"Freddy tanzt" im Kreuzverhör: Ein ehrenwertes Haus

Wer kocht Kaffee? Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Dr. Roth (Joe Bausch) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) brauchen dringend einen neuen Assistenten.

© WDR/Colonia Media GmbH/Martin Valentin Menke

Wer kocht Kaffee? Max Ballauf (Klaus J. Behrendt), Dr. Roth (Joe Bausch) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) brauchen dringend einen neuen Assistenten.

Doch erstmal wartet ein neuer Fall: Der obdachlose Musiker Daniel Gerber (Matthias Reichwald) starb an den Folgen einer Schlägerei.

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Doch erstmal wartet ein neuer Fall: Der obdachlose Musiker Daniel Gerber (Matthias Reichwald) starb an den Folgen einer Schlägerei.

Börsenmakler Tobias Krenz (Volkram Zschiesche) und seine Kumpel sind zuvor mit Gerber aneinandergeraten. Doch vor seinem Tod...

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Börsenmakler Tobias Krenz (Volkram Zschiesche) und seine Kumpel sind zuvor mit Gerber aneinandergeraten. Doch vor seinem Tod...

...war Gerber noch in einem Mietshaus. Dessen Bewohner haben allesamt etwas zu verbergen: Die scheue Frau Petersen (Anna Stieblich)...

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...war Gerber noch in einem Mietshaus. Dessen Bewohner haben allesamt etwas zu verbergen: Die scheue Frau Petersen (Anna Stieblich)...

...Eishockeytrainer Günther Baumgart (Robert Gallinowski)...

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...Eishockeytrainer Günther Baumgart (Robert Gallinowski)...

...und die Kunstprofessorin Claudia Denk (Ursina Lardi), die Freddy Schenk gehörig den Kopf verdreht.

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...und die Kunstprofessorin Claudia Denk (Ursina Lardi), die Freddy Schenk gehörig den Kopf verdreht.

Max Ballauf hingegen plagt ein schlechtes Gewissen: Die Mutter des Toten hatte ihn kurz zuvor vergeblich um Hilfe gebeten.

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Max Ballauf hingegen plagt ein schlechtes Gewissen: Die Mutter des Toten hatte ihn kurz zuvor vergeblich um Hilfe gebeten.

Freddy schlägt sich die Nächte im Umfeld der hübschen Zeugin um die Ohren - und tanzt.

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Freddy schlägt sich die Nächte im Umfeld der hübschen Zeugin um die Ohren - und tanzt.
29.01.2015 · von

Sie seien nicht wie ein altes Ehepaar, verkündeten Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt kürzlich in einem Interview. Im neuen Kölner Tatort "Freddy tanzt" wirken die beiden Kommissare jedoch bisweilen genau so. Ballauf ist von Schenks Balz-Tanz mit einer Zeugin angefressen, Freddy hintergeht gleichermaßen Frau und Kollege. Auch wenn am Ende der Büro-Segen wieder gerade hängt: Auf das Kölsch mit Dom-Panorama muss verzichtet werden.

Worum geht’s?

Es klingt ein bisschen wie eine Hommage an Udo Jürgens, dieses ehrenwerte Haus in Köln: Eine verrammelte Miets-Kaserne mit horrenden Preisen ("zwo-vier kalt") und reichlich merkwürdige Bewohner. Da ist der knurrige Eishockey-Trainer Baumgart (Robert Gallinowski), dessen Familie noch in München weilt. Da ist die alleinerziehende Kunstprofessorin Lisa Denk (Ursina Lardi), die nachts regelmäßig verschwindet. Da ist die scheue Übersetzerin Katja Petersen (Anna Stieblich), die sich vor ihrem Ex-Mann versteckt. Und da ist das betagte Esoteriker-Paar Koschwitz (Gudrun Ritter, Theo Pfeifer), die nicht ganz in dieser Welt zu sein scheinen.

Dieses Haus ist der letzte Ort, an dem der obdachlose Pianist Daniel Gerber (Matthias Reichwald) lebend gesehen wurde. Stark blutend hatte Gerber geklingelt und wurde ins Treppenhaus eingelassen – aber von wem? Keiner der Bewohner will etwas von dem Schwerverletzten mitbekommen haben. Einige Tage später wird seine Leiche am anderen Ende der Stadt gefunden. Gerbers Mutter (Lina Wendel) wusste nichts davon, dass Daniel auf der Straße lebt und nicht mehr bei seiner Ex-Freundin Julia (Laura Sundermann).

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) versuchen, die letzten Tage im Leben von Daniel Gerber zu rekonstruieren. Bei seinem Versuch, einen Job in einer Bar zu ergattern, war Gerber mit drei Börsen-Fuzzis aneinander geraten. Die drei halten sich für die Größten und nutzten jede Gelegenheit, den obdachlosen Gerber zu erniedrigen. Aber haben Sie ihn auch zusammengeschlagen?

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Vom Setting her erinnert "Freddy tanzt" an einen typischen Whodunnit-Krimi, auch wenn klar ist, dass keiner der Hausbewohner für Gerbers Tod direkt verantwortlich ist. Eine Reihe kauziger Exzentriker auf engstem Raum, die Kommissare müssen die Puzzleteile nacheinander finden und zusammensetzen. Der Vorwurf, dem Opfer in seiner Not nicht geholfen zu haben, schwebt zwar über fast allen Figuren - einen der Kommissare mit eingeschlossen -, kommt aber ohne die übertriebene "Mensch, Freddy…"-Moralkeule aus. Es gab schon deutlich schlechtere Tatorte aus Köln.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Joa…vom knallharten Realismus der vergangenen Fälle aus Kiel oder Dortmund ist man weit entfernt, doch die Geschichte an sich ist einigermaßen logisch konstruiert. Die Figuren sind jedoch alle leicht überzeichnet, das wird nicht jedem gefallen. An das hölzerne Aufsagen teilweise weltfremder Dialoge haben wir uns in Köln ja schon fast gewöhnt. Was dem miträtselnden Zuschauer allerdings sauer aufstoßen könnte, sind wieder mal die plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Hinweise kurz vor Schluss.

Bester Auftritt

In dem leicht überdrehten Figurenkabinett dieses Kölner Tatortes ragt niemand so richtig heraus, wirkliche Ausfälle gibt es jedoch auch nicht zu beklagen. Freddy Schenk und Max Ballauf agieren einigermaßen entspannt in der Gewissheit, mal nicht die Welt retten, sondern nur den Fall lösen zu müssen. Freddys ungelenkes Geflirte ("Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe…fast nichts!") und sein Beinahe-Seitensprung sind ganz unterhaltsam, sein plötzlich erwachtes Kunst-Interesse (Musik! Malerei! Literatur!) wirkt jedoch arg aufgesetzt.

Was muss man sich merken?

 

Den Epilog zu "Freddy tanzt" erzählt der Tatort quasi selbst. Viel wichtiger ist jedoch: Beim nächsten Fall aus Köln gibt es einen neuen, festen Assistenten. Tobias Reisser (Patrick Abozen) war bereits in "Der Fall Reinhardt" zu sehen, bald soll er fest zum Kölner Ensemble gehören. Damit Freddy und Max in der Zwischenzeit nicht permanent alte Kaffee-Filter reaktivieren müssen, hielt zwar immerhin ein Vollautomat Einzug ins Büro – aber mit einem neuen Assistenten gibt es endlich wieder jemanden, der sich die Nächte über Akten-Bergen um die Ohren schlägt.

Soll man gucken?

Nach den überragenden (Dortmund, Kiel) und unterirdischen (Ludwigshafen) Filmen pendelt sich der Tatort mit "Freddy tanzt" auf Normal-Niveau ein. Kein Glanzstück, aber genau das Richtige für einen entspannten Sonntagabend. Man kann nicht alles ernst nehmen, wird aber gut unterhalten. Und die überzogenen Figuren dürften für jede Menge Spaß bei Twitter sorgen.

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