Auch Oldenburg ist Syrien: Der neue Falke-Tatort im Kreuzverhör

Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) müssen in "Die Feigheit des Löwen" in Oldenburg ermitteln.

© NDR/Christine Schroeder

Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) müssen in "Die Feigheit des Löwen" in Oldenburg ermitteln.

Sie wollen Passfälscher Azim (Tamer Yigit) hochnehmen, der syrische Flüchtlinge mit Papieren austattet.

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Sie wollen Passfälscher Azim (Tamer Yigit) hochnehmen, der syrische Flüchtlinge mit Papieren austattet.

Auch Azims Freundin Raja (Daniela Golpashin) stammt aus Syrien...

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Auch Azims Freundin Raja (Daniela Golpashin) stammt aus Syrien...

...und trifft sich regelmäßig mit Landsleuten im Haus des Arztes Nagib (Husam Chadat).

© NDR/Christine Schroeder

...und trifft sich regelmäßig mit Landsleuten im Haus des Arztes Nagib (Husam Chadat).

Gemeinsam hat die syrische Gemeinde bereits Nagibs Bruder Harun (Navid Negahban, "Homeland") aus dem Kriegsgebiet gerettet.

© NDR/Christine Schroeder

Gemeinsam hat die syrische Gemeinde bereits Nagibs Bruder Harun (Navid Negahban, "Homeland") aus dem Kriegsgebiet gerettet.

Doch seit Harun in Oldenburg ist, herrscht eine merkwürdige Stimmung - hat Raja etwas damit zu tun?

© NDR/Christine Schroeder

Doch seit Harun in Oldenburg ist, herrscht eine merkwürdige Stimmung - hat Raja etwas damit zu tun?

Falke versucht unterdessen, das Vertrauen des kleinen Ali zu gewinnen. Der ist mit seiner Mutter...

© NDR/Christine Schroeder

Falke versucht unterdessen, das Vertrauen des kleinen Ali zu gewinnen. Der ist mit seiner Mutter...

...auf der Flucht vor dem Krieg. Alis Schwester ist gestorben, sein Vater von einem Polizisten erschossen worden.

© NDR/Christine Schroeder

...auf der Flucht vor dem Krieg. Alis Schwester ist gestorben, sein Vater von einem Polizisten erschossen worden.

Das Schicksal der Kriegsflüchtlinge lässt die Ermittler nicht kalt.

© NDR/Christine Schroeder

Das Schicksal der Kriegsflüchtlinge lässt die Ermittler nicht kalt.

Falke und Lorenz suchen nach Zusammenhängen zwischen den Toten und dem Fälscher als...

© NDR/Christine Schroeder

Falke und Lorenz suchen nach Zusammenhängen zwischen den Toten und dem Fälscher als...

...eine weitere Leiche auftaucht: Ahmed Shuk (Hasan Ali Mete) stammte ebenfalls aus Syrien und starb auf qualvolle Art.

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...eine weitere Leiche auftaucht: Ahmed Shuk (Hasan Ali Mete) stammte ebenfalls aus Syrien und starb auf qualvolle Art.

Wie hängen die drei Fälle zusammen?

© NDR/Christine Schroeder

Wie hängen die drei Fälle zusammen?
27.11.2014 · von

Wenn sich der Tatort eines aktuellen Themas annimmt, ist die Gefahr des Scheiterns groß: Platte Moralpredigten sind überholt, außerdem liegt zwischen Produktion und Ausstrahlung so viel Zeit, dass sich die Fakten grundlegend ändern können. Der NDR wagt es und lässt Thorsten Falke - der es aus dem Stand geschafft hat, einer der beliebtesten Kommissare zu werden - unter syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen ermitteln. Ob das gut geht?

Worum geht’s?

Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) und ihr Team der Bundespolizei sind Ausweisfälscher Azim (Tamer Yigit) auf der Spur, der illegale Einwanderer mit Pässen versorgt. Sie vermuten, dass Azim für eine Schleuserbande arbeitet und hoffen, über ihn an die Hintermänner heranzukommen. Der Fälscher ist Teil der syrischen Gemeinde in Oldenburg, die trotz der Entfernung unter dem Bürgerkrieg in Syrien leidet und bereits einige Flüchtlinge aufgenommen hat.

Währenddessen beobachten zwei Streifenpolizisten zufällig, wie ein syrischer Flüchtling für sich und seine Familie Pässe von Azim kauft. Als die Beamten ihn zur Rede stellen wollen, dreht der Käufer durch und wird erschossen. Der zur Aufklärung gerufene Jan Katz (Sebastian Schipper) findet im Auto des Mannes eine verletzte Frau, einen verängstigten Jungen und ein totes Mädchen.
Gemeinsam versuchen die drei Ermittler herauszufinden was mit der Familie geschehen ist. Die syrischen Flüchtlinge waren schon früher in Deutschland, sind aber abgeschoben worden. Auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg sind sie erneut nach Deutschland gekommen – und wollten mit den falschen Pässen eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Falke schafft es, das Vertrauen des kleinen Ali zu gewinnen. Ist er der Schlüssel zur Lösung?

Doch kurz danach wird auf einem verlassenen Gelände eine weitere Leiche gefunden. Ahmed Shuk (Hasan Ali Mete) war ein unbescholtenes Mitglied der syrischen Gemeinde. Im Haus des Arztes Nagib (Husam Chadat) hat er sich regelmäßig mit anderen Syrern getroffen. Auch Raja (Daniela Golpashin), die Freundin von Passfälscher Azim, gehört zu der Gruppe. Doch seit sie Nagibs Bruder Harun (Navid Negahban alias Abu Nazir aus "Homeland") aus Syrien gerettet haben, hat sich das Klima verändert – der Krieg ist nach Oldenburg gekommen.

Problem-Krimi oder Spaß-Tatort?

Ein Tatort vor dem Hintergrund einer aktuellen, weltpolitischen Krise – "Die Feigheit des Löwen" zeigt die Auswirkungen des syrischen Bürgerkrieges auf eine sehr intensive Weise. Permanent läuft ein Fernseher mit den nur allzu bekannten Bildern aus Damaskus oder Aleppo im Hintergrund, anhand von Einzelschicksalen wird das Leid der Menschen erzählt. Das erdrückt ein wenig den eigentlichen Fall, den Falke und Lorenz zu klären haben. Die Zusammenhänge sind nicht immer logisch, die Geschichte um den traumatisierten Ali – so erschütternd sie ist – wirkt arg gewollt und künstlich eingeflochten.

Auch die Ermittler sind mitgenommen von den Schicksalen, deswegen folgt ein Ausbruch, in dem der "alte" Falke, den wir in seinem Debüt kennengelernt haben, kurz durchbricht. Mit einem "Egal jetzt!" werden die Ermittlungen weggewischt, die Jukebox einer schummrigen Kneipe gestartet und "Billstedter Milch" gezecht, der Ausgang der Nacht bleibt ungewiss. Doch die Flucht ist nur kurz, am nächsten Morgen wartet wieder die harte Realität.

Ist die Handlung glaubwürdig?

Glaubwürdig ja – aber leider ein wenig verworren. Der Konflikt in Syrien bildet den Hintergrund für individuelle Motive und Geschichten der handelnden Figuren, er vereint die unterschiedlichen Charaktere in ihrem Schicksal. Einige Wendungen wirken sehr willkürlich, und am Ende bleibt mehr als nur ein loses Ende. Und: Das Dilemma der Ermittler hätte wesentlich mehr Raum verdient als ein paar Dialog-Zeilen kurz vor dem Abspann: Azim macht zwar ein gutes Geschäft mit den gefälschten Papieren, ermöglicht aber auch zahlreichen Flüchtlingen ein Leben in Sicherheit. Was wiegt stärker?

Bester Auftritt

 

"Homeland"-Star Navid Negahban hat zwar nicht viel Text, verkörpert das Böse aber so überzeugend, dass es einem kalt den Rücken herunterläuft. Im Haus seines Bruders verbreitet er eine Kälte, die am Fernseher täuschend echt rüberkommt und auch sein Umfeld zermürbt. Die Ermittler selber bleiben dieses Mal leider ein wenig blass, die "Falke gewinnt das Vertrauen des kleinen Ali"-Szenen sind deutlich zu dick aufgetragen. Beim nächsten Mal gerne wieder mehr "Billstedter Milch"!

Was muss man sich merken?

Das Bundespolizei-Setting ist auf der einen Seite eine reizvolle Idee für den Tatort: Jedesmal eine andere Stadt, andere Räumlichkeiten, andere Teams – doch die Kontinuität bleibt auf der Strecke. Was bleibt, ist Falkes Klingelton und ein Glas Milch. Vielleicht wird auch deswegen das Verhältnis von Falke und Lorenz in diesem Tatort ein Stückchen weitergedreht, denn sonst gäbe es wenig, woran ein nächster Fall anknüpfen könnte.

Soll man gucken?

Thorsten Falke begann einst bärenstark in "Feuerteufel", doch bei der Bundespolizei bekam das Team leider bislang nur recht einseitige Fälle. "Die Feigheit der Löwen" ist ein ambitionierter Krimi, der den alltäglich gewordenen Konflikt in Syrien von einer neuen Seite beleuchtet. Doch unterm Strich ist der Fall ein wenig zu verkopft und verworren, um ganz überzeugen zu können. Bei der Bundespolizei kümmert man sich zwar in erster Linie um Themen wie Menschenhandel, Schleuserkriminalität und ähnliches, doch Falke und Lorenz können ihr volles Potential in diesem beschränkten Themenfeld leider (noch) nicht ganz entfalten - geografisch ungebunden, aber thematisch limitiert.

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