Der große Tatort-Jahresrückblick

Kommissar Borowski aus Kiel bekommt Unterstützung von der entzückenden Lisa Werlinder - nur eines der Tatort-Highlights 2013!

©NDR/Marion von der Mehden

Kommissar Borowski aus Kiel bekommt Unterstützung von der entzückenden Lisa Werlinder - nur eines der Tatort-Highlights 2013!
27.12.2013 · von

36 Fälle, fünf neue Teams, fast 13 Millionen als Rekord-Quote: 2013 war auch in Sachen Tatort ein ereignisreiches Jahr. Vom vieldiskutierten Nick Tschiller über einen verkorksten Kunst-Tatort bis hin zu großartigen Krimis - wir lassen 2013 Tatort für Tatort Revue passieren.

1. Januar Scheinwelten (Köln)
Zum Auftakt der Tatort-Jahres durften Schenk und Ballauf aus Köln ran. Der Fall um eine Familienfehde in die auch Staatsanwalt von Prinz verwickelt ist,  war solide Krimi-Kost. Nicht mehr und nicht weniger.

6. Januar Machtlos (Berlin)
Ein Psycho-Spiel aus Berlin, das bei den meisten gut ankam. Ritter und Stark suchen einen entführten Bankiers-Sohn, doch die Übergabe des Lösegeldes scheitert. Ein Spiel gegen die Zeit beginnt, denn der Junge droht zu sterben.

13. Januar Kaltblütig (Ludwigshafen)
Mit über zehn Millionen Zuschauern der bislang erfolgreichste Ludwigshafen-Tatort – aber warum? Lena Odenthal entwirrt das Beziehungs-Geflecht einer schwangeren Frau, die wegen eines manipulierten Autos starb. Das ist weder originell noch sonderlich spannend, einzig die Nebenrollen mit Anna Loos und Sandra Borgmann waren wirklich sehenswert.

27. Januar Melinda (Saarbrücken)
Das erste von vielen Debüts des Jahres – und das mit Abstand gruseligste. Was den Saarländischen Rundfunk geritten hat, die souveränen Ermittler Kappl und Deininger rauszuwerfen und stattdessen den Kaspar-Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) zu engagieren, fragen sich noch heute viele Fans.

3. Februar Die schöne Mona ist tot (Konstanz)
Die Dorfschönheit verschwindet, Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) werden bei der Suche nach Verdächtigen von Sylvester Groth und Roland Zehrfeld in den Nebenrollen gnadenlos an die Wand gespielt. Das einzig bemerkenswerte an diesem Tatort: Eine Leiche gibt es erst nach 86 Minuten.

10. Februar Schmutziger Donnerstag (Luzern)
Wer an diesem Sonntag dachte, schlimmer geht es nach den Reinfällen der Vorwochen nicht mehr, wurde eines Besseren belehrt. Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) stolpert durch eine wirre Geschichte, die irgendwas mit Karneval zu tun hat. Also immerhin passend zur Jahreszeit.

17. Februar Zwischen den Fronten (Wien)
"Mein Sohn ist kein Terrorist! Er war ja nicht mal Muslim!" Von dieser äußerst fragwürdigen Kausalkette abgesehen, lieferte das ORF einen soliden Wien-Tatort. Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ermittelt nach einem Bombenanschlag, bei dem hohe Stellen offenbar etwas verschleiern wollen.

24. Februar Puppenspieler (Bremen)
Mit dem zotteligen Leo Uljanoff (Antoine Monot Jr.) kriegen Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) einen neuen Kollegen. Zu dritt ermitteln die Bremer Kommissare in einer Geschichte um Erpressung und minderjährigen Prostituierten. Nicht unbedingt einfallsreich, aber gut gemacht.

10. März Willkommen in Hamburg (Hamburg)
Nck Tschllr nschlt sich drch Hmbrg! Aber alles halb so wild: Während Puristen den Untergang des Tatort-Landes befürchteten, bestätigte die exorbitante Quote die Zugkraft von Til Schweiger. Und letztendlich war "Willkommen in Hamburg" sogar ein guter und solider Tatort!

17. März Schwarzer Afghane (Leipzig)
"Wir machen einen Tatort über Afghanistan. Was brauchen wir?" – "Terroristen, Drogen, humanitäre Helfer und Anti-Amerikanismus!" – "Alles drin. Fällt jemandem ein Titel ein, der zum verbrannten Mordopfer passt…?"

24. März Summ, summ, summ (Münster)
Nachdem es für den vorherigen Münster-Tatort höchstens noch den Didi-Hallervorden-Ehrenpreis gegeben hätte, wurde Roland Kaiser als prominentes Zugpferd verpflichtet. Dank einem Facebook-Aufruf wurde auch prompt der Schweiger-Tatort in Sachen Quote übertrumpft, mit 12,81 Millionen war "Summ, summ, summ" dann auch der Rekord-Tatort 2013.

1. April Macht und Ohnmacht (München)
Carlo Menzingers Rückkehr zum Tatort München wird von einer Affäre um seinen alten Kumpel überschattet. Batic und Leitmayr ermitteln unaufgeregt in einem spannenden Fall – einer der besten des Jahres!

7. April Eine Handvoll Paradies (Saarbrücken)
Nach dem Debüt-Flop aus Saarbrücken kam es beim zweiten Stellbrink-Tatort noch schlimmer. Die peinliche Story um eine Rocker-Gruppe landete völlig zu Recht auf dem viertletzten Platz aller je gesendeten Tatort-Folgen – und ist damit noch gut bedient.

14. April Wer das Schweigen bricht (Frankfurt)
Abschied von Conny Mey: Nach nur fünf Auftritten steigt Nina Kunzendorf schon wieder aus dem Tatort aus. Zum Ausstand gibt es einen sehenswerten und gewohnt dichten Fall aus dem Jugendknast.

21. April Trautes Heim (Köln)
Bei einer Entführung stirbt ein Zeuge, Ballauf und Schenk haben aber mehr damit zu tun, das Doppelleben eines Geschäftsmannes zu entlarven. Am Ende wird zwar alles irgendwie zurechtgebogen, aber das hat man aus Köln schon deutlich besser gesehen!

28. April Feuerteufel (Hamburg & Umgebung)
Debüt für Schimanski 2.0: Mit Ramones-Shirt und Milchtüte hat Kommissar Thorsten Falke Hamburg unter Kontrolle. Dass sein Hipster-Kumpel durch eine Juristin ersetzt wird, findet Falke auch bald gar nicht mehr so schlecht. Starker Typ, starker Tatort!

12. Mai Borowski und der brennende Mann (Kiel)
Mitte Mai ermittelte Klaus Borowski im tiefsten Winter. Die Story rund um einen Sühne-Feldzug in der dänischen Minderheit Schleswig-Holsteins ist solide erzählt, besonders in Erinnerung aber bleibt die bezaubernde Lisa Werlinder an Borowskis Seite. Hach.

20. Mai Unvergessen (Wien)
Eine Kugel im Kopf von Moritz Eisner verursacht Gedächtnislücken, die der Ermittler in Kärnten schließen will. Wie üblich pendelt der Wien-Tatort in der Provinz zwischen der Karikatur der skurrilen Dörfler und höheren Zusammenhängen, so auch hier.

26. Mai Spiel auf Zeit (Stuttgart)
Das herausragendste Merkmal an diesem Stuttgart-Tatort war die umfassende Begleitung im Online-Spiel des SWR. Lannerts ewiger Gegenspieler Victor de Man hilft bei der Suche nach einem geflüchteten Häftling und muss dafür auch aus dem Knast. Guter und spannender Tatort, nur die Privat-Probleme von Sebastian Bootz begannen irgendwann zu nerven.

9. Juni Er wird töten (Bremen)
Inga Lürsen ist verliebt, und ausgerechnet in den zotteligen Leo Uljanoff, der im letzten Fall zum Bremer Team gestoßen war. Stedefreund ist angemessen irritiert, darf aber auch gleich darauf helfen, den blutigen Mord an Leo aufzuklären.

16. Juni Die Wahrheit stirbt zuerst (Leipzig)
Auch bekannt als "Die Logik stirbt zuerst". Ein Familiendrama mit totem Kind endet damit, dass kriegswichtige Raketen-Komponenten von Leipzig aus geschmuggelt werden. Wie das zusammenhängt hat vermutlich nicht mal Katja Riemann verstanden, die sich als BKA-Beamtin durch den Film zickt.

23. Juni Letzte Tage (Konstanz)
Vor der Sommerpause nochmal ein Tatort aus Konstanz zum sanften Ausklang: Ein Mordopfer auf der Bodensee-Fähre ruft zum x-ten Mal den Schweizer Kommissar Matteo Lüthi auf den Plan. Perlmann findet unterdessen in einer bizarren Selbsthilfe-Gruppe seine Traumfrau. Die meisten Zuschauer waren aber ebenso gelangweilt wie die Darsteller…

 

18. August Geburtstagskind (Luzern)
Zur Abwechslung mal wieder ein totes Kind: Die Luzerner Kommissare bekommen Einblick in eine seltsame Sekte, als sie den Mörder eines schwangeren Teenie-Mädchens suchen. Ein wenig besser als der vorige Fall, aber von einem überzeugenden Tatort ist Luzern noch immer weit entfernt.

8. September Gegen den Kopf (Berlin)
Für viele gilt dieser Berlin-Tatort als einer der besten des Jahres, wenn nicht sogar aller Zeiten. Die Story um einen in der U-Bahn zu Tode geprügelten Familien-Vater hat mehr als genug Realitätsbezug und wurde dementsprechend medial begleitet. Auch die Berliner Kommissare zeigen deutlich mehr als ihre übliche Routine.

15. September Angezählt (Wien)
Als eine ehemalige Prostituierte bei einer perfiden Rache-Aktion stirbt, drehen Eisner und Fellner das Wiener Rotlicht-Milieu auf Links. Auch bei der harten Thematik ein sehr unterhaltsamer Tatort mit jeder Menge Wiener Schmäh!

6. Oktober Freunde bis in den Tod (Ludwigshafen)
Frustrierter Außenseiter plant Schul-Massaker, und pflichtgemäß entsetzte Ermittler schauen sich kopfschüttelnd den Schul-Alltag an. Hat man doch schon unendlich oft gesehen? Eben, deswegen plätschert dieser Tatort auch 90 elend lange Minuten vor sich hin. Odenthal und Kopper tragen natürlich trotzdem  die in Ludwigshafen übliche Empörung vor sich her.

20. Oktober Die chinesische Prinzessin (Münster)
Nach den Klamauk-Tatorten der letzten Zeit diesmal etwas leisere Töne aus Münster. Das liegt zum großen Teil daran, dass Boerne als Hauptverdächtiger im Knast sitzt. Die dadurch verschobene Konstellation tut dem Münster-Tatort spürbar gut!

27. Oktober Aus der Tiefe der Zeit (München)
Dominik Graf dreht nach 20 Jahren mal wieder einen Tatort und will an den legendären "Frau Bu lacht" anknüpfen. Doch das geht vollkommen in die Hose: Mit wirren Schnitten, abenteuerlichen Kameraführungen und einer vollkommen überfrachteten Story vergrault dieser Tatort reihenweise Zuschauer. Die Macher halten diesen Tatort dennoch für Kunst. In diesem Fall kann das aber getrost weg.

3. November Kalter Engel (Erfurt)
Das lang erwartete Debüt des Küken-Teams aus Erfurt. An einigen Stellen holperte die Premiere zwar etwas, unterm Strich aber ein halbwegs solider und vor allem vielversprechender Anfang. Beim nächsten Mal dann aber gerne ein paar weniger Klischees.

17. November Eine andere Welt (Dortmund)
Psycho-Kommissar Faber wütet durch Dortmund und sucht den Mörder einer eitel gewordenen Plattenbau-Prinzessin. Weil aber alle Kommissars-Figuren im Dortmund-Tatort vielschichtiger werden, kann "Eine andere Welt" trotz ein paar Längen überzeugen.

24. November Mord auf Langeoog (Hamburg & Umgebung)
Gleich beim zweiten Einsatz wird Thorsten Falke seiner Umgebung entrissen und ermittelt ohne Legitimation auf Langeoog. Der Insel-Krimi  ist ganz anders als der erste Tatort mit Wotan Wilke Möhring, kommt aber trotzdem sehr gut an und macht Lust auf mehr.

1. Dezember Happy Birthday, Sarah (Stuttgart)
Gehört definitiv zu den besten Tatorten des Jahres: In einem kleinen, aber feinen Fall nehmen sich Lannert und Bootz einer verwahrlosten 13-Jährigen an, die behauptet, ihren Sozialarbeiter ermordet zu haben. Und das Ganze dankenswerterweise ohne Moralkeule. Herrlich!

8. Dezember Schwindelfrei (Wiesbaden)
Dass ein Tatort mit Felix Murot ganz anders daherkommt, war zu erwarten. Geheilt von Tumor Lilly schleust er sich in eine Zirkus-Truppe ein. Die Quote war super, die Kritik anschließend so gespalten wie selten zuvor.

22. Dezember Allmächtig (München)
Eigentlich kann man mit einem München-Tatort nicht viel falsch machen…doch nach dem Kunst-Quatsch in "Aus der Tiefe der Zeit" können Batic und Leitmayr auch in diesem hanebüchenen Online-Krimi nicht glänzen.

26. Dezember Die fette Hoppe (Weimar)
Christian Ulmen und Nora Tschirner liefern mit perfektem Timing und viel Spielfreude den lustigsten Tatort des Jahres ab. Der Krimi-Anteil ist eher gering, dennoch kommt das Debüt bei den Zuschauern bestens an!

Einer fehlt noch: Um nicht zu viel über den letzten Tatort des Jahres "Borowski und der Engel" zu verraten, liefern wir Euch den bald nach!

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