Kreuzverhör Tatort Köln: "Wahre Liebe" und tödliche Hiebe

Neuer Fall für Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) am Tatort Köln.

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Neuer Fall für Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) am Tatort Köln.

An ihrer Seite arbeitet dieses Mal Assistentin Gabi (Kathi Angerer).

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An ihrer Seite arbeitet dieses Mal Assistentin Gabi (Kathi Angerer).

Natascha Klein (Suzan Anbeh) führt eine erfolgreiche Internet-Partnervermittlung. Als sie nach einer Firmenfeier...

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Natascha Klein (Suzan Anbeh) führt eine erfolgreiche Internet-Partnervermittlung. Als sie nach einer Firmenfeier...

...ermordet wird, geraten die Kollegen als erstes unter Verdacht.

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...ermordet wird, geraten die Kollegen als erstes unter Verdacht.

Freddy Schenk versucht sein Glück bei einem Escort-Service, während Gabi...

© WDR/Thomas Kost

Freddy Schenk versucht sein Glück bei einem Escort-Service, während Gabi...

...als Lockvogel auf ein Blind-Date geschickt werden soll.

© WDR/Thomas Kost

...als Lockvogel auf ein Blind-Date geschickt werden soll.

Polizeipsychologin Dr. Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) ist einverstanden. Gemeinsam mit Gabi...

© WDR/Thomas Kost

Polizeipsychologin Dr. Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) ist einverstanden. Gemeinsam mit Gabi...

...sucht sie nach mutmaßlichen Betrügern auf der Dating-Seite.

© WDR/Thomas Kost

...sucht sie nach mutmaßlichen Betrügern auf der Dating-Seite.

Privat kommt sich die Psychologin mit Max Ballauf näher.

© WDR/Thomas Kost

Privat kommt sich die Psychologin mit Max Ballauf näher.

Abschied von Staatsanwalt von Prinz. Der Schauspieler Christian Tasche verstarb während der Dreharbeiten.

© WDR/Thomas Kost

Abschied von Staatsanwalt von Prinz. Der Schauspieler Christian Tasche verstarb während der Dreharbeiten.
25.09.2014 · von

Dieses böse Internet! Wenn sich in einem Drehbuch partout keine bösen Banken oder kriminellen Kapitalisten unterbringen lassen, dann hat sich in letzter Zeit im Tatort die Lebenswahrheit etabliert, dass an allem das Internet Schuld ist. Schwere Kindheit oder Drogen haben als Tatmotiv ausgedient. Man will ja moderne Mörder.

Das ist beim Tatort Köln nicht anders und so bekommen es die Hauptkommissare Max Ballauf und Freddy Schenk diesmal mit der Spezialdisziplin Internet-Partneragentur zu tun. Nichtsahnende Verliebte stolpern blind in die anonyme Datingfalle und werden Opfer von Heiratsschwindlern. Böses, böses Internet!

Worum geht’s?

Natascha Klein war eine schillernde Persönlichkeit. Gerade erst hat die "Liebes-Päpstin" den zwanzigmillionsten Kunden ihrer Internet-Partneragentur Lovecast gefeiert. Jetzt wurde sie erschlagen in ihrem Büro gefunden. Neben der Leiche liegt ein Briefumschlag mit fünfzigtausend Euro: Hier hatte offensichtlich jemand eine ganz persönliche Rechnung mit der jungen Frau offen. Könnte sich ein enttäuschter Kunde an der Agenturchefin gerächt haben?

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln in alle Richtungen. Offensichtlich waren hier in jüngster Zeit mehrere Frauen einem Heiratsschwindler zum Opfer gefallen und um erhebliche Geldbeträge betrogen worden. Das berichtet Lovecast-Geschäftsführer Gerd Machnow. Auf andere Weise enttäuscht von seiner Beziehung war auch Natascha Kleins Ehemann Jörg. Da er zur Tatzeit jedoch auf einer Geschäftsreise war, hat er ein Alibi. Staatsanwalt von Prinz empfiehlt Ballauf und Schenk verdeckt zu ermitteln. Ein gefährlicher Einsatz für ihre neue Aushilfsassistentin Gabi, die sich freiwillig als Lockvogel meldet. Ihre Kontaktanzeige bei Lovecast bleibt nicht lange unbeantwortet...

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Nun ja, um das einleitend Geschriebene noch einmal aufzugreifen: das Internet ist nicht Schuld an Allem, doch das Mysterium der Partnervermittlung im Internet ist schon einen Blick wert. Sicherlich gibt es hier unaufrichtige Menschen und unseriöse Vermittler, doch die finden sich leider auch im richtigen Leben. Das Internet hat es den Betrügern nur – zugegeben – einfacher gemacht, potentielle Opfer zu finden.

Ein Krimi also mit ernstem Hintergrund, der ein modernes gesellschaftliches Phänomen thematisiert.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Dass es Heiratsschwindler in Partnerbörsen gibt, ist sicherlich ein Problem. Der reality check vergibt also einen Pluspunkt. Das ganze Gewese drum herum ist aber ein bisschen sehr obskur. Die neue Assistentin gleich am ersten Arbeitstag als Lockvogel für einen Undercover-Einsatz zu verpflichten ist schon dümmer als die Polizei erlaubt. Dass sie sich dann auch gleich noch beim allerersten Blind-Date unsterblich verliebt, kommt wohl wirklich nur im Film vor. Da können wir ja gleich zur Rosamunde-Pilcher-Fraktion ins ZDF rüber schalten.

Bester Auftritt

So ein richtig hervorzuhebendes Highlight hat dieser Tatort nicht zu bieten. Die beiden Hauptdarsteller Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär spielen solide, aber nicht herausragend. Wie bei vielen Tatort-Teams, die schon länger zusammen ermitteln, hat man beim Zuschauen mitunter den Eindruck, hier unterhält sich ein altes Ehepaar beim Waldspaziergang. Man hat das unbestimmte Gefühl genau zu wissen, welche Einwände der Eine jetzt wieder hat und wie empört der Andere dann wieder sein wird. Hier fehlt eindeutig frischer Wind.

Was muss man sich merken?

Nach dem unfreiwilligen Abgang der langjährigen Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) Anfang des Jahres (Tatort: "Franziska") müssen sich die beiden Kölner Kommissare noch immer mit wechselnden Assistenten herumschlagen. Erst durfte Tobias Reisser (Patrick Abozen) den Job machen, dann sollte Miriam Häslich (Lucie Heinze) die grantelnden Chefs besänftigen. Dieses Mal kommt Assistentin Gabi (Kathi Angerer) von der polizeiinternen Arbeitsagentur. Doch anders als ihre beiden Vorgänger bekommt die piepsige Schreibkraft einen gefährlichen Außeneinsatz – auch wenn das mit ihren Vorgesetzten nicht ganz so genau abgestimmt war. Nach diesem Tatort hat das Assistenten-Wechselspiel allerdings ein Ende: ein neuer fester Assistent ist schon gefunden.

 

Es ist auch der letzte Tatort mit Staatsanwalt Wolfgang von Prinz. Völlig unerwartet starb Schauspieler Christian Tasche noch während der Dreharbeiten zum Tatort "Wahre Liebe". Er hinterlässt große Fußstapfen und wird von seinen Kollegen wie auch von den Zuschauern schmerzlich vermisst werden.

Soll man gucken?

Nach dem Highlight aus Münster vom vergangenen Sonntag ("Mord ist die beste Medizin") ist der Kölner Tatort so ein bisschen was wie karnevalistischer Aschermittwoch. Ballauf und Schenk gehen ja bekanntlich zum Lachen in den Keller, sind beim Publikum aber trotzdem beliebt. Oder gerade deshalb. Ein Kontrastprogramm zu Münster sind sie auf jeden Fall.

Der Tatort "Wahre Liebe" ist eine gut erzählte Geschichte, wenn auch kein besonderes Juwel der Reihe. Kann man sich ruhig ansehen.

Weitere Infos zum Tatort "Wahre Liebe" erfahrt ihr auf der Episodenseite.

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