Kreuzverhör Tatort München: Der Scheich mit der Leich'

Nasir al Yasaf hat dank Diplomatenstatus alle Freiheiten: schnelle Autos, Partys, Drogen und Waffen. Und die Polizei sieht tatenlos zu.

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Nasir al Yasaf hat dank Diplomatenstatus alle Freiheiten: schnelle Autos, Partys, Drogen und Waffen. Und die Polizei sieht tatenlos zu.

Als Nasirs teurer Sportwagen von einer Polizeisperre gestoppt wird, befindet sich auf dem Beifahrersitz die Leiche seines Freundes Karim.

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Als Nasirs teurer Sportwagen von einer Polizeisperre gestoppt wird, befindet sich auf dem Beifahrersitz die Leiche seines Freundes Karim.

Batic und Leitmayr sollen den Mord an Karim aufklären, doch den Kommissaren sind die Hände gebunden. Sie dürfen Nasir noch nicht einmal befragen.

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Batic und Leitmayr sollen den Mord an Karim aufklären, doch den Kommissaren sind die Hände gebunden. Sie dürfen Nasir noch nicht einmal befragen.

Doch zu ihrem Erstaunen kooperiert der Sohn des Emir. Gemeinsam mit Generalkonsul Saleh bringt er sie zu dem Ort, an dem Karim erschossen wurde.

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Doch zu ihrem Erstaunen kooperiert der Sohn des Emir. Gemeinsam mit Generalkonsul Saleh bringt er sie zu dem Ort, an dem Karim erschossen wurde.

Erschossen wurde Karim vor dem Haus von Studentin Michaela Scheffner. Sie hatte eine heimliche Liebesbeziehung mit Karim und weiß offenbar mehr, als sie verrät.

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Erschossen wurde Karim vor dem Haus von Studentin Michaela Scheffner. Sie hatte eine heimliche Liebesbeziehung mit Karim und weiß offenbar mehr, als sie verrät.

Auch die Rolle von Generalkonsul Saleh bleibt undurchsichtig. Ist er wirklich daran interessiert, den Behörden bei der Lösung des Falls zu helfen?

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Auch die Rolle von Generalkonsul Saleh bleibt undurchsichtig. Ist er wirklich daran interessiert, den Behörden bei der Lösung des Falls zu helfen?

Die Spur führt ins Bayerische Wirtschaftsministerium zu Staatssekretär Baum. Batic und Leitmayr geraten ins Feuer zwischen Politik, Justiz und Wirtschaft.

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Die Spur führt ins Bayerische Wirtschaftsministerium zu Staatssekretär Baum. Batic und Leitmayr geraten ins Feuer zwischen Politik, Justiz und Wirtschaft.

Irgendeine seltsame Rolle in diesem Fall spielt auch dieser Henk (Wilson Gonzales Ochsenknecht). Nur welche?

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Irgendeine seltsame Rolle in diesem Fall spielt auch dieser Henk (Wilson Gonzales Ochsenknecht). Nur welche?

Plötzlich landen die Kommissare in einer Schießerei – und klar wird: Der eigentliche Mörder von Karim ist noch auf freiem Fuß.

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Plötzlich landen die Kommissare in einer Schießerei – und klar wird: Der eigentliche Mörder von Karim ist noch auf freiem Fuß.
11.09.2014 · von

Kameltreiber, Teppichhändler, Ferrari-Sammlung: Im Münchner Tatort „Der Wüstensohn“ bleibt kein Klischee unbedient, dass der abendländische Fernsehbürger vom Araber im Allgemeinen und vom reichen Scheich im Besonderen hat. Ob sich das Einschalten lohnt, verraten wir in unserem Kreuzverhör.

Worum geht’s?

Ein Sportwagen rast durch München, überfährt alle roten Ampeln und durchbricht eine Polizeisperre. Am Steuer sitzt Prinz Nasir Al Yasaf, der fünfte Sohn des Emir von Kumar. Auf dem Beifahrersitz liegt die Leiche seines Freundes Karim. Als Wirtschaftsattaché genießt Nasir vollen diplomatischen Schutz. Daher sind den beiden Hauptkommissaren Ivo Batic und Franz Leitmayr für ihre Ermittlungen zunächst die Hände gebunden.

Sie dürfen nichts. Nicht einmal Nasir als Hauptverdächtigen befragen, wenn der nicht will. Geschweige denn den Wagen polizeilich untersuchen. Als Diplomatenfahrzeug ist der Fundort der Leiche exterritoriales Gebiet. Batic und Leitmayr stoßen in diesem Fall an die Grenzen ihrer polizeilichen Möglichkeiten.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Dass sich Diplomaten eher mäßig dafür interessieren, ob sie einen Strafzettel bekommen, ist hinlänglich bekannt. Wenn der Diplomatenpass jedoch für schwere Straftaten missbraucht wird, hört der Spaß auf. Doch sie sind so gut wie unantastbar – die heimische Justiz machtlos. Das schlimmste, was einem Diplomaten passieren kann, ist die Ausweisung in sein Heimatland.

Aus diesem Material hätte man einen schweren Aufregerstoff machen können. Lena Odenthal hätte das alles ganz ganz schlimm gefunden und den Prinzen zur Vernunft zu quatschen versucht. Doch das Münchner Tatort-Team hat darauf verzichtet. Die beiden Kommissare Batic und Leitmayr versteigen sich abwechselnd in Beschimpfungen und Vorurteile ("Kameltreiber, blöder") und sind mal angewidert, mal fasziniert vom ausufernden Luxus, in dem Nasir in seinem Münchner Domizil lebt. Ivo Batic überlegt sogar kurz ernsthaft, ob er das Angebot des Prinzen annehmen soll, in dessen Heimat Polizeichef zu werden. Kollege Leitmayr holt ihn aber schnell wieder auf den Teppich zurück, um im Bild zu bleiben.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Als Vorlage für die Geschichte von Alex Buresch und Matthias Pacht dürfte ein Sproß des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi hergehalten haben. 2006 schrieb sich Gaddafis Sohn Saif al-Arab an der Technischen Universität München ein. In den folgenden vier Jahren waren insgesamt zehn Verfahren und ein Vorermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft gegen ihn anhängig, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete. Die Vorwürfe umfassten Bedrohungen, Fahren ohne Führerschein, Alkoholfahrten, Waffenschmuggel, Anstiftung zum Mord und Körperverletzung. Der Münchner Polizeipräsident war damals in die Kritik geraten, nachdem bekannt wurde, dass er sich von Saif al-Arab in einem Münchner 5-Sterne-Hotel zum Essen hatte einladen lassen.

Bester Auftritt

Beginn des Films ist Prinz Nasir Al Yasaf ein asoziales Ekel. Darf alles, macht auch alles. "Ich kann mit 180 durch München fahren, ich kann koksen, soviel ich will" erklärt er der Polizei. Doch mit der Zeit lernen wir weitere Facetten von ihm kennen und sehen seine Verwandlung vom Unantastbaren zum fast schon liebenswürdigen, sich nach Anerkennung sehnenden Sohn. Yasin el Harrouk spielt diese Rolle toll. Ob er zum Ende hin allerdings unbedingt auch noch singen musste, verbleibt persönliche Geschmackssache. Sehr gut ist auch Samir Fuchs als Generalkonsul Abdel Saleh. Der macht keine Wandlung durch und bleibt bis zum Ende die miese Socke, die er nun mal ist.

 

Batic und Leitmayr haben einen guten Tag erwischt und spielen solide und sehr humorvoll. Der neue Assistent Kalli Hammermann muss seinen Platz zwischen den beiden Silberrücken noch finden. Derweil wirkt er etwas deplatziert.

Was muss man sich merken?

Zum Ende der letzten Münchner Episode "Am Ende des Flurs" ging Franz Leitmayr blutüberströmt mit Messer im Rücken zu Boden. Offenbar hat er aber alles gut überstanden, der Cliffhanger wird nicht weiter thematisiert. Gut so, denn von ihm und vom Kollegen Batic wollen wir in Zukunft noch viele weitere Fälle gelöst bekommen!

Soll man gucken?

Regie bei "Der Wüstensohn" führte Rainer Kaufmann, der sich mit Filmen wie "Stadtgespräch", "Die Apothekerin" und "Ein fliehendes Pferd" große Anerkennung erworben hat. Für den mehrfach unter anderem mit Grimme-Preis und Deutschem Fernsehpreis ausgezeichneten Kaufmann ist es die erste Arbeit für die Tatort-Reihe, und die hat er gleich sauber erledigt. Der Tatort München ist an vielen Stellen überzeichnet, die Figuren zu sehr am Klischee ausgerichtet. Doch insgesamt ist es ein Film geworden, der sehr viel Spaß macht. Gute Story und viel Humor: Das Einschalten lohnt sich unbedingt.

Weitere Infos zum Tatort „Der Wüstensohn“ findet ihr auf der Episodenseite.

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