Das Alpen-Dilemma oder: Wann kommt der Tausendste Tatort?

Der tausendste Tatort wird im Jahr 2016 gesendet - doch wann genau?

Der tausendste Tatort wird im Jahr 2016 gesendet - doch wann genau?
30.03.2016 · von

Fünfundvierzig Jahre ist er alt, der Tatort, das "Lagerfeuer der Nation". Seit der ersten Sendung am 29. November 1970 wurden bislang fast tausend Folgen der Krimi-Reihe ausgestrahlt – doch: wann genau kommt denn nun der "Tausendste Tatort"?

Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten und hängt davon ab, was als echter Tatort gezählt werden darf, und was nicht. Das Dilemma begann im Jahr 1985, als sich der Österreichische Rundfunk ORF dazu entschloss, einen eigenen Tatort zu drehen – ohne die Mitwirkung der deutschen und der Schweizer Sendeanstalten. Offiziell ist der Tatort ein Verbund-Produkt, dessen Folgen abwechselnd von den Deutschen, den Österreichern und den Schweizern gedreht und dann im gesamten Sendegebiet ausgestrahlt werden. Doch beim ORF fuhr man fortan für die nächsten vier Jahre bis 1989 zweigleisig: es wurden „offizielle“ Tatorte für den Senderverbund gedreht und daneben entstanden noch 13 Sonder-Tatorte, die nur in Österreich gezeigt wurden. In der offiziellen Liste der ARD tauchen diese Folgen nicht auf, obwohl sie denselben Vorspann und dieselbe Titelmelodie verwenden wie die restlichen Tatorte. Zum Teil sind auch dieselben Ermittler im Einsatz. Warum diese 13 Alpen-Tatorte daher in den ARD-Listen nicht auftauchen ist nicht ganz nachzuvollziehen.

Keine offizielle Nummerierung

Die ARD selbst hat zudem darauf verzichtet, ihren Tatorten eine Nummerierung zu verpassen. In den Publikationen wird immer nur der Titel der jeweiligen Folge genannt, niemals die dazugehörige Nummer – wohl auch, weil man selber nicht genau weiß, wie man mit den 13 Abtrünnigen umgehen soll. Würde man diese Sonder-Tatorte in die offizielle Liste aufnehmen, dann stünde uns bereits am 16. Mai 2016 der 1000. Tatort ins Haus, die Ehre gebührte dann Kommissarin Inga Lürsen aus Bremen in ihrem 33. Einsatz "Der hundertste Affe".

Da die Sonder-Tatorte in den offiziellen Listen jedoch totgeschwiegen werden, haben wir uns dazu entschieden, eine andere Zählweise anzuwenden, die vermutlich zuerst von den Machern des Tatort-Fundus angewendet wurde: Die "wilden 13" sind in der Episodenliste enthalten, tragen jedoch keine eigenen Nummern, sondern jeweils den kleinen Zusatz "a" bzw. "b" zum davorliegenden offiziellen Tatort. So ist also die oben bereits erwähnte Folge aus dem Jahr 1985 in unserer Liste nicht die Nummer 169, sondern "nur" die Nummer 168a.

Die "Sonder-Tatorte" im Überblick

Diese 13 Tatorte wurden nur vom ORF produziert und bei der Erstausstrahlung auch nur in Österreich gezeigt:

FolgeTitelDatum
168aFahrerflucht19.05.1985
171aDes Glückes Rohstoff08.09.1985
176aStrindbergs Früchte12.01.1986
178aDas Archiv02.03.1986
181aDie Spieler13.06.1986
184aAlleingang24.08.1986
186aDer Schnee vom vergangenen Jahr12.10.1986
187aDer Tod des Tänzers18.12.1986
188aDie offene Rechnung11.01.1987
192aSuperzwölfer25.04.1987
199aAtahualapa08.12.1987
199bFlucht in den Tod19.12.1987
218aGeld für den Griechen21.05.1989

 

Weitere Besonderheiten

Und noch weitere Besonderheiten gibt es in der langen Tatort-Geschichte zu berücksichtigen: Einige Ermittler waren so beliebt, dass ihre Charaktere – zum Teil mit anderen Schauspielern – auch nach ihrer Tatort-Karriere fortgeführt wurden.

Prominentestes Beispiel hierfür ist die Figur Horst Schimanski, gespielt von Götz George, der zusammen mit seinem Partner Christian Thanner (Eberhard Feik) zwischen 1981 und 1991 insgesamt 29 Mal in Duisburg ermitteln durfte. Die Figur Schimanski war derart beliebt, dass die Stadt Duisburg ihr sogar mit der "Horst-Schimanski-Gasse" eine eigene Straße im Stadtteil Ruhrort widmete. Nach der letzten Tatort-Folge ("Der Fall Schimanski") und einer sechsjährigen Pause entschloss sich die ARD dann 1997, Horst Schimanski als Figur in einer eigenen Serie wiederzubeleben. Filmpartner Eberhard Feik war in der Zwischenzeit leider gestorben, so dass Götz George allein weitermachen musste. Obwohl Figur und Hauptdarsteller identisch blieben, werden diese neuen Schimanski-Fälle nicht zu den offiziellen Tatorten gezählt, da die entscheidenden Merkmale fehlten: Vorspann und Titelmelodie waren eine Eigenkreation.

Weniger erfolgreich war dagegen der Versuch, den beliebten Charakter Paul Trimmel, den ersten Kommissar der Tatort-Geschichte, nach seinem offiziellen Tatort-Ende in einer eigenen Serie weiterzuführen. Der "echte" Paul Trimmel (Walter Richter) stand für die Dreharbeiten nicht mehr zur Verfügung, und so wurden die neuen Sendungen mit Gerd Kunath in der Hauptrolle zum Flop. Nach nur zwei Folgen war Schluss, in die Liste der Tatorte wurden sie ohnehin nicht aufgenommen.

In einem Fall ging es auch andersherum: Hannelore Elsner hatte als "Die Kommissarin" schon zwei Staffeln lang erfolgreich in Frankfurt am Main ermittelt. Für zwei Tatort-Folgen wurde ihre Figur dann 1997 nach Hamburg versetzt und in die offizielle Tatort-Zählung aufgenommen ("Gefährliche Übertragung", "Alptraum"). Aber weder die Hauptdarstellerin noch ihre Zuschauer waren von der Verpflanzung sonderlich angetan. Elsner wechselte zurück nach Frankfurt und drehte noch bis 2006 weitere 40 erfolgreiche Episoden ihrer "Kommissarin".

Der Tausendste Tatort

Alle Ein- und Ausgliederungen sowie die Alpen-Alleingänge berücksichtigt, werden wir die tausendste Tatort-Folge aber noch in diesem Jahr zu sehen bekommen. Obwohl die ARD nach außen hin nicht mitzählt, ist man sich des Jubiläums natürlich bewusst. Der Sendetermin steht noch nicht, aber im Herbst 2016 kommt eine Besonderheit auf den Bildschirm: Der Kieler Ermittler Klaus Borowski wird zusammen mit seiner Kollegin Charlotte Lindholm aus Niedersachsen für eine Folge gemeinsame Sache machen (was wir bisher wissen). Als Hommage an den allerersten Tatort wird auch diese Folge "Taxi nach Leipzig" heißen.

Deutlicher geht es nicht: dies wird der offizielle Jubiläums-Tatort.

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