"Der Maulwurf" im Kreuzverhör: Die Krimi-Krabbelgruppe aus Erfurt

Johanna Grewel (Alina Levshin), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Henry Funck (Friedrich Mücke) in ihrem zweiten Tatort "Der Maulwurf".

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Johanna Grewel (Alina Levshin), Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Henry Funck (Friedrich Mücke) in ihrem zweiten Tatort "Der Maulwurf".

Schwerverbrecher Timo Lemke (Werner Daehn) ist ausgebrochen und auf der Flucht.

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Schwerverbrecher Timo Lemke (Werner Daehn) ist ausgebrochen und auf der Flucht.

Vor einigen Jahren wurde Lemke von Römhild (Christian Redl) und Kriminaldirektorin Fritzenberger hinter Gittern gebracht. Will er sich jetzt rächen?

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Vor einigen Jahren wurde Lemke von Römhild (Christian Redl) und Kriminaldirektorin Fritzenberger hinter Gittern gebracht. Will er sich jetzt rächen?

Lemkes ehemalige Geliebte Nadine Schurike (Franziska Petri) gibt sich geheimnisvoll, doch bei ihr ist Lemke nicht.

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Lemkes ehemalige Geliebte Nadine Schurike (Franziska Petri) gibt sich geheimnisvoll, doch bei ihr ist Lemke nicht.

Auch bei seinem Komplizen Jochen Berner (Ole Puppe) werden Funck, Schaffert und Grewel nicht fündig.

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Auch bei seinem Komplizen Jochen Berner (Ole Puppe) werden Funck, Schaffert und Grewel nicht fündig.

Eines Nachts wird Fritzenberger (Kirsten Block) entführt, ein Spiel gegen die Zeit beginnt.

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Eines Nachts wird Fritzenberger (Kirsten Block) entführt, ein Spiel gegen die Zeit beginnt.

Einzige Spur ist Ingo Konczak (Oliver Stokowski), der früher angeblich Polizei-Interna an Lemke weitergegeben haben soll.

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Einzige Spur ist Ingo Konczak (Oliver Stokowski), der früher angeblich Polizei-Interna an Lemke weitergegeben haben soll.

Kann Koncaks Sohn den Kommissaren einen Hinweis geben?

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Kann Koncaks Sohn den Kommissaren einen Hinweis geben?

Die Erfurter Tatort-Kommissare setzen alles daran, ihre Chefin zu retten.

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Die Erfurter Tatort-Kommissare setzen alles daran, ihre Chefin zu retten.
18.12.2014 · von

Zum zweiten Mal ist Erfurt in "Der Maulwurf" Tatort-Schauplatz. Das Debüt des neuen Teams vor knapp einem Jahr wurde nur sehr verhalten angenommen, denn die Kommissare Funck, Schaffert sowie Praktikantin Grewel waren zu platt auf jung getrimmt - "Alter!"-Rufe und Energy-Drink-Orgien inklusive. Ob es beim zweiten Einsatz besser wird?

Worum geht’s?

Er war der König der Erfurter Rotlicht-Szene und gilt als äußerst brutal: Timo Lemke (Werner Daehn) sitzt seit sieben Jahren wegen Mordes ein, nachdem Kriminaldirektorin Fritzenberger (Kirsten Block) und Volker Römhild (Christian Redl) ihn überführt hatten. Zur Beerdigung seines Vaters darf Lemke aus dem Knast raus – und flüchtet natürlich prompt.

Die Erfurter Ermittler Funck (Friedrich Mücke), Schaffert (Benjamin Kramme) und – nicht mehr Praktikantin, sondern inzwischen auch Kommissarin – Johanna Grewel (Alina Levshin) starten die Suche nach Lemke, der inzwischen an der Polizeischule tätige Römhild kommt als Verstärkung hinzu. Lemkes frühere Geliebte (Franziska Petri) hat offensichtlich bei der Flucht geholfen, doch bei ihr ist Lemke nicht. Jochen Berner (Ole Puppe) hatte seine Finger ebenfalls im Spiel, aber auch bei ihm werden die Kommissare nicht fündig. Letzte Hoffnung ist Ingo Konczack (Oliver Stokowski). Der ehemalige Polizist wurde damals entlassen, weil er interne Informationen an Lemke weitergegeben haben und ihn vorgewarnt haben soll.

Eines Nachts verschwindet dann Frau Fritzenberger – hat Lemke sich an ihr gerächt? Kurz darauf taucht er bei Römhild auf, der den Flüchtling in Notwehr erschießt. Doch der Tote war der einzige, der den Kommissaren verraten konnte, wohin Fritzenberger verschleppt wurde. Funck, Schaffert und Grewel müssen sich beeilen, um ihre Chefin noch rechtzeitig zu finden. Doch bei der Suche nach Hinweisen stoßen sie auf immer mehr Ungereimtheiten in der Vergangenheit.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Die Kommissare sind ernsthafter als beim vielfach kritisierten Debüt-Tatort vor einem Jahr, von Themen mit einer gewissen Brisanz und Tiefe hält man sich Erfurt aber noch fern. Gut so, denn die Story von "Der Maulwurf" ist eigentlich ganz solide und hat vieles, was einen guten Krimi ausmacht. Auch die aufgesetzte Jugendlichkeit mit Energy-Drinks und „Alter!“-Sprüchen haben die Drehbuchschreiber den Jung-Kommissaren ausgetrieben. Leider sind die Dialoge dabei immer noch reichlich hölzern und wiederholen allzu häufig das Offensichtliche. Das ist - im krassen Gegensatz zum eigenen Anspruch - Senioren-Fernsehen.

Ist die Handlung glaubwürdig?

 

Och…naja…geht so. Wirklich absurd ist eigentlich nichts, aber auf einen echten Aha-Effekt wartet man vergebens. Vielmehr hat der Zuschauer das Gefühl, den Ermittlern manchmal einen Schritt voraus zu sein und die nächste Wendung schon vorauszuahnen. Darunter leidet die Spannung, auch den finalen Showdown hat man so schon packender gesehen.

Bester Auftritt

Wie gerne würden wir an dieser Stelle Alina Levshin lobhudeln, die bereits Filmpreise ohne Ende eingesackt hat. Im Tatort ist sie inzwischen vollwertiges Mitglied, muss sich aber noch immer ein wenig von Funck herumkommandieren lassen. Leider lässt ihr das Drehbuch kaum Raum zur Entfaltung. Levshin alias Johanna Grewel darf am Bildschirm sitzen und Hinweise aus dem Rechner zaubern, dabei verkommt sie streckenweise zur Stichwort-Geberin. Und wo sie nicht weiterkommt, muss halt der bärtige Nerd mit ein wenig Flirt-Einsatz bezirzt werden. Schade, von ihr würden wir gerne mehr sehen!

Wer allerdings einen guten Eindruck hinterlässt, ist Oliver Stokowski als geschasster Polizist. Dem geübten Tatort-Gucker ist zwar schnell klar, dass solch ein prominentes Gesicht noch eine wichtige Rolle spielen wird (im Gegensatz zum Hannover-Tatort), doch Stokowski schafft es, die mit etwas zu vielen Klischees beladene Figur glaubhaft rüberzubringen.

Was muss man sich merken?

Die Kommissare haben sich wie gesagt ein bisschen weiter entwickelt, wirken  im Umfeld ihrer "Mentoren" aber immer noch wie eine Kriminalisten-Krabbelgruppe. Doch in "Der Maulwurf" gibt es einige Veränderungen, die das Standing von Funck, Schaffert und Grewel stärken könnten – es würde dem Erfurter Tatort sicherlich gut tun. Außerdem wäre es eine Riesen-Überraschung, wenn Funck im nächsten Fall NICHTS mit seiner hübschen Nachbarin anfängt – der Plan der Autoren ist dabei nur allzu durchschaubar.

Soll man gucken?

Trotz des jungen Teams bewegt sich Erfurt im Tatort-Niemannsland. "Der Maulwurf" ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht überzeugend gut. Gegenüber dem Debüt haben sich die Figuren gesteigert, leider überschatten die hölzernen Dialoge das Meiste davon. Auch die Story ist – abgesehen von einigen Schwachstellen – einigermaßen durchdacht und spannend. Doch im Gedächtnis wird dieser Tatort nicht bleiben.

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