Kreuzverhör "Kaltstart": CSI Wilhelmshaven

Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) müssen bei ihrem ersten Einsatz für die Bundespolizei nach Wilhelmshaven.

© NDR/Boris Laewen

Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) müssen bei ihrem ersten Einsatz für die Bundespolizei nach Wilhelmshaven.

Dort soll eine Schleuserbande hochgenommen werden - doch bei einer Explosion sterben der Verdächtige und zwei Polizisten.

© NDR/Boris Laewen

Dort soll eine Schleuserbande hochgenommen werden - doch bei einer Explosion sterben der Verdächtige und zwei Polizisten.

Falke ist besonders mitgenommen, weil seine Liebschaft unter den Opfern ist und sucht Trost bei Jan Katz (Sebastian Schipper).

© NDR/Boris Laewen

Falke ist besonders mitgenommen, weil seine Liebschaft unter den Opfern ist und sucht Trost bei Jan Katz (Sebastian Schipper).

War es Spediteur Dreyer (Andreas Patton)? Er ist pleite und offensichtlich kurz vorm Durchdrehen.

© NDR/Boris Laewen

War es Spediteur Dreyer (Andreas Patton)? Er ist pleite und offensichtlich kurz vorm Durchdrehen.

Hafenarbeiter Martinsen (Jochen Nickel) hatte ebenfalls seine Finger im Spiel.

© NDR/Boris Laewen

Hafenarbeiter Martinsen (Jochen Nickel) hatte ebenfalls seine Finger im Spiel.

Die Flüchtlinge sind offensichtlich eingeschüchtert worden und geben kaum Details preis.

© NDR/Boris Laewen

Die Flüchtlinge sind offensichtlich eingeschüchtert worden und geben kaum Details preis.

Sie alle haben Angst vor einem mysteriösen Afrikaner (Jimmy-Jean Lewis).

© NDR/Boris Laewen

Sie alle haben Angst vor einem mysteriösen Afrikaner (Jimmy-Jean Lewis).

Wer ist der Drahtzieher im Hintergrund (André Hennicke)?

© NDR/Boris Laewen

Wer ist der Drahtzieher im Hintergrund (André Hennicke)?

Vor der gespenstischen Kulisse des Jade-Weser-Ports versuchen Falke und Lorenz, die Puzzleteile zusammenzufügen.

© NDR/Boris Laewen

Vor der gespenstischen Kulisse des Jade-Weser-Ports versuchen Falke und Lorenz, die Puzzleteile zusammenzufügen.
24.04.2014 · von

Die Tatort-Macher haben Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) vom LKA Hamburg zur Bundespolizei versetzt, um ihm und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) größere Fälle geben zu können. Klappt der Transfer des beliebten Ermittlers? Und schafft es Falke, auch bei ernsten Themen seine Lässigkeit zu bewahren? Wir klären diese und weitere Fragen im Kreuzverhör!

Worum geht’s?

Eine Gasexplosion erschüttert den riesigen Tiefsee-Hafen in Wilhelmshaven. Dabei sterben der mutmaßliche Menschenhändler Dürr und zwei der Polizisten, die ihn und seine Schleuserbande observierten. Vier Wochen vor dem geplanten Dienstbeginn werden Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) auf den Fall angesetzt und nehmen die Machenschaften auf dem trostlosen Areal des gefloppten Tiefseehafens ins Visier. Falke ist besonders mitgenommen von dem Fall, denn unter den toten Polizisten ist auch eine Kollegin, mit der er eine leidenschaftliche Affäre hatte.

Hauptverdächtiger ist der gescheiterte Spediteur Dreyer (Andreas Patton) – er macht Dürr für seine Pleite verantwortlich und ist ziemlich durch den Wind. Außerdem steckte noch Lademeister Martinsen (Jochen Nickel) mit dem Schleuser unter einer Decke. Schon seit Längerem wurden offenbar Flüchtlinge aus dem Kongo nach Deutschland geschmuggelt und als billige, illegale Arbeitskräfte missbraucht. Und gerade ist wieder ein Container voller Menschen eingetroffen…

Während Falke sich noch in seine neue Position als Chef hineinfinden muss und nicht immer perfekte Führungsqualitäten an den Tag legt, ist auch sein Kumpel Jan Katz (Sebastian Schipper) an den Ermittlungen beteiligt. Doch sobald es eine Spur gibt, verschwinden Beweise oder Zeugen. Eine höhere Macht scheint über jeden Gedanken der Tatort-Kommissare informiert zu sein und ist immer einen Schritt voraus.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Das Schicksal afrikanischer Flüchtlinge, der fast brachliegende Mega-Hafen, Menschenschmuggel – wahrlich keine leichten Themen, die "Kaltstart" anfasst. Dennoch gelingt es diesem Tatort, einfach "nur" Krimi zu sein und kein moraltriefendes Rührstück. Fast noch mehr als die Flüchtlinge steht dabei der Jade-Weser-Port im Mittelpunkt und all die enttäuschten Hoffnungen. Falke, mitgenommen vom Tod seiner Liebschaft, spart diesmal an Sprüchen und seiner sonstigen Coolheit. Doch seine direkte Art macht den Kommissar nach wie vor zu einem absoluten Sympathie-Träger und sorgt so für beste Unterhaltung.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Abgesehen vom durchgeknallten Spediteur ist dieser Tatort wohl leider allzu oft bittere Realität. Das Zusammenspiel von verzweifelten Flüchtlingen, skrupellosen Schleusern und den kleinen Mittelsmännern – in diesem Fall in ihrer Existenz bedrohte Hafen-Mitarbeiter – ist ein wenig zu plakativ heruntergebrochen. Mehr Details und mehr Figuren hätten einen 90-Minuten-Krimi jedoch schnell unübersichtlich gemacht. Wenn sich am Ende alle Puzzle-Stücke zusammenfügen, bleibt jedoch die eine oder andere Lücke in der Logik, stellenweise wird auch deutlich zu dick aufgetragen. Macht aber nichts, denn unterm Strich kann sich "Kaltstart" mit herausragenden Tatorten wie "Franziska" durchaus messen.

Bester Auftritt

Die zentrale Figur in "Kaltstart" ist Thorsten Falke, alles scheint um ihn herum konstruiert. Seiner privaten Betroffenheit und seinen Gefühlen wird viel Raum gegeben, die Wotan Wilke Möhring auch komplett ausfüllen kann. Ein starker dritter Tatort-Auftritt, doch in den nächsten Einsätzen darf es gerne wieder mehr vom lockeren Falke aus dem ersten Fall geben. Viel Platz für andere Charaktere bleibt hier nicht. Falkes Kollegin Katharina Lorenz gibt sich deutlich tougher als in den ersten beiden Fällen, hadert jedoch innerlich noch mit der neuen Rolle. Nebenfiguren und Bösewichte hingegen wirken wie aus dem Tatort-Baukasten. 

Was muss man sich merken?

Was der persönliche Verlust mit Falke macht, wird sich in den nächsten Fällen zeigen. Da die beiden Kommissare als Bundespolizisten ab jetzt an wechselnden Orten und mit wechselnden Teams ermitteln werden, gibt es kaum mehr Kontinuität. Einzelne Szenen in "Kaltstart" greifen Falkes Milch-Vorliebe oder seine Katze auf, doch beispielsweise von seinem Sohn oder der Heimat in Hamburg war seit dem Debüt nicht mehr die Rede.

Was geht bei Twitter?

Dass fleißig Drohnen und andere technische Gerätschaften eingesetzt werden, macht diesen Tatort zu einer Art "CSI Wilhelmshaven" – das wird bei Twitter sicherlich nicht unkommentiert bleiben. Außerdem hat dieser Tatort den ersten Abschiedsbrief auf einem Tablet zu bieten. Auch der Name Seal wird sicherlich des Öfteren fallen…wir freuen uns schon jetzt!

Soll man gucken?

Unbedingt! Wotan Wilke Möhring gehört zur Zeit zu den besten Tatort-Kommissaren und ist nicht nur für Fans ein absolutes Muss! Darüber hinaus traut sich Regisseur Marvin Kren, in "Kaltstart" einige neue Wege zu gehen und sich ein paar Dinge von erfolgreichen US-Serien abzuschauen. Kren inszeniert gerade auch den insgesamt fünften Falke-Krimi und behält seinen Kurs hoffentlich bei!

Kommentare

 > 
Tatort-Blog.de