Kreuzverhör "Am Ende des Flurs": Leitmayr auf Abwegen

Aus dem 12. Stock ist Lisa Brenner (Fanny Risberg) in den Tod gestürzt.

© BR/Denise Vernillo

Aus dem 12. Stock ist Lisa Brenner (Fanny Risberg) in den Tod gestürzt.

Mitten in der morgendlichen Jogging-Runde werden Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) zum Tatort gerufen.

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Mitten in der morgendlichen Jogging-Runde werden Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) zum Tatort gerufen.

Gemeinsam mit dem neuen Assistenten Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) und Radtke (Gerhard Liebmann) untersuchen sie die Wohnung der Toten.

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Gemeinsam mit dem neuen Assistenten Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) und Radtke (Gerhard Liebmann) untersuchen sie die Wohnung der Toten.

Plötzlich kommt heraus: Leitmayr hatte lange ein Verhältnis mit Lisa Brenner.

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Plötzlich kommt heraus: Leitmayr hatte lange ein Verhältnis mit Lisa Brenner.

Staatsanwalt Lammert (Alexander Jagsch) tobt und suspendiert Leitmayr.

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Staatsanwalt Lammert (Alexander Jagsch) tobt und suspendiert Leitmayr.

Klar, dass der trotzdem alleine weiter ermittelt und den Mörder seiner Ex-Freundin sucht.

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Klar, dass der trotzdem alleine weiter ermittelt und den Mörder seiner Ex-Freundin sucht.

Im Haus eines Freundes von Lisa Brenner finden die Münchener Tatort-Kommissare eine weitere Leiche.

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Im Haus eines Freundes von Lisa Brenner finden die Münchener Tatort-Kommissare eine weitere Leiche.

Lisa Brenner hatte auch ein Verhältnis mit dem Bierkönig Toni Feistl (Franz Xaver Kroetz).

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Lisa Brenner hatte auch ein Verhältnis mit dem Bierkönig Toni Feistl (Franz Xaver Kroetz).

Feistl steht nach dem Tod seiner Affäre vor dem Abgrund.

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Feistl steht nach dem Tod seiner Affäre vor dem Abgrund.
30.04.2014 · von

Neuer Assistent, neue Nebenrollen, neuer Gerichtsmediziner: "Am Ende des Flurs" ist ein kleiner Umbruch in der Geschichte des Tatortes aus München. Nur die altgedienten Kommissare Batic und Leitmayr bleiben sich treu...wirklich?

Worum geht’s?

Lisa Brenner (Fanny Risberg) ist von ihrem Balkon in den Tod gestürzt. Die Kommissare vom Tatort München nehmen die Ermittlungen auf und stoßen schnell auf Ungereimtheiten: Die Tote hatte keinen festen Job, lebte aber ganz ordentlich. Außerdem gab es reichlich Männer-Besuch…der Verdacht drängt sich auf, dass Lisa Brenner als Callgirl arbeitete. Die erste Spur führt zu Harry Riedeck (Wolfgang Czeczor), einem obskuren älteren Herrn, der für Lisa einkaufte und ihr bei ihrem Papierkram half.

Beim Gespräch mit Riedeck wird dann das Verhältnis von Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) auf Tiefste erschüttert. Riedeck erkennt Leitmayr wieder – der hatte bis von eineinhalb Jahren ein Verhältnis mit Lisa Brenner. Jedoch wusste weder sein Kumpel Batic von dieser Liaison, noch hat Leitmayr seine Befangenheit in diesem Mordfall ordnungsgemäß gemeldet. Leitmayr wird vom Fall abgezogen, aber Tatort wäre nicht Tatort, wenn er nicht auf eigene Faust weiter ermitteln würde.

Batic wühlt derweil gemeinsam mit dem neuen Assistenten Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) im Leben des Todesopfers. Neben diversen Fremdgängern gehörte auch der abgehalfterte und cholerische Hockey-Star Mike Hansen (optisch eine Mischung aus Freddy Mercury und Heiner Brandt: Jürgen Maurer) zu Lisa Brenners Kunden. Und auch eine ganz besonders schillernde Figur hatte ein Verhältnis mit der Toten: Brauerei-König und Wiesn-Wirt Toni Feistl (Franz Xaver Kroetz), der nun versucht, die Affäre zu vertuschen. Batic hat alle Hände voll zu tun, die wirren Zusammenhänge zu entwirren und gleichzeitig seinen alten Kumpel Leitmayr davon abzuhalten, sein Leben zu ruinieren.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Einsamkeit ist der rote Faden, der sich durch "Am Ende des Flurs" zieht. Fast alle Protagonisten sind einsam und versuchen, damit auf verschiedene Art und Weise umzugehen. Diese melancholische Grundstimmung wird durch die hässlichen Flure der Mietskaserne und unfassbar hässliche Wohnungen untermalt, dagegen stehen sonnige Straßen und Plätze als Kontrast – das ist nicht unbedingt leichte Kost, wird aber auch nicht zu dick aufgetragen und an die große, gesellschaftspolitische Glocke gehängt. Endlich mal wieder ein München-Tatort, der überzeugen kann.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Naja. Um das Todesopfer herum finden die Münchener Tatort-Kommissare eine Ansammlung von extremen Existenzen vor, die ziemlich unrealistisch wirkt. Nahezu alle Figuren haben einen Knacks weg, jede auf ihre Art – Batic und Leitmayr nicht ausgenommen. Das Beziehungsgeflecht ist zudem nicht nur für die Kommissare recht unübersichtlich. Und die Auflösung am Ende – leider eine häufig zu beobachtende Tatort-Krankheit – hat nicht mehr allzuviel mit der restlichen Handlung zu tun. Das ist vor allem deshalb ein wenig enttäuschend, weil die ersten 80 Minuten hervorragend zum Miträtseln einladen.

Bester Auftritt

Der Auftritt von Franz Xaver Kroetz wurde groß angekündigt, und der Altmeister hält, was er verspricht. Die sonst gerne mal kreuzlangweiligen Verhörszenen werden bei Kroetz als großspuriger Lokal-Größe Toni Feistl äußerst unterhaltsam. So stellt man sich als Nicht-Münchener einen Wiesn-Wirt in seinen schlimmsten Träumen vor!

Was muss man sich merken?

Der Münchener Tatort wagt mit "Am Ende des Flurs" einen kleinen Umbruch: Mit dem jungen Münchener Kalli Hammermann (noch etwas ungelenk, aber sympathisch: Ferdinand Hofer) bekommen Batic und Leitmayr endlich einen neuen Assistenten und damit einen Nachfolger für den vor Jahren ausgewanderten Carlo Menzinger (Michael Fitz). Daneben tritt Lisa Wagner als "Leiterin der operativen Fallanalyse" Christine Lerch den Dienst an. Außerdem gibt es mit Dr. Steinbrecher (Robert Joseph Bartl) einen neuen Rechtsmediziner, der sicherlich noch für unterhaltsame Szenen gut ist. Und, soviel sei verraten, auch das Ende dieses München-Tatortes sollte man sich vermutlich für den nächsten Fall merken!

Was geht bei Twitter?

Ein neuer Assistent! Darauf werden sich die Tatort-Twitterer stürzen, das zeigte sich schon in Köln und beim legendären Gisbert. Neben der vollkommen geschmacksfreien Einrichtung vieler Wohnungen in diesem Tatort wird vermutlich auch der Verdächtige Mike Hansen (aus Hamburg!) sein Fett wegbekommen. Denn wer auch immer sich diesen Namen ausgedacht hat, sollte sich mal dieses Video von Olli Dittrich anschauen!

Soll man gucken?

Gerne! "Am Ende des Flurs" ist sicherlich kein herausragender Tatort, aber nach den letzten beiden Reinfällen endlich mal wieder eine solide Leistung aus München! Dabei sind auch die alten Hasen Batic und Leitmayr sehenswert, denn das sonst teilweise zu routinierte Kumpel-Duo wird auseinandergerissen. Trotz dem einen oder anderen wirren Einfall der Drehbuch-Schreiber ein klassischer Whodunnit-Krimi, mit dem man das Wochenende gut abschließen kann.

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