"Feuert den Cutter!" - München-Tatort erntet Häme bei Twitter

Nasser Einsatz: Leitmayr (Udo Wachtveitl) muss Ante (Misel Maticevic) im Tatort "Aus der Tiefe der Zeit" aus dem Pool ziehen.

© BR/Frederic Batier

Nasser Einsatz: Leitmayr (Udo Wachtveitl) muss Ante (Misel Maticevic) im Tatort "Aus der Tiefe der Zeit" aus dem Pool ziehen.
28.10.2013 · von

Regisseur Dominik Graf inszenierte einst den Münchener Tatort "Frau Bu lacht", der unbestritten zu den besten Tatorten aller Zeiten zählt. 18 Jahre später gestaltete Graf nun "Aus der Tiefe der Zeit" und ging offenbar mit großem Ehrgeiz an die Sache heran. Bildgestaltung, Kameraführung, Schnitt und auch die Geschichte heben sich deutlich von anderen Tatorten ab. Doch unterm Strich war es viel zu viel des Guten.

Die Feuilletonisten überschlugen sich im Vorfeld dieses Kunst-Tatortes vor lauter Lob, und wie bei den Münchener Kommissaren üblich, war auch die Quote mit 9,26 Millionen Zuschauern und einem Anteil von 26,1 % sehr gut (14-49: 2,95 Mio.; 20,7 %) . Doch die allermeisten Zuschauer konnten mit dem überfrachteten und hektischen Film wenig anfangen. Bei Twitter regnete es bissige Kommentare (siehe Twitter-Highlights unten), etwa 1,2 Millionen Zuschauer schalteten laut meedia.de vor dem Ende aus.

Handlung hätte für drei Tatorte gereicht

Dass im Garten der Holzer'schen Villa Ingenieure umhertapsen um den abrutschenden Hang zu sichern, mag eine Metapher auf den Niedergang der Familie sein. Dass die Morde am Ende nichts zu tun hatten mit den bestochenen Bauräten oder mit Gentrifizierung und Mietwucher im Münchener Westend, ist im Tatort auch nicht mehr allzu überraschend. Doch alles zusammen genommen war einfach zu viel für 90 Minuten Krimi. Aus dem Stoff, der in "Aus der Tiefe der Zeit" abgehandelt wurde, hätte man locker zwei - wenn nicht noch mehr - spannende Krimis machen können.

Auch die zweifelsohne schillernden Figuren hätten mehr Raum verdient gehabt. Erni Mangold als schießwütige Ex-Zirkusqueen oder der alte Axel Kovacz (Branko Samarovski) mit SS-Vergangenheit hatten interessante Geschichten zu erzählen. Leider wurden diese in den letzten zehn Minuten durchgehechelt, um die Lösung des Falles noch vor dem Ende der Sendezeit präsentieren zu können. Auch der Tod von Klischee-Coiffeur Hem Staufacher (kaum wiederzuerkennen: Ex-Kommissar Maximilian Brückner) wurde erst zum Ende hin in den Rest der Handlung eingebunden, wirkte jedoch irgendwie aufgesetzt.

Anstrengender Tatort - findet auch Leitmayr

Dass es beim Tatort immer wieder Krimis gibt, die sich in Erzählweise und Gestaltung von der Durchschnittsware unterscheiden, macht den Reiz der Reihe aus. Doch "Aus der Tiefe der Zeit" kommt streckenweise zu angestrengt "anders" rüber und wirkt an diesen Stellen dann auch nicht stimmig. Ein perfekter Kunst-Krimi nimmt den Zuschauer mit und lässt ihn in die ungewohnten Elemente eintauchen. Doch dieser Tatort strengt eher an.

In dieser erzählerischen Hektik wirken Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) wie die Felsen in der Brandung. Mit ihrer über die Jahre perfektionierten Gelassenheit behalten sie in der um sie herumwirbelnden Handlung die Ruhe, auch wenn die Darsteller selber nicht immer den Durchblick hatten, wie heute an mehreren Stellen zu lesen ist. Leitmayr bringt es zwischen Tiefkühl-Pizza und Automaten-Kaffee auf den Punkt: "Warum haben wir nicht mal wieder so einen richtig simplen Fall? Wo ein Mann seine Frau erschlägt, weil er sie mit seinem besten Freund im Bett erwischt? Und bevor es zur Verhandlung kommt, erhängt er sich in der Zelle und wir haben keinen Schreibkram!"

Auch bei Twitter kam der Tatort alles andere als gut an:

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