. Dass Fleisch ein Riesen-Geschäft ist, lässt sich nicht nur an Landmanns imposantem Anwesen erkennen. Die Tiere und die Hygiene bleiben dabei auf der Strecke, das ist nicht erst seit diversen Gammelfleisch-Skandalen bekannt. An thematischer Glaubwürdigkeit mangelt es in "Der sanfte Tod" also nicht. Charaktere und Handlung sind aber reichlich dick aufgetragen, das wird auch an der Bildsprache deutlich: Die Bullerbü-hafte, sonnendurchflutete Landschaft, bei der die Grenzen zum kitschigen Landmann-Werbespot verschwimmen, wird im Laufe der 90 Minuten immer düsterer.

Leider bleibt der eigentliche Kriminalfall dabei auf der Strecke. Zwar werden äußerst geschickt immer wieder falsche Spuren gelegt, die den Zuschauer aufhorchen lassen, doch zwischen Würstchen und zweifelhaften Zuständen in der Fabrik wird die Lösung eher nebenher erzählt.

Bester Auftritt

Star dieses Tatortes ist eindeutig Heino Ferch als charmant-undurchsichtiger Fleisch-Baron, der edles Mecklenburger Rindersteak für Charlotte Lindholm brutzelt, während in seinen Fabriken Kinderwurst aus kontaminierten Fleischabfällen hergestellt wird. Außerdem ist Landmann nahezu die einzige Figur, die nicht gänzlich zum Klischee gerinnt – trotz einiger Abrutscher ins Pilcher-hafte.

 

Ebenfalls erwähnenswert ist Bibiana Beglau als permanent überforderte Dorf-Polizistin Frau Bär. Keine Empathie, kein Durchsetzungsvermögen, kein Timing – Bär ist ein erfrischender Gegenpart zur perfektionistischen Charlotte Lindholm, die anfangs so gar nichts mit der taufrischen Kripo-Beamtin anzufangen weiß, sich dann aber ihrer annimmt. Maria Furtwängler selber lässt sich leider nur selten dazu hinreißen, ihren Standard-Gesichtsausdruck abzulegen - aber damit passt sie ja eigentlich auch ganz gut in die niedersächsische Provinz.

Was muss man sich merken?

Handlungsübergreifende Elemente in Hannover sind vor allem Lindholms Sohn und ihre Mutter. Einmal mehr ist die LKA-Ermittlerin hier in der Zwickmühle zwischen Polizeiarbeit und Mutter-Pflichten zerrissen, und Macho-Sprüche wie "Ach was, Sie sind doch eine moderne Frau!" machen es nicht besser. Dem Einfallsreichtum der Autoren sind hierbei allerdings scheinbar Grenzen gesetzt: Dass David wieder einmal als Druckmittel zwischen die Fronten gerät, ist allzu durchschaubar.

Soll man gucken?

Ja, denn dieser Tatort "Der sanfte Tod" ist nicht nur das Wiedersehen mit Charlotte Lindholm nach zwei Jahren Pause, sondern auch recht unterhaltsam. Dass es darin um ein ehrenwertes Anliegen geht, ist erfreulich – doch allzu hohe Ansprüche sollten Freunde des knallharten Aufklärungsfilmes nicht stellen. Der Empörungs-Mechanismus, den viele Tatorte mit "Botschaft" innehaben, ist zwar auch hier nicht zu übersehen, aber nicht so penetrant wie in Köln oder Ludwigshafen. Vielmehr wird nur angedeutet, was mit dem Fleisch passiert - der Rest entwickelt sich in der Fantasie der Zuschauer. Die Figurenzeichnung ist jedoch nichts für Feingeister, den einen oder anderen (unfreiwilligen?) Gag hätte man auch weglassen können. Wenn man sich aber über Sätze wie "Nehmen Sie das Schwein weg oder ich schieße!" oder "Ich bin Flexitarier - ich esse alles!" köstlich amüsieren kann, wird man vermutlich sehr viel Spaß an "Der sanfte Tod" haben. Und das Ende…aber seht selbst!

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