Kreuzverhör Tatort "Gegen den Kopf" aus Berlin

In der Berliner U-Bahn wird ein Rentner von zwei Jugendlichen drangsaliert.

©rbb/Frédéric Batier

In der Berliner U-Bahn wird ein Rentner von zwei Jugendlichen drangsaliert.

Niemand schreitet ein, nur Mark Haessler (Enno Kalisch) nimmt sich ein Herz.

©rbb/Frédéric Batier

Niemand schreitet ein, nur Mark Haessler (Enno Kalisch) nimmt sich ein Herz.

Auf dem Bahnsteig passen ihn die betrunkenen Rowdies ab - mit tödlichen Folgen.

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Auf dem Bahnsteig passen ihn die betrunkenen Rowdies ab - mit tödlichen Folgen.

Die Leiterin der Mordkommission (Ruth Reinecke) will schnelle Ergebnisse in dem Fall.

©rbb/Frédéric Batier

Die Leiterin der Mordkommission (Ruth Reinecke) will schnelle Ergebnisse in dem Fall.

Till Ritter und Felix Stark werden am Tatort vom jungen Kollegen Jens Schott (Claudius von Stolzmann) informiert.

©rbb/Frédéric Batier

Till Ritter und Felix Stark werden am Tatort vom jungen Kollegen Jens Schott (Claudius von Stolzmann) informiert.

Die beiden Kommissare überbringen die traurige Nachricht an Haesslers Frau Ines (Christina Hecke).

©rbb/Frédéric Batier

Die beiden Kommissare überbringen die traurige Nachricht an Haesslers Frau Ines (Christina Hecke).

Vor dem Haus greift sich Till Ritter (Dominic Raacke) einen aufdringlichen Fotografen...

©rbb/Frédéric Batier

Vor dem Haus greift sich Till Ritter (Dominic Raacke) einen aufdringlichen Fotografen...

...während Felix Stark (Boris Aljinovic) sich einen der Täter (Edin Hasanovic) zur Brust nimmt.

©rbb/Frédéric Batier

...während Felix Stark (Boris Aljinovic) sich einen der Täter (Edin Hasanovic) zur Brust nimmt.

Achim Wozniak wird von seinem Freund Konstantin schwer belastet. Doch war er derjenige, der Mark Haessler umbrachte?

©rbb/Frédéric Batier

Achim Wozniak wird von seinem Freund Konstantin schwer belastet. Doch war er derjenige, der Mark Haessler umbrachte?

Ritter und Stark suchen einen Maulwurf, der Infos an die Presse weitergibt. Etwa einer der jungen Kollegen?

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Ritter und Stark suchen einen Maulwurf, der Infos an die Presse weitergibt. Etwa einer der jungen Kollegen?
04.09.2013 · von

Im neuen Berliner Tatort "Gegen den Kopf" haben es die Hauptkommissare Till Ritter und Felix Stark mit einem brutalen Mord in der Berliner U-Bahn zu tun. Leider hat der Film ein trauriges Vorbild aus der Realität.

Worum geht es?

Der 38-jährige Mark Haessler wird von zwei Jugendlichen auf einem Berliner U-Bahnhof totgetreten. Zuvor hatte er großen Mut bewiesen und war eingeschritten, als die beiden Halbstarken einem Rentner in der U-Bahn seine Gehhilfe wegnehmen wollten. Alle anderen Fahrgäste im Zug hatten desinteressiert weggesehen oder zumindest nicht eingegriffen. Seine Zivilcourage muss Haessler dann mit dem Leben bezahlen.

Die Berliner Mordkommission um Till Ritter (Dominic Raacke) und Felix Stark (Boris Aljinovic) versucht, an Hand von Zeugenbefragungen und der Videoaufzeichnungen von U-Bahn und Bahnsteig den Tathergang minutiös zu rekonstruieren. Doch die Zeugen wiedersprechen sich und es wird nicht klar, welcher der beiden flüchtigen Täter für den Mord verantwortlich ist. Doch dann kommt es zur überraschenden Wendung, als sich einer der Jugendlichen bei der Polizei stellt…

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Ganz klar ein Problem-Krimi. Es geht um das Thema Zivilcourage, und beim Ansehen dieses Tatorts werden sich die meisten Zuschauer überlegen, wie sie in einer solchen Situation gehandelt hätten. Dazwischengehen und riskieren, selbst bedroht zu werden? Oder doch lieber wegsehen? Der Tatort hebt hier natürlich kräftig den Zeigefinger und prangert das feige Verhalten der Zeugen am Tatort an. Doch es bleibt nicht einseitig, auch die Ängste und Frustrationen der anwesenden Personen kommen zur Sprache.

Als Nebenkriegsschauplatz kommt hier noch das allseits beliebte Thema "Datenschutz" aufs Tableau, nämlich in Form von überhandnehmender Videoüberwachung und jederzeitiger Möglichkeit der Ortung von Personen über das Handysignal. Zudem müssen sich die Kommissare noch mit einem "Maulwurf" herumschlagen, der interne Ermittlungsergebnisse an die Presse weitergibt. Aber das Hauptthema ist schon so mächtig, dass diese beiden Handlungsstränge hier eher stören.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Leider ja. Die Macher des Berliner Tatorts haben hier den tragischen Fall von Dominik Brunner verarbeitet, der im Jahr 2009 in der Münchner U-Bahn von Jugendlichen mit Schlägen und Tritten so schwer verletzt wurde, dass er an den Folgen starb. Dieser Fall, sowie der Tod von Johnny K. in Berlin, lassen den Zuschauer nicht nur wegen der anfänglichen Banalität der Konflikte wütend und nachdenklich zurück.

Bester Auftritt

Angesichts des brisanten Themas liefern die Berliner Kommissare eine bemerkenswerte Team-Leistung ab. Das Stamm-Personal Ritter, Stark und Assistent Weber schart gleich mehrere Spezialisten um sich, um möglichst effektiv arbeiten zu können. Auch das sonstige penetrante Macho-Gehabe von Till Ritter und die ewige Weltschmerz-Miene von Felix Stark spart man sich dieses Mal. Es tut dem Berliner Tatort gut!

Was muss man sich merken?

Dass Felix Stark in den 80ern gegen die Volkszählung demonstrierte, kann Kollege Ritter überhaupt nicht verstehen. Er war angeblich sogar selbst einer der Volkszähler. Verbirgt sich hier vielleicht noch Konfliktpotential für spätere Folgen? Und vielleicht bereitet dieser Tatort den Zuschauer schon ganz leise und vorsichtig darauf vor, dass der beliebte und altgediente Assistent Lutz Weber nicht mehr lange Dienst tun möchte. Man wird sehen…

Und sonst so?

Natürlich greift Günter Jauch das Thema des Tatortes anschließend auf. Mitten im Wahlkampf eine solche Steilvorlage ungenutzt zu lassen, hätte auch jeder Polit-Stratege mit mehrwöchigem Talk-Boykott bestraft. Doch offenbar gibt es noch die eine oder andere Stelle der Sendung, die noch nicht durchchoreografiert ist, denn auf ihrer Webseite sucht die Redaktion noch nach Zeugen von U-Bahn-Übergriffen.

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