Kreuzverhör Tatort "Alle meine Jungs": Verwirrspiel in Orange

"Alle meine Jungs": Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) und Inga Lürsen (Sabine Postel) befragen die Kollegen des Toten.

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"Alle meine Jungs": Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) und Inga Lürsen (Sabine Postel) befragen die Kollegen des Toten.

Zuvor war Maik Decker tot in einem Müllwagen entdeckt worden.

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Zuvor war Maik Decker tot in einem Müllwagen entdeckt worden.

Schon vorher war einer der Müllmänner spurlos verschwunden - Stedefreund fragt sich, was die Männer in Orange zu verbergen haben.

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Schon vorher war einer der Müllmänner spurlos verschwunden - Stedefreund fragt sich, was die Männer in Orange zu verbergen haben.

Sascha (Jacob Matschenz) will der Polizei etwas mitteilen, doch er hat Angst um seine Schwester Yvonne (Genija Rykova).

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Sascha (Jacob Matschenz) will der Polizei etwas mitteilen, doch er hat Angst um seine Schwester Yvonne (Genija Rykova).

Fast alle Müllmänner sind Ex-Knackis, die von Bewährungshelfer "Papa" Uwe Frank (Roeland Wiesnekker) betreut werden.

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Fast alle Müllmänner sind Ex-Knackis, die von Bewährungshelfer "Papa" Uwe Frank (Roeland Wiesnekker) betreut werden.

Im China-Imbiss hält "Papa" Hof - und versorgt seine Leute mit üppigen Sozialleistungen.

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Im China-Imbiss hält "Papa" Hof - und versorgt seine Leute mit üppigen Sozialleistungen.

Auch der Teamchef Pavel (Hendrik Arnst) scheint tief in die dunklen Geschäfte verstrickt.

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Auch der Teamchef Pavel (Hendrik Arnst) scheint tief in die dunklen Geschäfte verstrickt.

Der Chef des Recyclingunternehmens (Patrick von Blume) rühmt sich unterdessen seines Engagements...

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Der Chef des Recyclingunternehmens (Patrick von Blume) rühmt sich unterdessen seines Engagements...

...und plant krumme Deals mit dem Betreiber einer Müllverbrennungsanlage (Bernd Stegemann).

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...und plant krumme Deals mit dem Betreiber einer Müllverbrennungsanlage (Bernd Stegemann).

Auf der Suche nach dem verschwundenen Sascha gerät Stedefreund in einen Hinterhalt...

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Auf der Suche nach dem verschwundenen Sascha gerät Stedefreund in einen Hinterhalt...

...und muss sich gegen eine Horde Müllmänner wehren.

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...und muss sich gegen eine Horde Müllmänner wehren.

Eine saubere Truppe: Von diesen Herren hat fast jeder Dreck am Stecken.

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Eine saubere Truppe: Von diesen Herren hat fast jeder Dreck am Stecken.
15.05.2014 · von

Unseren Müll stellen wir an die Straße, dann verschwindet er. Was anschließend passiert, ist ein Milliardengeschäft, dem sich der Bremer Tatort "Alle meine Jungs" annimmt. Doch es droht die Gefahr, dass der Zuschauer am Ende ratlos bleibt - wer ist nun der Böse: schmierige Geschäftsmänner oder die Jungs in Orange?

Worum geht’s?

Aus der Tür eines liegengebliebenen Müllwagens fällt ein toter Müllmann. Maik Decker ist erstochen worden, und er ist nicht der erste der Kollegen. Bereits knapp ein Jahr zuvor ist einer aus der Truppe von Pavel Symanek (Hendrik Ernst) spurlos verschwunden. Besonders Sascha (Jacob Matschenz) hat etwas zu verbergen und flüchtet, bevor Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) ihn befragen können.

Bei Sascha zuhause treffen die beiden Kommissare vom Tatort Bremen auf dessen Schwester Yvonne (Genija Rykova) und ihre Tochter Rihanna (kein Scherz!) und weitere Kollegen aus der Entsorgungsfirma. Fast alle Müllmänner leben in der Gegend – finanziert und unterstützt vom Unternehmen. Und genau jetzt rühmt sich Geschäftsführer Abel (Patrick von Blume), mit dem „Bremer Modell“ ein weiteres Versorgungspaket für seine Leute an den Start zu bringen.

Außerdem haben so gut wie alle der Männer in orange einschlägige Knast-Erfahrung. Bewährungshelfer Uwe Frank (Roeland Wiesnekker), von allen nur "Papa" genannt, hat sie bei der Recyclingfirma untergebracht und so ein sicheres Leben ermöglicht. "Papa" regiert das Viertel wie ein Sonnenkönig und hält in einem Hinterzimmer eines China-Restaurants Hof. Lürsen und Stedefreund entdecken hinter der Fassade reichlich krumme Geschäfte. Musste Maik Decker sterben, weil er auspacken wollte und damit das vermeintliche Idyll bedroht hätte? Und was weiß der flüchtige Sascha? 

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Es soll wohl nach dem starken Tatort "Brüder" der nächste Fall aus Bremen sein, der ein kriminelles Netzwerk zeigen und entlarven soll. Gerade das Thema Müll und Recycling bietet sich dafür an, denn in dieser Branche sind traditionell die Gewinne hoch und die Skrupel gering. So weit, so gut, doch leider verzettelt sich "Alle meine Jungs" in der Darstellung der Müllmann-Gang und des allmächtigen Sozialarbeiters. Die großen Tiere kommen zu kurz – und damit auch der übergeordnete Anspruch.

Ist die Handlung glaubwürdig?

 

Nur teilweise: Skrupellose Geschäftsmänner mauscheln bei der Entsorgung von Sondermüll? Das glauben wir unbesehen. Das Sozial-Konstrukt der Bremer Entsorgungsfirma und die Machenschaften von "Papa" hingegen sind arg konstruiert – so sehr, dass man leicht den Überblick verliert. Die Figurenvielfalt ist verwirrend groß, und nicht jeder Zusammenhang ist auf Anhieb verständlich.

Bester Auftritt

Unter all den Nebenfiguren sticht vor allem Roeland Wiesnekker als schmieriger Bewährungshelfer "Papa" heraus. Herrlich großkotzig und unsympathisch regiert er über "seine Jungs", deren Resozialisierung er zwar "zu 94% erfolgreich" abschließt, die aber trotzdem Angst und Schrecken im Viertel verbreiten. Allein "Papas" Arbeitsplatz in der schummrigen Glutamat-Hölle eines viertklassigen China-Restaurants sorgt für die passende Atmosphäre.

Ein Wiedersehen gibt es mit Patrick Abozen als Müllmann Tarik, der im März noch als emsiger Franziska-Ersatz bei Ballauf und Schenk am Tatort Köln ("Der Fall Reinhardt") assistierte. Jetzt hat er die Seiten gewechselt und schlägt sich ein paar Nahrungsstufen tiefer durch die Welt.

Was muss man sich merken?

Wer beim Online-Spiel zum Tatort mitmacht, sollte wohl vor allem auf die scheinbar nebensächlichen Details achten, um eventuelle Hinweise nicht zu verpassen. Ansonsten hat man in letzter Zeit beim Bremer Tatort große Freude an offenen Enden, das wird auch in "Alle meine Jungs" durchgezogen. Dass die Handlung allerdings noch mal aufgegriffen wird, ist dann doch eher unwahrscheinlich. Inga Lürsen bringt das schwierigen Verhältnis zu ihrer Tochter und Chefin Helen (Camilla Renschke) zunächst in eine Krise, macht am Ende dann aber wieder einen Schritt auf sie zu. Wer das nicht auf dem Schirm hat, hat aber auch nichts verpasst.

Was geht bei Twitter?

Gab es in den letzten Woche viele fein ausgewählte Songs im Tatort, so ist "Alle meine Jungs" im Vergleich dazu eher ein "Alle Hits der 90er und das Beste von heute"-Plastik-Radiosender, daran wird die Twitter-Gemeinde sicherlich ihre Freude haben. Auch der Auftritt von Rihanna wird garantiert kommentiert - allerdings nicht der Popstar, sondern ein kleines Unterschichten-Mädchen.

Soll man gucken?

Dieser Tatort will viel – unterm Strich ein bisschen zu viel. Das Buch verzettelt sich nicht nur in Nebenhandlungen und Randaspekten, sondern hat auch viel zu viele Figuren. Weniger wäre hier mehr gewesen, dann hätte "Alle meine Jungs" ein richtig guter Tatort werden können. So wird es für den Zuschauer ein bisschen unübersichtlich, über lange Zeit lässt sich schwer ein roter Faden erkennen. Das ist besonders deswegen schade, weil Lürsen, Stedefreund und die anderen Darsteller einen echt guten Job machen.

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