Kreuzverhör Tatort Kiel: Seltsamer Fall, seltsame Frauen

Im Tatort "Borowski und das Meer" suchen der Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) unter Wasser nach der Lösung.

© NDR/Christine Schroeder

Im Tatort "Borowski und das Meer" suchen der Kieler Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) unter Wasser nach der Lösung.

Jens Adam (Andreas Patton) ist verschwunden. Wollte er dunkle Machenschaften in seiner Firma ans Licht bringen?

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Jens Adam (Andreas Patton) ist verschwunden. Wollte er dunkle Machenschaften in seiner Firma ans Licht bringen?

Managerin Sylvana Vegener (Karoline Eichhorn) geht über Leichen, um ein schmutziges Geschäft voran zu treiben.

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Managerin Sylvana Vegener (Karoline Eichhorn) geht über Leichen, um ein schmutziges Geschäft voran zu treiben.

Die Firma Marex will Seltene Erden im Meer abbauen - ein Milliardengeschäft, gegen das Umweltschützer vorgehen.

© NDR/Christine Schroeder

Die Firma Marex will Seltene Erden im Meer abbauen - ein Milliardengeschäft, gegen das Umweltschützer vorgehen.

Adams Ehefrau (Nicolette Krebitz) ist seltsam wenig berührt vom Tod ihres Mannes.

© NDR/Christine Schroeder

Adams Ehefrau (Nicolette Krebitz) ist seltsam wenig berührt vom Tod ihres Mannes.

Adam hatte eine Affäre mit der Wissenschaftlerin Amali Saunders (Florence Kasumba), die im Kieler GEOMAR-Institut arbeitet.

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Adam hatte eine Affäre mit der Wissenschaftlerin Amali Saunders (Florence Kasumba), die im Kieler GEOMAR-Institut arbeitet.

Borowski holt sich im Institut die nötigen Informationen und trifft auf einen merkwürdigen Meeresbiologen (Frank Schätzing).

© NDR/Christine Schroeder

Borowski holt sich im Institut die nötigen Informationen und trifft auf einen merkwürdigen Meeresbiologen (Frank Schätzing).

Die Firma Marex sieht ihre Gewinne bedroht - und setzt Marte Adam unter Druck.

© NDR/Christine Schroeder

Die Firma Marex sieht ihre Gewinne bedroht - und setzt Marte Adam unter Druck.

Als sie eingesperrt werden, bekommt Sarah Brandt beinahe einen epileptischen Anfall, während Borowski mit seiner Platzangst kämpft.

© NDR/Christine Schroeder

Als sie eingesperrt werden, bekommt Sarah Brandt beinahe einen epileptischen Anfall, während Borowski mit seiner Platzangst kämpft.

Um den Fall zu lösen, taucht Borowski auf den Grund der Kieler Förde ab.

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Um den Fall zu lösen, taucht Borowski auf den Grund der Kieler Förde ab.
27.03.2014 · von

Verfechter der Frauen-Quote haben am neuen Tatort aus Kiel ihre Freude: Toughe, alleinerziehende Managerin, erfolgreiche Wissenschaftlerin, Ärztin – in "Borowski und das Meer" ist der Kommissar von Powerfrauen umgeben. Diese haben jedoch allesamt eine Leiche im Keller. Der Fall indes ist unverhohlen an Frank Schätzings Tiefsee-Thriller "Der Schwarm" angelehnt – doch trotz eines merkwürdigen Gastauftrittes des Autors kann dieser Tatort die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen.

Worum geht’s?

Bei einer feucht-fröhlichen Firmen-Feier wird der Jurist Jens Adam (Andreas Patton) erschossen und stürzt in die Kieler Förde, seine Leiche bleibt verschwunden. Bei seinem Arbeitgeber "Marex" wimmelt es von Leuten, die ein Tatmotiv hätten. Die Firma baut unter Wasser Seltene Erden ab, die für die Herstellung von Handys benötigt werden, und wollte gerade ein neues Vorkommen bei Neuseeland erschließen. Ein Umweltschützer, der dagegen protestierte, kam auf mysteriöse Weise ums Leben und brachte Jens Adam zum Umdenken. Wollte Inhaberin Sylvana Vegener (Karoline Eichhorn) verhindern, dass Adam über die Machenschaften von "Marex" auspackt?

Mit Unterstützung des Kieler Meeresforschungs-Institutes GEOMAR arbeiten sich Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) in das komplexe Thema ein. Auch der Tote scheint eine Verbindung auf die andere Seite gehabt zu haben, er unterhielt eine längere Affäre mit der Wissenschaftlerin Amali Saunders (Florence Kasumba). Die gehörnte Ehefrau (Nicolette Krebitz) ist auffällig cool angesichts ihres vermissten Ehemannes, hat jedoch die Skrupellosigkeit von "Marex" schon am eigenen Leib erfahren dürfen.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Großkonzern beutet Umwelt aus, machtgeile Manager gehen über Leichen – eine solide Krimi-Grundlage, die in diesem Fall aber dankenswerterweise nicht zum Moral-triefenden Lehrstück verkommt. Die Frage "Wer ist der Mörder?" steht im Mittelpunkt, wie es eigentlich bei jedem Krimi sein sollte. Für die leichten Momente soll die Chemie zwischen Borowski und Sarah Brandt sorgen, doch die Figuren wirken leider in diesem Tatort deutlich flacher als in den besseren Kiel-Krimis.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Naja, auch wenn die Jagd nach Seltenen Erden in der Realität ebenfalls ein Milliardengeschäft ist: Einige Details in "Borowski und das Meer" sind arg an den Haaren herbeigezogen. Dass Borowski mit einem Hightech-U-Boot in der Kieler Förde auf Leichensuche geht oder dass die Hochsee-Forschungsschiffe permanent in Strandnähe schippern, fällt eher in die Kategorie „Werbung für GEOMAR“. Ansonsten ist dieser Tatort einigermaßen logisch und spannend erzählt. Allerdings dürfte nicht nur Hardcore-Tatort-Fans klar sein, dass der obligatorische 21:15-Uhr-Verdächtige sich am Ende als halbwegs unschuldig entpuppt.

Bester Auftritt

Auf jeden Fall NICHT Frank Schätzing. Der Autor ausladender Öko-Thriller steht als Erklär-Bär kurz in der Gegend herum und hinterlässt nicht nur Borowski ein wenig ratlos. Die starken Frauen dieses Tatortes werden von umso schwächeren Männern flankiert. Der vermeintlich heldenhafte "Whistleblower" (ein Begriff, den dieser Tatort übrigens vor der Causa Snowdon benutzte) entpuppt sich als lasches Würstchen, während der Mann fürs Grobe bei "Marex" eigentlich nur durch die geschmacklose Frisur von seinem stromlinienförmigen Kollegen zu unterscheiden ist. Karoline Eichhorn und Nicolette Krebitz spielen intensiv, doch leider lassen ihre Figuren nicht allzu viele Facetten zu und verhalten sich - wie Borowski schon früh treffend feststellt - sehr seltsam.

Was muss man sich merken?

Sarah Brandts Epilepsie schwebt weiter über der Figur, wir erfahren in diesem Tatort, seit wann sie von den Anfällen heimgesucht wird. Borowski selbst entpuppt sich als Klaustrophobiker  - und verleitet die Kollegin zu einem mehr als flachen Witz auf Kosten seines Namens. Doch leider wirken die Dialoge der Kieler Kommissare diesmal eher hölzern, Sarah Brandt bleibt ziemlich flach. Das kennen wir aus vergangenen Kiel-Tatorten wesentlich besser!

Und sonst so?

Immer wieder lustig, wie verkrampft der Tatort mit Internet-Logos und –Namen umgeht. Google heißt "X-Agent" und sieht aus wie in den 90ern mit Word designt, das iPad wird zum "WeTab". Warum aber Skype dennoch Skype heißen, bleibt ein Geheimnis der ARD.

Soll man gucken?

Wirklich schlecht sind die Kieler Tatort nie. Die bemerkenswerte Ausgangslage, die sich grob am Erfolgs-Roman "Der Schwarm" orientiert, macht "Borowski und das Meer" zu etwas Besonderem. Leider bleiben die Figuren dabei zu flach, vor allem die beiden Kommissare bleiben unter ihren Möglichkeiten. Unterm Strich ein guter Tatort, der allerdings nicht so herausragend ist, wie man im Vorfeld erwarten könnte.

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