"Hundstage": Gesoffen, gevögelt, gerülpst und geschwitzt

Ein Toter, dessen Sohn seit Jahren verschwunden ist: Faber (Jörg Hartmann) und sein zerstrittenes Team müssen in "Hundstage" zwei Fälle lösen.

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Ein Toter, dessen Sohn seit Jahren verschwunden ist: Faber (Jörg Hartmann) und sein zerstrittenes Team müssen in "Hundstage" zwei Fälle lösen.

Am Hafen fielen Schüsse, Faber konnte nur eine Person retten. Doch Martina Bönisch (Anna Schudt)...

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Am Hafen fielen Schüsse, Faber konnte nur eine Person retten. Doch Martina Bönisch (Anna Schudt)...

...erkennt sofort den Toten: Es ist Max Dehlens (Ralf Drexler), dessen verschwundenen Sohn sie vor Jahren suchte.

© WDR/Wolfgang Ennenbach

...erkennt sofort den Toten: Es ist Max Dehlens (Ralf Drexler), dessen verschwundenen Sohn sie vor Jahren suchte.

Die Gerettete ist Judith Stiehler (Anne Ratte-Polle), die von Dehlens unter Druck gesetzt wurde: Ihr Sohn Jonas soll der verschwundene Junge sein.

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Die Gerettete ist Judith Stiehler (Anne Ratte-Polle), die von Dehlens unter Druck gesetzt wurde: Ihr Sohn Jonas soll der verschwundene Junge sein.

Eva Dehlens (Maren Eggert) leidet bis heute unter dem Verlust und steigert sich häufig in ihre Ideen hinein.

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Eva Dehlens (Maren Eggert) leidet bis heute unter dem Verlust und steigert sich häufig in ihre Ideen hinein.

Im Dortmunder Tatort-Team brodelt es: Nachdem Kossik (Stefan Konarske) Faber angezeigt hat, gehen beide offen aufeinander los.

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Im Dortmunder Tatort-Team brodelt es: Nachdem Kossik (Stefan Konarske) Faber angezeigt hat, gehen beide offen aufeinander los.

Weil Bönisch befangen und Faber kaltgestellt ist, müssen Kossik und Nora Dalay (Aylin Tezel) ran.

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Weil Bönisch befangen und Faber kaltgestellt ist, müssen Kossik und Nora Dalay (Aylin Tezel) ran.

Faber und Bönisch versuchen ihre Probleme mit Dosenbier zu ertränken.

© WDR/Wolfgang Ennenbach

Faber und Bönisch versuchen ihre Probleme mit Dosenbier zu ertränken.
01.02.2016 · von

Nach tagelanger Hitzewelle in Dortmund ergießt sich plötzlich ein Gewitter über Kommissare und Verdächtige. Just in dem Moment, als final geklärt ist, wer wen beim Morden an wem beobachtet hat, wer wessen Mutter ist, wer wen bezahlt hat. Klar, dass das kein Zufall ist, sondern die etwas platt-symbolische Reinigung der darbenden Eltern-Seelen.

Der Verlust eines Kindes ist das zentrale Motiv im Dortmund-Tatort "Hundstage". Dass alle vier Kommissare hier vorbelastet sind, ist schon immer Thema gewesen. Auch die Protagonisten des Falles haben ähnlich traumatische Erfahrungen: Judith Stiehler (Anne Ratte-Polle) verlor einst ihren Sohn Jonas, worauf sie sich das kurzzeitig unbeaufsichtigte Kind von Eva Dehlens (Maren Eggert) schnappte und als Jonas aufzog. Wenig überraschend, dass Dehlens seither einen Knacks mit sich herumträgt und mehrfach glaubte, ihren Sohn wiederzuerkennen. Dass sie bei "Jonas" (Patrick Mölleken) damit richtig lag und gleich zwei Familien zerstörte, erhöht die Tragik noch einmal.

Es wird gesoffen, gevögelt, gerülpst und geschwitzt

Diese solide Grundstruktur ist wie immer in Dortmund durchwoben mit zahlreichen Ausflügen ins Privatleben der Kommissare. In "Hundstage" wird exzessiv gesoffen, geschwitzt und geschrien, es wird im Auto gerülpst und zumindest versuchsweise gevögelt. Faber (Jörg Hartrmann) hat noch sein "Diszi" am Laufen, Bönisch (Anna Schudt) ist in Sachen Jonas vorbelastet - alles simple, aber hier nicht überstrapazierte Standard-Kniffe. Nur dass Daniel Kossik (Stefan Konarske) ein Alkohol-Problem auf die Leber geschrieben wird, ist des Schlechten zu viel.

Sonst gibt es nicht viel zu meckern: Drehbuchautor Christian Jeltsch gelingt es ganz gut, den Ton von Faber-Erfinder Jürgen Werner zu treffen, auch wenn die Punchlines nicht ganz so zahlreich zu hören waren wie in den besten Dortmunder Episoden. Und Maren Eggert ist einfach Frieda Jung aus Kiel und keine Dortmunder Psycho-Mutti. Dennoch zeigt auch "Hundstage", wie gut ein Tatort sein kann, wenn man den Mut zu ungewöhnlichen Figuren mit Ecken und Kanten hat und - nicht zu vergessen - Autoren und Darsteller diese auch ausfüllen können. Mehr davon! Der Lohn: Ordentliche 9,34 Millionen Zuschauer und ein Anteil von 24% (14-49: 3,24 Mio.; 20,9%).

So war der Tatort "Hundstage" aus Dortmund bei Twitter

Das eh schon gammelige Outfit des Dortmunder Kommissars wurde zu Beginn von einem schwitzigen Trainingsanzug noch einmal veredelt...

Leute, die auf Political Correctness pochen, dürften zusammengezuckt sein, als Faber einen Mann mit Migrations-Hintergrund radebrechend befragte. Aber:

Vier Kommissare mit privaten Problemen plus zwei Familien, das sind viele Schauplätze gleich viele Schnitte. Sehr viele Schnitte.

Kommentare

 > 
Tatort-Blog.de