1000 Mal Tatort: Die 2010er

Der wohl umstrittenste Tatort-Kommissar der letzten Jahre: Til Schweiger räumt seit 2013 am Tatort Hamburg auf - nicht nur in seiner Rolle als Nick Tschiller.

©NDR/Marion von der Mehden

Der wohl umstrittenste Tatort-Kommissar der letzten Jahre: Til Schweiger räumt seit 2013 am Tatort Hamburg auf - nicht nur in seiner Rolle als Nick Tschiller.
11.11.2016 · von

Der Tatort ist Kult – heute mehr denn je! Von der bundesrepublikanisch-biederen Sonntags-Unterhaltung hat sich der Krimi zu einem Hype entwickelt, der in der deutschen TV-Geschichte einmalig ist. Dabei ist eine ganze Zielgruppe neuer Fans hinzugekommen: Jeder Tatort wird bei Twitter und Facebook leidenschaftlich kommentiert und bewertet, jede Menge neue Fan-Seiten entstehen im Netz. Auch die Forschung befasst sich immer öfter mit dem Tatort als Spiegel Deutscher Kulturgeschichte.

Klar, dass fast jede Stadt ein Stück des Tatort-Kultes werden möchte, und so brachten die letzten Jahre eine Flut neuer Ermittler. Mit Reto Flückiger (Stefan Gubser) taucht die Schweiz 2011 wieder auf der Tatort-Karte auf, in Dortmund tritt 2012 ein schwer angeschlagener Peter Faber (Jörg Hartmann) seinen Dienst an, Erfurt schickt ein Jahr später ein blutjunges Team an den Start (und scheitert krachend). Besonders groß ist die Vorfreude in Franken: In Nürnberg gibt es seit 2015 ein eigenes Tatort-Team, jeder Schritt von der Idee bis zur Ausstrahlung wurde frenetisch gefeiert.

Auch an etablierten Orten sind neue Gesichter zu sehen: Steier (Joachim Król) und Mey (Nina Kunzendorf) lösen die alten Frankfurter Ermittler ab und werden ihrerseits nach viel zu kurzer Zeit ersetzt. In Berlin sollen Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) endlich für einen Tatort sorgen, der der Hauptstadt würdig ist. Und in Hamburg – da gibt es Til Schweiger. Der Kino-Star, -Regisseur und –Produzent lässt seinen LKA-Cop Nick Tschiller in der Hansestadt wüten wie in einem US-Actionstreifen. An Schweiger scheiden sich die Geister, er will die Reihe umkrempeln und stößt schon mit seiner Forderung nach einem neuen Vorpsann auf erbitterten Widerstand. Und doch muss man wertfrei anerkennen: Handwerklich und qualitativ hebt er den Tatort auf eine neue Ebene. Großes Kino für die angestaubte Reihe!

Der Tatort wird mancherorts zur Serie

Die bisherige Maxime, dass es außer den Figuren kaum wiederkehrende Elemente im Tatort gibt, wird aber auch an anderen Orten aufgebrochen. In Dortmund werden die vier Hauptfiguren seit inzwischen sieben Filmen langsam weiter entwickelt, fast einer Serie gleich.

Ein eher unrühmliches Kapitel wird hingegen in Saarbrücken geschrieben: Die beliebten Kommissare Kappl (Maximilian Brückner) und Deininger (Gregor Weber) werden vom Sender abgesägt, angeblich weil sie inhaltliche Kritik an den Drehbüchern äußerten. Nachfolger Stellbrink (Devid Striesow) hat offenbar kein Mitspracherecht – seine bisherigen Einsätze wurden allesamt verrissen.

Besondere Kleinode in der Tatort-Landschaft gelingen in Wiesbaden und Weimar. Der sonst eher erfolglose MDR lässt das Traumpaar Christian Ulmen und Nora Tschirner auf die Dichterstadt los, die mit klugem Witz und klasse Dialogen sofort einschlagen. LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) in Wiesbaden ist hingegen ein eher leiser Vertreter. Seine Tatorte sind zunächst kunstvoll, dann bombastisch: Mit "Im Schmerz geboren" gelingt 2014 ein Tatort, auf den Tarantino stolz gewesen wäre.

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<<Auch lesen: Der Tatort in den 2000ern

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