"Das verkaufte Lächeln": Der neue München-Tatort im Kreuzverhör

Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) im neuen Tatort "Das verkaufte Lächeln": Weiße Haare im Internet.

© BR/Erika Hauri

Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) im neuen Tatort "Das verkaufte Lächeln": Weiße Haare im Internet.

Der 14-Jährige Tim (Justus Schlingensiepen) zieht sich vor der Webcam für zahlende Kunden aus...

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Der 14-Jährige Tim (Justus Schlingensiepen) zieht sich vor der Webcam für zahlende Kunden aus...

...doch eines Morgens wird er tot an der Isar gefunden.

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...doch eines Morgens wird er tot an der Isar gefunden.

Tims Eltern sind ahnungslos über die heimlichen Machenschaften ihres Sohnes.

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Tims Eltern sind ahnungslos über die heimlichen Machenschaften ihres Sohnes.

Auch Hanna (Anna-Lena Klenke) posiert vor der Webcam, ebenso wie...

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Auch Hanna (Anna-Lena Klenke) posiert vor der Webcam, ebenso wie...

...Flo (Nino Böhlau), der alleine mit seiner Mutter (Katharina Marie Schubert) am Existenzminimum lebt.

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...Flo (Nino Böhlau), der alleine mit seiner Mutter (Katharina Marie Schubert) am Existenzminimum lebt.

Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) macht die zahlenden Kunden und Chat-Partner des toten Tim ausfindig.

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Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) macht die zahlenden Kunden und Chat-Partner des toten Tim ausfindig.

Vor allem Guido Buchholtz (Maxim Mehmet) ist verdächtig: Augenscheinlich harmloser Familienvater, doch heimlich hat er lange mit den Teenies gechattet.

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Vor allem Guido Buchholtz (Maxim Mehmet) ist verdächtig: Augenscheinlich harmloser Familienvater, doch heimlich hat er lange mit den Teenies gechattet.

Verkaufen sich Flo, Hanna und Tim freiwillig im Internet oder gibt es Hintermänner?

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Verkaufen sich Flo, Hanna und Tim freiwillig im Internet oder gibt es Hintermänner?
23.12.2014 · von

Zuletzt schwächelten die alten Hasen Batic und Leitmayr ein wenig. Inzwischen sind die beiden Münchener Ermittler nicht nur angegraut, sondern schlohweiß, und mit modernen Entwicklungen tun sie sich schwer. Im neuen München-Tatort "Das verkaufte Lächeln" geht es nun ausgerechnet um Teenager-Machenschaften im Web. Ob das Duo Batic/Leitmayr dabei überzeugen kann?

Worum geht’s?

Mit nacktem Oberkörper steht der 14-Jährige Tim vor seiner Webcam und zieht sich weiter aus – beobachtet von einem fremden Mann irgendwo an einem anderen Laptop. Seinen Eltern erzählt Tim, er verdiene sein Taschengeld mit der Programmierung von Webseiten und Apps. Eines Morgens liegt Tims Leiche an der Isar, er wurde gezielt mit einer Gaspistole getötet.

Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) suchen zunächst unter den zahlenden Nutzern von Tims Webseite nach möglichen Tätern. Guido Buchholtz (Maxim Mehmet) passt perfekt ins Profil, er hat regelmäßig mit dem toten Jungen gechattet, auch wenn er sich hinter einer idyllischen Fassade als Familienvater und Fußball-Trainer tarnt. Buchholtz hat zwar für die Tatzeit ein Alibi, das jedoch bröckelt nach und nach.

Auch Tims Freunde Florian (Nino Böhlau) und Hanna (Anna-Lena Klenke) haben sich vor der Webcam ausgezogen und genießen die Zuwendungen der zahlenden Kunden. Haben sie sich freiwillig zum Sex-Objekt gemacht oder gibt es Hintermänner? Während Hanna mit ihrer Mutter in einer großzügigen Villa lebt, muss Florians alleinerziehende Mutter (Katharina Marie Schubert) sich die Nächte in einer Tankstelle um die Ohren schlagen, um sich und ihren Sohn durchzubringen. Die Münchener Tatort-Kommissare versuchen einerseits, den Mord aufzuklären, doch viel mehr beschäftigt vor allem Leitmayr die Frage, wer hier eigentlich Täter und wer Opfer ist?

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Schwere Kost ist "Das verkaufte Lächeln" allemal, nicht zuletzt durch die Edathy-Affäre. Die Szene, in der die junge Hanna mit einem deutlich älteren Lüstling chattet, ist nicht leicht auszuhalten. Wie können Eltern nachvollziehen, was ihre Kinder im Internet treiben? Diese Frage steht im Raum, und weder die alleinerziehende Mutter am Existenzminimum noch von die Society-Mama mit englischsprachigem Hausmädchen konnten es verhindern, dass ihre Kinder sich virtuell an ältere Männer verkaufen. Doch dieser Tatort benötigt keine platten Aussagen und bedeutungsschwere Dialoge, sondern lässt Vieles nur angedeutet.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Leider ja – zumindest was das zentrale Thema angeht. Sinkende sexuelle Hemmungen bei Teenagern, verbunden mit einer großen Zeigefreudigkeit im Internet - das kann schnell zum großen Problem werden. Sogar die Online-Szenen sind einigermaßen realitätsnah, abgesehen von den üblichen Fake-Seiten "Friendbase", "MoonZoom.de" oder "OnlineChat4You". Warum dürfen keine echten Seiten gezeigt werden, obwohl jeder die realen Vorbilder kennt, dafür aber eine Reihe neuester BMW-Modelle permanent in Szene gesetzt werden (Hammermann: "Auch mal neue Computer und nicht immer nur neue Autos kaufen...")?

Bester Auftritt

Endlich mal wieder eine souveräne Vorstellung von Batic und Leitmayr! Das gelingt vor allem dadurch, dass die Silberrücken alles, was mit dem Internet zu tun hat, dem jungen Kollegen Hammermann (Ferdinand Hofer) überlassen. Der hat zwar einen starken, wenn auch noch etwas eindimensionalen Auftritt. Wie an vielen anderen Tatorten auch, hockt der Jungspund vor dem Bildschirm und zaubert den analogen Kollegen digitale Beweise hervor. Da geht noch mehr.

 

Störend ist in diesem München-Tatort vor allem, dass der Hauptverdächtige gleichzeitig der Kriminaltechniker Menzel am Tatort Leipzig ist. Maxim Mehmet spielt gut, doch permanenten Darstellern aus anderen Tatorten derart zentrale Rollen zu geben, sollte tabu sein.

Was muss man sich merken?

Die neuen Figuren werden immer stärker einbezogen, vor allem Kalli Hammermann. Ein guter Weg, um beliebte, aber betagte Ermittler wie Batic und Leitmayr glaubhaft in aktuellen Geschichten zu zeigen, ohne die Charaktere zu verbiegen. Doch die neuen Kollegen dürfen nicht bloß zu Stichwortgebern verkommen, sondern sollten vollwertige Team-Mitglieder sein. Wie das geht, lässt sich in Dortmund wunderbar beobachten.

Soll man gucken?

Ja! Zwar passt dieser München-Tatort jahreszeitlich überhaupt nicht zu Ende Dezember, doch zwischen dem Weihnachts-Klamauk aus Saarbrücken und dem locker-leichten Weimar-Tatort ist "Das verkaufte Lächeln" eine gute Abwechslung. Auch optisch ist dieser Tatort sehenswert: Tolle Kameraperspektiven, Effekte wie Chat-Optik und der Mut, das Offensichtliche nur anzudeuten, statt ausführlich zu zeigen, unterscheiden ihn von vielen anderen Fällen. Trotz kleinerer Schwächen ein guter, solider Fall aus München!

Der Tatort "Das verkaufte Lächeln" läuft am 28. Dezember 2014 um 20:15 Uhr in der ARD.

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