Kreuzverhör Wien-Tatort "Abgründe": Kampusch reloaded

Tatort "Abgründe": Ein harter Fall für Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

© rbb/ORF/Petro Domenigg

Tatort "Abgründe": Ein harter Fall für Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser).

Eine suspendierte Polizistin wird im Haus eines Kinderschänders gefunden - doch an oberster Stelle scheint das niemanden zu interessieren.

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Eine suspendierte Polizistin wird im Haus eines Kinderschänders gefunden - doch an oberster Stelle scheint das niemanden zu interessieren.

Der ehemalige Komplize Nussbacher (Thomas Mraz) ist wieder bestens im Geschäft.

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Der ehemalige Komplize Nussbacher (Thomas Mraz) ist wieder bestens im Geschäft.

Welche Rolle spielt Polizist Frey (Michael Dangl)?

© rbb/ORF/Petro Domenigg

Welche Rolle spielt Polizist Frey (Michael Dangl)?

Offenbar wollen höchste Kreise verhindern, dass weiter in der Sache ermittelt wird.

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Offenbar wollen höchste Kreise verhindern, dass weiter in der Sache ermittelt wird.

Als Eisner in Lebensgefahr gerät, nimmt er die Sache selbst in die Hand.

© rbb/ORF/Petro Domenigg

Als Eisner in Lebensgefahr gerät, nimmt er die Sache selbst in die Hand.

Gemeinsam mit Bibi ermittelt Eisner auf eigene Faust.

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Gemeinsam mit Bibi ermittelt Eisner auf eigene Faust.
27.02.2014 · von

Um Gottes Willen, was herrschen in Österreich für Zustände? Bereits vor knapp einem Jahr deckten Moritz Eisner und Bibi Fellner in "Zwischen den Fronten" kriminelle Seilschaften in den obersten Kreisen der Wiener Politik auf. Im neuen Tatort "Abgründe" wird es nun gleich mehrere Stufen härter: Vor dem Hintergrund des Falles Natascha Kampusch sind die beiden Ermittler einem Kinderschänder-Ring auf der Spur.

Worum geht’s?

Beim Abriss eines Hauses wird die Leiche von Franziska Kohl gefunden. Besonders brisant: In dem Haus hielt der Kinderschänder Potofski einst fünf Jahre lang die kleine Melanie Pölzl gefangen, bevor diese flüchten konnte und sich Potofski vor den Zug warf. Die Tote wiederum war Chefermittlerin in dem Fall und wurde suspendiert, weil sie sich mit den offiziellen Ergebnissen nicht zufrieden gab und weiter bohrte.

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ist betroffen, weil er früher ein Verhältnis mit Franziska hatte – und weil der Fall seinen Gerechtigkeitssinn herausfordert. Gemeinsam mit Bibi Fellner (Adele Neuhauser) macht er sich abseits von offiziellen Dienstwegen auf die Suche nach der Wahrheit. Dass sehr mächtige Leute in die Sache verwickelt sind, merkt er nicht nur daran, dass ihn jemand immer wieder an den Ermittlungen hindert.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Kampusch heißt Pölzl, Priklopil heißt Potofski, Holzapfel heißt Nussbacher – "Abgründe" nimmt ganz klar Bezug auf die Entführung von Natascha Kampusch und vor allem die Vermutungen bezüglich namhafter Hintermänner. Eine Art Real-Krimi also, der die Geschichte nur umso beklemmender macht. Dank starker Hauptdarsteller und dem allgegenwärtigen Wiener Schmäh aber ein rundum gelungener Tatort, über den zumindest in Österreich noch lange geredet werden wird.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Wohin die Reise geht, ist relativ schnell klar, dennoch bleibt "Abgründe" spannend. Eisner und Fellner alleine gegen die Staatsmacht, das hat schon öfter funktioniert und ist auch dieses Mal eine gute Story. Dass dabei immer wieder einige Logik-Löcher auftreten, stört hier nicht weiter, auch die kleineren Nebenhandlungen ergeben zum Ende hin alle einen Sinn für die zentrale Geschichte. Und dass all das auf einer realen Begebenheit beruht, sorgt für zusätzliche Brisanz. Nach allem, was wir bislang am Wiener Tatort erleben durften, trauen wir den Österreichern derartige Verstrickungen durchaus zu.

Bester Auftritt

Die Stars sind ganz klar Eisner und Fellner, die mehr denn je als Einheit erscheinen. In schwierigen Zeiten verbringen sie sogar die Nächte zusammen – sehr zum Unbehagen von Sekretärin Julia, die sich mit Bibi einen kleinen Zickenkrieg um Eisners Gunst liefert. "Abgründe" ist auch wegen der starken Leistung von Krassnitzer und Neuhauser einer der besten Wiener Tatorte!

Was muss man sich merken?

Am Ende gibt es diverse lose Enden, doch das erwartet man in Wien schon fast. Der Fokus liegt mehr auf spannenden Geschichten als auf erzählerischer Kontinuität. Besonders in diesem Fall wäre es mehr als reizvoll, wenn ein späterer Wien-Tatort an die losen Enden anknüpfen würde.

Und sonst so?

Die Wiener Tatorte gehören schon seit Längerem zu den Besseren in der Tatort-Landschaft, "Abgründe" ist besonders stark. Leider hat er das Problem, dass in der öffentlichen Wahrnehmung der neue Schweiger-Tatort der folgenden Woche schon jetzt präsenter ist als diese Wien-Episode.

Soll man gucken?

Unbedingt! Während sich an Til Schweigers "Kopfgeld" unabhängig von der tatsächlichen Qualität wieder die Geister scheiden werden, bietet dieser Tatort alles, was ein guter Krimi braucht. Spannung, Dramatik, starke Hauptfiguren und mächtige Gegenspieler. Der reale Bezug ist zusätzlich die besondere Würze für diesen Fall und sorgt mehr als einmal für Schaudern.

Zu diesem Tatort gibt es wieder unser Tatort-Bingo! Hier geht es zur Spielanleitung und zum Download des Bingo-Bogens!>>

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