Der schlechteste Tatort aller Zeiten? Axel Ranisch über "Babbeldasch"

Der Tatort als Experiment: Ulrike Folkerts und Annelena Schmidt waren in Axel Ranischs improvisierten Fall "Babbeldasch" die Versuchskaninchen.

©SWR/Martin Furch

Der Tatort als Experiment: Ulrike Folkerts und Annelena Schmidt waren in Axel Ranischs improvisierten Fall "Babbeldasch" die Versuchskaninchen.
30.05.2017 · von

"Ich habe noch nie einen Film gedreht, der die Gemüter so polarisiert hat", sagt der Berliner Filmemacher Axel Ranisch (33, "Dicke Mädchen") im Interview mit spot on news über seinen Tatort "Babbeldasch". Und in der Tat, nach der Ausstrahlung des Sonntagskrimis am 26. Februar dieses Jahres hagelte es Kritik. Viele störten sich an den improvisierten Dialogen und den vielen Laiendarstellern. Für den Film habe er aber auch "viel Lob" erhalten, so Ranisch weiter. "Da war tatsächlich alles dabei, von Euphorie bis zur beleidigenden Schmähkritik."

Und wie fühlt sich das an?

Wie ging es einem sanften Künstler wie Axel Ranisch nach so einer Gefühls-Wechseldusche? "Das lässt mich natürlich nicht kalt. Aber erstens halte ich es ganz mit Fassbinder, um unabhängig zu bleiben. Der sagte nämlich: 'Wenn der neue Film veröffentlicht wird, muss der nächste schon fertig sein.' Und zweitens weiß ich ja, was wir mit unserem Laien-Ensemble großartiges geleistet haben. Ich bin sehr stolz auf die 'Babbeldasch', auch wenn viele Tatort-Fans dieses Experiment nicht mochten. Aber es muss doch auch nicht jeder mögen", findet der experimentelle Künstler.

Der Geschmack des Publikums...


"Deutsche Fernsehunterhaltung muss mutig sein dürfen, auch auf die Gefahr hin, den Geschmack des Publikums zu verfehlen, sonst schlafen wir alle ein, im Geiste und vor dem Fernseher", mahnt Ranisch zudem. Egal ist ihm das Publikum deshalb aber noch lange nicht, natürlich drehe auch er seine Filme fürs Publikum, erklärt er weiter. "Das heißt aber nicht, dass ich weiß, was das Publikum sehen will, und dass ich ihm in vorauseilendem Gehorsam deshalb nur Gewohntes präsentiere. Das wäre eine sehr anmaßende und bevormundende Haltung", die im Deutschen Fernsehen eh viel zu verbreitet sei.

Fortsetzung folgt

Er selbst könne nur Filme mit Herzblut drehen, von denen er begeistert und überzeugt sei. Nur dann sei er authentisch. Und ganz im Sinne des oben zitierten, hochproduktiven und früh verstorbenen Filmemachers Rainer Werner Fassbinder (1945-1982, "Die Ehe der Maria Braun", "Die Sehnsucht der Veronika Voss" etc.) hatte Axel Ranisch sogar schon zwei Filme abgedreht, als der umstrittene Krimi ausgestrahlt wurde:

"Als Babbeldasch ausgestrahlt wurde, hatte ich die ARD-Komödie 'Familie Lotzmann auf den Barrikaden' längst fertig und auch unser neuer Tatort: 'Waldlust' war schon abgedreht. Beide Filme sind also unabhängig von der Babbeldasch-Kritik entstanden und warten nun auf ihre Ausstrahlung. Ich bin höchst gespannt, was das Publikum zu den neuen Werken sagt und bastle inzwischen fleißig an den übernächsten Filmen", so der vielfach ausgezeichnete Berliner.

Der neue "schlechteste Tatort aller Zeiten"

Zu "Babbeldasch" habe der Saarbrücker Tatort-Ermittler Devid Striesow ihm "von ganzem Herzen gratuliert", erinnert sich Axel Ranisch mit einer gehörigen Portion Selbstironie: "Er freut sich sehr, dass der Titel 'Schlechtester Tatort aller Zeiten', den er sich einst für seinen Tatort 'Eine Handvoll Paradies' (2013) eingefangen hat, jetzt bei mir gelandet ist."

Und was erwartet die Zuschauer beim nächsten Impro-"Tatort: Waldlust"?

Diesmal wird's gruselig: Der "Tatort - Waldlust" führt das Ludwigshafener "Tatort"-Team um Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, 56) in ein abgelegenes Hotel, in dem womöglich ein Mord vertuscht werden soll. Wie beim ersten Krimi von Regisseur Ranisch wird chronologisch gedreht und die Dialoge werden von den Darstellern improvisiert, ohne dass diese den kompletten Handlungsablauf kennen...

Quelle: spot on news

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